Gratiszeitung greift Kesb Linth an

Die «Obersee Nachrichten» kritisieren in einem Artikel die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde massiv. Die Kesb habe sich von einem Bauunternehmen instrumentalisieren lassen. Belegen lässt sich nichts.

Andri Rostetter
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RAPPERSWIL-JONA. Die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) steht unter medialem Dauerbeschuss. Zu den schärfsten Kritikern der Behörde zählen die «Obersee Nachrichten» im Linthgebiet. Das Gratisblatt führt seit Monaten einen Feldzug gegen die Kesb. Chefredaktor Bruno Hug warf der Behörde in mehreren Artikeln fehlende Professionalität, schlechte Kommunikation und Einmischung vor. Nur: Belegen liess sich bis jetzt keiner dieser Vorwürfe. Das trifft auch auf den jüngsten Vorfall zu, der sich angeblich im Linthgebiet zugetragen haben soll. Die Anschuldigungen sind auch dieses Mal wieder happig: Die Kesb habe sich in einen Streit zwischen zwei Firmen einspannen lassen. Bei den Firmen handelt es sich um die AWD Gipsergeschäft AG und den Thurgauer Generalunternehmer HRS.

Streit um 300 000 Franken

Der Besitzer des Gipsergeschäfts wirft dem Generalunternehmer vor, Arbeiten im Wert von 300 000 Franken nicht beglichen zu haben. Die HRS habe später zwar bezahlt, danach das Geld aber wieder zurückgefordert. Als der Unternehmer der Forderung nicht nachkam, habe die HRS über ihre Anwälte eine sogenannte Gefährdungsmeldung an die Kesb gemacht. Die Kesb habe den Unternehmer dann zu einem Gespräch eingeladen – zu dem er bis heute nicht erschienen sei.

Für die «Obersee Nachrichten» ist der Fall klar: «Die Behörde hat sich tatsächlich vom Baumulti einspannen lassen!» Was das Blatt ausblendet: Eine Gefährdungsmeldung kann grundsätzlich jeder bei der Kesb einreichen, wenn er der Ansicht ist, eine andere Person sei wegen geistiger Behinderung, psychischer Störung, Rausch oder ähnlicher Zustände nicht mehr in der Lage, vernunftgemäss zu handeln. Und die Kesb muss der Meldung in jedem Fall nachgehen. Darauf geht die Zeitung aber nicht ein. Im Gegenteil: Sie zitiert einen nicht namentlich genannten «Fachanwalt»: «Bewahre uns Gott davor, dass solches im Wirtschaftsverkehr unseres Landes Einzug hält.»

Unter finanziellem Druck

Auf Anfrage bestätigt die Kesb Rapperswil-Jona: Im Fall des Gipser-Unternehmers lag eine Gefährdungsmeldung vor. Wegen des Datenschutzes gibt die Behörde aber keine weiteren Auskünfte. Auch die HRS will den Fall wegen des laufenden Verfahrens nicht kommentieren.

Recherchen zeigen indes: Der Unternehmer hat mehrfach Geschäftspartner bedroht, zudem steht er unter massivem finanziellen Druck. Der Wirtschaftsinformationsdienst Moneyhouse warnt im Zusammenhang mit dem Mann vor «schwerwiegenden Zahlungsstörungen». In den vergangenen zwei Jahren hat er nicht weniger als zehn Firmen gegründet, drei davon existieren nicht mehr. Mehrere der Firmen haben diverse Adresswechsel und Zweckänderungen hinter sich. Widersprüchlich sind auch die Angaben zu den Arbeitsplätzen. Gemäss «Obersee Nachrichten» beschäftigt die AWD Gipsergeschäft AG 100 Angestellte. Moneyhouse dagegen listet bei zwei Firmen sechs bis acht Mitarbeiter auf, bei den anderen sind keine Angaben vorhanden.

Konfrontiert man den Unternehmer mit den Vorwürfen, sagt er: «Alles Blödsinn, alles gelogen.» Er will nun eine Stiftung gründen – zur Bekämpfung der Kesb. Eine Million Franken habe er bereits beisammen.