Grösster Arbeitgeber schliesst

FELBEN. Gestern nachmittag gab die Geschäftsleitung von Müller Martini bekannt, dass der Standort in Felben geschlossen wird. Damit gehen rund 289 Stellen verloren. Auch bei den Chefs seien Tränen geflossen, sagte ein Mitarbeiter.

Rahel Haag/Stefan Hilzinger
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Müller Martini schliesst seinen Standort in Felben. (Bild: Nana do Carmo)

Müller Martini schliesst seinen Standort in Felben. (Bild: Nana do Carmo)

Es ist ein trüber Spätnachmittag in Felben. Auf dem Parkplatz der Müller Martini stehen vereinzelte Autos, ansonsten ist es ruhig. Dann beginnt es zu regnen.

Ein grossgewachsener Mann verlässt das Gebäude und läuft zu seinem Auto. Er bleibt einen Moment stehen, die Hände in die Hosentaschen gesteckt und schaut ratlos dorthin, wo er gerade hergekommen ist. «Die Mitteilung heute nachmittag kam für alle überraschend», sagt er. Nun heisse es abwarten. «Die Kündigung wurde ja noch nicht ausgesprochen.» Seit elf Jahren ist er für die Firma tätig. Es sei ein emotionaler Tag gewesen. «Auch bei den Chefs sind Tränen geflossen.»

Gestern nachmittag um 13.30 Uhr wurden die Angestellten der Müller Martini in Felben darüber informiert, dass der Standort geschlossen wird. Dort werden 250 Stellen und 39 Lehrstellen gestrichen. 50 Stellen werden nach Zofingen verschoben, heisst es in der Medienmitteilung der Gewerkschaft Angestellte Schweiz. Müller Martini ist einer der grössten Arbeitgeber der Region Frauenfeld.

Die Erholung blieb aus

«So eine Mitteilung macht man nicht gern», sagt CEO Bruno Müller. «Doch es musste sein.» Ein wichtiger Faktor, der zur Schliessung führte, sei der Trend zu digitalen Medien. «In letzter Zeit mussten viele Druckereien schliessen. Dadurch haben wir Kunden verloren.» Nach einem Einbruch der Auftragslage im Jahr 2008 und einem weiteren Einbruch Ende letzten Jahres, gab es deutlich weniger Arbeit. «Und die Erholung blieb aus.» Nun wolle man sozialverträgliche Lösungen finden und gleichzeitig versuchen, das Unternehmen wieder auf eine gute Basis zu stellen.

Keine Hoffnung mehr

Ein massiger Mann rennt in einem kurzärmeligen Hemd über den Parkplatz. «Es gibt keine Hoffnung mehr», sagt er. Die einen werde es schlimmer treffen, als die anderen. «Manche arbeiten schon ihr ganzes Leben hier.» Auf ihn treffe das nicht zu. «Aber trotzdem.» Dazu komme, was immer dazu kommt: «Die Älteren werden es schwer haben, eine neue Stelle zu finden.»

Ein kleiner Mann mit dunklem Haar kommt gerade zur Tür heraus. Er wirkt abwesend und unkonzentriert. «Es war ein plötzlicher Entscheid», sagt er. Natürlich sei die Auftragslage schlecht gewesen. «Und es wurde auch nicht besser.» Dennoch habe man nicht damit gerechnet, dass es am Ende den Standort Felben treffen würde. «Die Geschäftsführung hatte immer signalisiert, dass gerade Felben ein sicherer Standort sei», sagt er.

2009 kriselte es erstmals

Im Jahr 2009 musste die Firma am Standort in Felben Personal entlassen. Eine erste Welle gab es Ende April, als das Unternehmen bekanntgab, 60 von damals noch 500 abzubauen. 30 Angestellte erhielten die Kündigung. Schon im Herbst des gleichen Jahres erfolgen weitere 22 Kündigungen. Der Markt werde sich bis 2012 nur langsam erholen, hiess es damals. wirtschaft ostschweiz 31