Glühwein macht gleich

Murgspritzer

Mathias Frei
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Er gibt einem viel – und kann aber auch nehmen: Glühwein. Dieses ach so wohlig warme Heissgetränk. Es verklebt einem den Mund und die Sinne. Nicht das Schlechteste, nachdem man die Pläne von Stadt und Kanton zur Stadtentlastung gehört hat, sagen die einen. Hauptsache, es gibt Glühwein, sagen die anderen. Und dann kommen sie alle zusammen, die einen und die anderen, manchmal auch die dritten oder sogar die Netten, prosten einander die roten Schnabeltassen zu, leeren sich die Süsse in ihre Schlunde, die trockener zu sein scheinen als das Heu und Stroh, auf dem das Christkind im Stall zu Bethlehem einst lag.

Und sie leeren sich zu. Werden gleich und gleicher. Aber niemals gleichgültig. Hopp, hopp. Und noch einen mit Schuss und einen mehr. Einer hat immer noch Platz. Und sowieso. Der Tunnelblick sagt Grüeziwohl. Cheibe Tunnel, hört man sie rufen. Cheibe Stau, meinen sie. Die im Rathaus oben, rufen die einen. Und die anderen tun es ihnen gleich. Und die dritten holen noch eine Runde, mit Schuss natürlich.

Der nächste Morgen. Alle gleich, allen graut’s. Bis einem am Abend der Glühwein wieder gibt – und nimmt.

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch