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GRANIT: China ist der Stein des Anstosses

Der Kanton gerät in die Kritik, weil er für den Strassenbau Steine aus China verwendet. Diese werden mit Kinderarbeit und eingeschleppten Schädlingen in Verbindung gebracht.
Silvan Meile
Randsteine entlang der Ottenbergstrasse in Berg. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Randsteine entlang der Ottenbergstrasse in Berg. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Silvan Meile

silvan.meile@thurgauerzeitung.ch

An der Bahnhofstrasse in Wigoltingen kam Paul Koch ins Stutzen, später auch noch in Basadingen: «Made in China» stand auf der Etikette am Palett mit Granitsteinen, die für die Kantonsstrassensanierung eingesetzt werden. Der SVP-Kantonsrat aus Oberneunform macht sich darüber seine eigenen Gedanken: «Der Kanton Thurgau verbaut also in dieser Kantonsstrasse Rand- und Pflastersteine aus China, welche einen riesigen Transportweg hinter sich haben und womöglich von Kinderhänden hergestellt wurden», schreibt er in einer Einfachen Anfrage an die Thurgauer Regierung. Es sei ausserdem bekannt, dass in der Verpackung der Steine aus China der äusserst schädliche Asiatische Laubholzbockkäfer eingeschleppt werden kann. Auch deshalb will Koch eine Diskussion anstossen. Im Thurgau soll für den Strassenbau Schweizer Granit statt solcher aus China eingesetzt werden, findet er.

Schweizer Existenzen im Steinbruch sind bedroht

«Wer es wirklich ernst meint mit guten Arbeitsbedingungen, mit Umweltschutz und Rohstoffen aus dem eigenen Land, setzt auf Schweizer Stein», sagt Koch. Mit seinem politischen Vorstoss will er nun zuerst in Erfahrung bringen, warum im Thurgau nicht einheimisches Material verwendet wird, das nicht um die halbe Welt gekarrt werden muss. «Wieso setzt der Regierungsrat nicht in der Schweiz hergestellte Schweizer Steine für den Strassenbau ein?» Vor allem in strukturell schwachen Randregionen im Tessin und dem Kanton Graubünden seien genügend solcher Steine erhältlich. Diese sicherten dort verschiedenen Leuten eine Existenz. Doch genau diese seien bedroht, weil der Bund und die meisten Kantone praktisch nur noch Granit aus dem Ausland verbauen. «Es ist doch para- dox. Genau jene Regionen der Schweiz, in denen diese Steine abgebaut werden, müssen mit Bundesgeldern unterstützt werden», sagt Koch.

Die Qualität stimmt für das Tiefbauamt nicht

Einerseits sei es der günstigere Preis, weshalb Steine aus dem Ausland für die Randabschlüsse der Strassen verbaut werden, sagt Andreas Schuster, stellvertretender Leiter des Thurgauer Tiefbauamtes. Andererseits werde in Schweizer Steinbrüchen nicht die Qualität angeboten, die für den Strassenbau verlangt sei. Weil er etwa anders abgebaut werde, sagt Schuster. Doch nicht alle Kantone vertreten diesen Standpunkt. In Basel-Stadt, Neuenburg und dem Tessin setzt man auf einheimische Randsteine und ist mit der Qualität zufrieden. «Für uns bedeuten die Schweizer Steine überhaupt keine Einschränkung», sagt Daniel Hofer, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit des Tiefbauamtes Basel-Stadt. Und weil die Randsteine für jedes kantonale Strassenprojekt einzeln beschafft werden, fallen sie wegen des Betrags von weniger als 150000 Franken nicht unter die Richtlinien des öffentlichen Beschaffungswesens. In Basel-Stadt ging dieser Praxis kein politischer Prozess voraus. Man erachte dieses Vorgehen einfach als sinnvoll, sagt Hofer.

«Die Mehrkosten sind unter dem Strich bescheiden»

Das Vorgehen der Basler findet Paul Koch gut. Die Schweizer Steine kosten zwar mehr, das dürfe aber nicht das einzige Kriterium sein. Die Mehrkosten seien im kostspieligen Strassenbau unter dem Strich bescheiden, sagt Koch. Nur gerade zwei Prozent der Kosten einer Strasse inklusive Kanalisation würden auf die Randsteine fallen. «Wegen ein paar Franken, welche die Steine aus China weniger kosten, nimmt man Kinderarbeit, Umweltverschmutzung und den Schädling in Kauf», sagt Koch. Nun liegt der Ball beim Regierungsrat, der die Anfrage beantworten muss.

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