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Glockengeläut: Klage abgewiesen

BETTWIESEN. Ein Anwohner der katholischen Kirche in Bettwiesen stört das Glockengeläut in der Nacht. Er reichte eine Lärmklage ein. Der Gemeinderat lehnt die Beschwerde nun ab. Der Lärmpegel liegt im Toleranzbereich.
Philipp Haag
Keine Stille: Die Glocken der Kirche von Bettwiesen schlagen weiter die Stunden in der Nacht und das Morgengeläut. (Bild: Nana do Carmo)

Keine Stille: Die Glocken der Kirche von Bettwiesen schlagen weiter die Stunden in der Nacht und das Morgengeläut. (Bild: Nana do Carmo)

Es dauerte zwei Jahre, bis der Gemeinderat von Bettwiesen ein Dossier schliessen konnte, das einer gewissen Brisanz nicht entbehrt. Ein Einwohner des Dorfes, der in unmittelbarer Nähe der katholischen Kirche wohnt, stört sich am Glockengeläut und reichte beim Gemeinderat eine Lärmklage ein. Konkret richtet sich der Einspruch gegen die Stundenschläge zwischen 22 und 6 Uhr sowie das Morgengeläut um 6 Uhr. Der Anwohner wollte, dass auf die Stundenschläge wie auch das Morgengeläut verzichtet wird.

Ein reger Schriftwechsel zwischen Gemeinderat und Einsprecher setzte ein, sich finden konnten die beiden Parteien aber nicht. Während der Einsprecher auf seinen Forderungen beharrte, war der Gemeinderat mit Unterstützung der Kirchbehörde nicht gewillt einfach nachzugeben. Um die Meinung der Anwohner im näheren Umkreis der Kirche zu erfahren, machte der Gemeinderat eine Umfrage. «Der Rücklauf war höchst erfreulich», sagt Gemeindeammann Clemens Dahinden.

102 Fragebogen wurden retourniert. Und das Verdikt fiel eindeutig aus: 79 Anwohner sprachen sich dafür aus, die Stundenschläge zu belassen, 13, nur noch die vollen Stunden schlagen zu lassen, zehn, ganz auf die Glockenschläge in der Nacht zu verzichten. Beim Morgengeläut um 6 Uhr war das Resultat ähnlich: 80 Anwohner wollten es so lassen, wie es ist, elf, ganz darauf verzichten, 22 von fünf auf zwei Minuten verkürzen und fünf, es auf 7 Uhr zu verschieben.

Vorschlag und Gegenvorschlag

Mit den Umfragewerten sass der Gemeinderat mit der Kirchbehörde zusammen. Nach dem Gespräch war die Kirchenvorsteherschaft bereit, das Morgengeläut zu verkürzen, und zwar von fünf auf drei Minuten. Weitere Konzessionen machte die Kirchbehörde nicht. Der Vorschlag fiel beim Einsprecher aber nicht auf fruchtbaren Boden. Im Gegenteil: Er machte einen Gegenvorschlag: Die Stundenschläge in der Nacht zu belassen, das Morgengeläut aber ganz einzustellen. Da der Gemeinderat merkte, dass eine einvernehmliche Lösung nicht möglich ist, «wir uns aber entscheiden mussten», wie Dahinden sagt, blieb nichts anderes übrig, als Zahlen sprechen zu lassen.

Aus diesem Grund beauftragte der Gemeinderat eine Frauenfelder Firma, ein Lärmgutachten zu erstellen. So wurde beim Einsprecher unter dem offenen Fenster ein Messgerät aufgestellt. Die Messungen ergaben: Der Viertelstundenschlag war 60,6 Dezibel laut, der Vollstundenschlag 60,9, das Morgengeläut 74,1. Das Empa, die eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt, empfiehlt bei Kirchenglocken einen Maximal-Dezibel-Wert von 75. «Das Morgengeläut liegt also im Toleranzbereich», konstatiert Dahinden.

Ein entscheidender Faktor, vor allem beim Morgengeläut, ist aber auch die Aufwachreaktion. Laut dem Bafu, dem Bundesamt für Umwelt, liegt der kritische Wert bei 60 Dezibel. Da sich der Lärm vom offenen Fenster bis zum Bett um 15 Dezibel verringert, liegen die 59,1 Dezibel knapp unter dem kritischen Wert. «Die Umfrageergebnisse, aber auch das Lärmgutachten, besonders der Umstand, das der kritische Wert nicht erreicht wird, veranlasste uns, die Klage abzuweisen», sagt Dahinden. Darauf reagiert hat der Einsprecher nicht, er hat den Entscheid auch nicht an die nächste höhere Instanz, den Kanton, weitergezogen. «Das hätte ich sonst erfahren», sagt Dahinden. Was der Einsprecher zur abgewiesenen Klage sagt, war nicht in Erfahrung zu bringen. Die Kirchbehörde aber, die ist froh, dass der Gemeinderat die Klage abgewiesen hat, wie Kirchenpräsident Bartolino Cappelli sagt, «und das Thema somit beendet ist».

Keine Läutordnung

Einer weiteren Klage mit einer in der Gemeindeordnung festgeschriebenen Läutordnung vorbeugen, das möchte Gemeindeammann Dahinden vorläufig nicht. «Wir haben selten Probleme mit Lärm», sagt Dahinden, «und eine Lärmklage wegen des Glockengeläuts ist bis jetzt einmalig.»

Clemens Dahinden, Gemeindeammann Bettwiesen. (Bild: edc)

Clemens Dahinden, Gemeindeammann Bettwiesen. (Bild: edc)

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