«Gott hat für jeden einen Plan»

Petra Rüegg ist die Neue im Kloster Leiden Christi in Jakobsbad. Im vergangenen Oktober ist die 43jährige Toggenburgerin in den Orden eingetreten. Dort findet sie, wonach sie die letzten zehn Jahre gesucht hat.

Marion Loher
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Zwischen dem Beten arbeitet Petra Rüegg unter anderem in der klostereigenen Apotheke. (Bild: Benjamin Manser)

Zwischen dem Beten arbeitet Petra Rüegg unter anderem in der klostereigenen Apotheke. (Bild: Benjamin Manser)

JAKOBSBAD. Viele Klöster in der Schweiz haben ein Nachwuchsproblem. Während es in den 1960er-Jahren um die 600 Kapuzinerinnen gab, sind es heute noch etwa 140. Eine Ausnahme ist das Kloster Leiden Christi in Jakobsbad. In den vergangenen drei Jahren sind gleich drei Frauen in den Orden am Fusse des Kronbergs eingetreten. Die letzte im vergangenen Oktober: Petra Rüegg ist 43 Jahre alt und im toggenburgischen Ganterschwil aufgewachsen.

Eine familiäre Gemeinschaft

Schwungvoll öffnet Petra Rüegg die Klosterpforte, und im ersten Moment ist sich die Besucherin nicht sicher, ob es sich um die neue «Schwester» handelt. Keine Haube, kein Schleier, kein Ordenskleid – stattdessen offenes Haar, eine rote Faserpelzjacke, ein dunkler Jupe. Petra Rüegg lacht. «Ich bin erst Kandidatin. Eingekleidet werde ich in einem Jahr, wenn ich Novizin bin», erklärt sie und führt den Gast durch schmale Gänge in ein Besucherzimmer.

Es ist ruhig im Kloster, die anderen zehn Ordensschwestern und Novizinnen sind weder zu sehen noch zu hören. Sie sei zwar erst seit kurzem hier, fühle sich aber schon wie zu Hause, erzählt Petra Rüegg. «Hier habe ich das gefunden, was ich immer gesucht habe: die Nähe zu Gott in einer verbindlichen und doch relativ offenen Gemeinschaft.» Es werde nicht nur zusammen gebetet und gearbeitet, sondern auch geredet und gelacht. Das sei ihr, die sich selber als kommunikative Person bezeichnet, wichtig. «Das Verhältnis unter den Schwestern ist sehr familiär.»

Der lange Weg nach Jakobsbad

Petra Rüegg scheint angekommen zu sein. Angekommen nach einer langen Reise, die vor über zehn Jahren ebenfalls in einem Orden begonnen hatte. Viereinhalb Jahre lebte die gelernte Kaufmännische Angestellte in einer benediktinischen Ordensgemeinschaft im Mittelland. Obwohl sie damals kurz vor der ewigen Profess stand, verliess sie das Kloster. «Ich habe mich dort nicht zu Hause gefühlt.» Zu strikt seien die Regeln gewesen, zu stark habe ihr das Familiäre in der Gemeinschaft gefehlt.

Die Erfahrungen, die sie in diesem Kloster machte, will sie aber nicht missen. Vor allem, weil sie dort «ihr Erlebnis» hatte. «Als ich zum ersten Mal in die Klausur eintrat, passierte etwas in meiner Seele. Gott hatte mich in meinem Innern stark berührt.» Da habe sie gewusst, dass sie das Richtige tue. «Gott hat für jeden Menschen einen Plan. Und dies ist nun jener, den er für mich vorgesehen hat», sagt die Toggenburgerin. Nur habe der Ort eben nicht gestimmt. Und diesen Ort suchte sie in den darauffolgenden Jahren. Sie war eine Zeitlang in einem Kapuzinerinnenkloster und in einer klösterlichen Gemeinschaft, arbeitete aber auch «draussen in der Welt», wie sie selber sagt. Sie moderierte bei «Radio Maria», einem katholischen Radiosender, und absolvierte eine Ausbildung zur Fusspflegerin.

Nie am Entscheid gezweifelt

Der Gedanke, irgendwann wieder einem Orden beizutreten, liess sie aber nie los. Vergangenen Sommer reiste sie zum ersten Mal für einen Monat nach Jakobsbad. «Kloster auf Zeit» heisst diese Art von Klosterleben. Es gefiel ihr auf Anhieb, und am 1. Oktober trat sie ein. Das Leben im Kloster sei vielseitig. Mehrmals am Tag wird gebetet. Gearbeitet wird entweder in der Apotheke, im Garten oder in der Backstube. Noch in diesem Herbst wird Petra Rüegg zur Novizin und danach die einfache Profess für drei Jahre ablegen. Dann soll die ewige Profess folgen. Mit diesem Gelübde bindet sie sich für immer ans Kloster. Familie und Freunde unterstützten sie. Die seien gar nicht so erstaunt gewesen, als sie ihnen den Entscheid mitgeteilt habe, sagt Petra Rüegg und schmunzelt. Zweifel habe sie nie gehabt. «Dieses Erfülltsein habe ich auch in meinen früheren Beziehungen zu Männern nie verspürt. Immer fehlte mir etwas. Das ist heute nicht mehr so.»