Greenpeace findet Pestizide im Obstbau

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat in Thurgauer Apfelanlagen Pestizide nachgewiesen. Das sei kein Wunder, heisst es im Obstbau – die Mittel dürften ja eingesetzt werden. Die Grenzwerte würden problemlos eingehalten, sagt der Kantonschemiker.

Christof Widmer
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FRAUENFELD. Bis zu neun verschiedene Pestizide hat Greenpeace in Thurgauer Apfelanlagen nachgewiesen. Die Giftkonzentration sei teilweise sehr hoch, teilte die Umweltorganisation gestern mit. Darunter befinde sich zum Beispiel das Mittel Chlorpyrifos, das Entwicklungsstörungen bei Kindern verursachen könne und im Verdacht stehe, Krebs auszulösen. Es sei für Bienen extrem schädlich. Die Proben seien in Anlagen zwischen Kreuzlingen und Altnau genommen worden, sagt Greenpeace-Landwirtschaftsexpertin Marianne Künzle. Dass hohe Konzentrationen nachgewiesen wurden, hänge wohl damit zusammen, dass die Anlagen kurz zuvor mit Pestiziden behandelt worden sind.

Keine Angaben über Grenzwerte

Die Frage, ob die Pestizid-Rückstände Grenzwerte überschreiten, beantwortete Künzle nicht. Es sei «extrem bedenklich», solche Wirkstoffe in Wasser, Boden und auf Blüten zu finden. Problematisch sei auch, dass einzelne dieser Wirkstoffe langsam abbaubar seien. «Es ist nicht ausgeschlossen, dass sie noch im reifen Apfel enthalten sind.» Über den Boden könnten diese Stoffe auch ins Grundwasser kommen, sagt Künzle.

Dass Greenpeace Pestizide fand, wundert indes niemand. «Es ist doch logisch, dass man die Wirkstoffe nachweisen kann, wenn sie kurz vorher gesprüht worden sind», sagt Edwin Huber, Präsident der Thurgauer Obstproduzenten. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sei erlaubt, aber mit Auflagen verbunden. Zum Beispiel gebe es Fristen, innerhalb derer die Mittel eingesetzt werden dürfen – damit sich die Wirkstoffe vor der Ernte wieder abgebaut haben. Unter den Obstproduzenten herrsche in Sachen Pestizide der eiserne Grundsatz: «So viel wie nötig, so wenig wie möglich.»

Über den Pestizideinsatz im Obstbau gebe es gute Daten, sagt Urs Müller, Leiter der Fachstelle Obstbau am Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg. Produzenten und Handel hätten eigene Qualitätskontrollen. Die Bauern hielten die Vorschriften im eigenen Interesse ein. Sonst drohten ihnen Abzüge seitens der Abnehmer, sagt Müller.

Auch das kantonale Laboratorium untersucht jeweils in Stichproben, ob es Pflanzenschutzmittel im Obst gibt. Kantonschemiker Christoph Spinner gibt Entwarnung: «Pflanzenschutzmittel in Äpfeln sind im Thurgau kein Problem.» Die nachgewiesenen Spuren lägen weit unter den gesetzlichen Höchstwerten.

Bio-Landwirtschaft fördern

Greenpeace geht es aber um etwas ganz anderes: Die Organisation bekämpft die konventionelle Landwirtschaft. Diese sei ein Auslaufmodell, wie auch die Studie über Pestizidrückstände zeige, sagt Künzle. Die Schweiz soll besser in Alternativen investieren. Arenenberg-Experte Müller hat dazu eine klare Meinung: «Die konventionelle Landwirtschaft braucht es, um die Versorgung zu sichern.»