Gourmet-Zug durch den Thurgau

Die Expo 2027 soll drei Landschaften thematisieren: Berg, Stadt und Küste. Diese Landschaften werden durch drei Bahn-Ringe erschlossen. Der Thurgauer Bahn-Ring soll zu einer Gourmet-Linie werden. Das weckt Hoffnungen.

Michèle Vaterlaus
Merken
Drucken
Teilen

ROMANSHORN. Die Landschaft wird zur grossen Bühne an der Ostschweizer Expo im Jahr 2027. Das Siegerkonzept «Expedition 27» nimmt die Besucher mit auf eine Reise in drei verschiedene Landschaftsräume: die Berg-, Stadt- und Küstenlandschaft. Bereist werden die Räume mit dem Zug. Dieser fährt auf drei Ringen – aufgeteilt analog den Landschaften – auf dem bestehenden Schienennetz. Der Thurgau ist der Küstenbahn zugeordnet. Diese fährt von Rorschach nach Romanshorn, weiter nach Weinfelden über Wil, St. Gallen und Rorschach wieder nach Romanshorn.

Viele Ortschaften erschlossen

Auch wenn das Konzept zuerst den Eindruck hinterlässt, dass sich die Ausstellung im Thurgau vor allem auf den Seebereich beschränkt, ist dem nicht so: Denn auf der Fahrt über Weinfelden nach Wil soll die Küstenbahn zur Gourmet-Linie werden und «kleine, aber feine Gasthäuser» erschliessen, wie im Konzept steht. Somit besteht auch für kleine Gemeinden die Chance, ein Teil der Expo zu werden. «Das ist genau das, was das Konzept ausmacht, dass nämlich über die Bahnringe viele Ortschaften erschlossen werden», sagt Marco Sacchetti, Generalsekretär des Departements für Bau und Umwelt. Er war Experte in der Jury, welche für das Wettbewerbsverfahren eingesetzt wurde. «Es besteht das Potenzial, dass es viele Nutzniesser gibt und neben den Hotspots viele kleine Schauplätze von der Expo profitieren.» Hoffnungen hegt Martin Salvisberg, Gemeindepräsident von Amriswil. «Ich engagiere mich im Verein Expo 2027, weil ich überzeugt bin, dass die Expo der Region Vorteile bringt.» Das habe er bei den Landesausstellungen 1964 und 2002 beobachtet. «Natürlich hoffen wir, dass die Stadt Amriswil ihr Mosaikteilchen davon abbekommt.» Deshalb ist er gespannt auf die Gourmet-Linie und was daraus entsteht. Nicht zuletzt hofft er auf einen allfälligen Ausbau der Bahninfrastruktur: Denn jede halbe Stunde fahren auf der Linie zwischen Weinfelden und Romanshorn zwei Personenzüge. Daneben gibt es Güterverkehr. «Das Ganze muss am Expozug vorbei kommen.»

Max Vögeli, Gemeindepräsident von Weinfelden, ist vorsichtiger: «Klar werden wir etwas zur Expo beitragen, wenn es geht. In Sachen Gourmet sind wir ja sowieso schon die Besten.» Er sei der Expo gegenüber positiv eingestellt, aber die ganze Geschichte sei ihm noch etwas zu nebulös, um sich zu äussern. «Wichtig ist mir einfach, dass die Infrastruktur, die gebaut werden soll, nachhaltig ist.» Noch vorsichtiger ist Hans Matthey, Gemeindepräsident von Affeltrangen. Die Gemeinde liegt ebenfalls an der Expo-Bahnlinie. «Es ist sicher gut, wenn der ganze Kanton eingebunden werden kann. Aber solange nichts konkret ist, kann ich nichts dazu sagen.»

Erst braucht es Hotels

Ruedi Bartel, Präsident von Gastro Thurgau, ist skeptisch. «Es gibt ein paar Restaurants, die sich in der Nähe der Bahnhöfe befinden», sagt er. In Weinfelden habe es viele – Eigenhof, Bahnhöfli, Traube, Rössli – zählt er auf. In Amriswil habe es ein paar, in Affeltrangen nennt er den «Löwen». «Aber wer weiss, ob es in zwölf Jahren überhaupt noch Restaurants gibt. So wie die Gastronomen geplagt werden.» Sowieso brauche es erst einmal Hotels, damit man die Gäste nicht im Kanton Zürich oder gar in Konstanz oder Friedrichshafen einquartieren müsse. Und überhaupt: «Der Kredit für die Expo ist noch nicht gesprochen.»

Darauf weist auch Sacchetti hin. Er will nicht Träume wecken, die dann platzen werden. Deshalb kommentiert er nicht, ob die Gemeinden allenfalls auf einen Ausbau der Bahn-Infrastruktur hoffen können. Nur so viel: «Die Konzeptverantwortlichen haben mit den Verantwortlichen bei den Bahnen gesprochen. Offenbar ist die Realisation eines Expozuges möglich.»