Glanzstück für den Turmhof

STECKBORN. Eine goldene Scheibenfibel aus Steckborn prangt nun auf einer Pro-Patria-Briefmarke. Der Schmuck soll im Sommer nach Hause ins Steckborner Heimatmuseum zurückkehren.

Gudrun Enders
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Archäologin Amanda Gabriel zeigt, wie das Gewand mit der Scheibenfibel geschlossen wurde. (Bild: Donato Caspari)

Archäologin Amanda Gabriel zeigt, wie das Gewand mit der Scheibenfibel geschlossen wurde. (Bild: Donato Caspari)

«Das gab's noch nicht.» Museumsleiter Urs Leuzinger vom Amt für Archäologie ist begeistert. Zum ersten Mal schafft es ein archäologisch besonders schöner Fund aus dem Thurgau auf eine Briefmarke. Das Abbild einer Scheibenfibel aus Steckborn wird bald auf diese Weise in der gesamten Schweiz unterwegs sein.

Erbe aus dem Heimatmuseum

Ab dem 7. Mai lässt sich die Fibel für vier Wochen im Museum für Archäologie neben der zugehörigen Briefmarke bewundern. Danach kehrt das Prunkstück in den Turmhof zurück – nach etwa 20 Jahren. Dann soll der kostbare Fund dort eine klimatisierte Vitrine samt Sicherheitskonzept erhalten. Das ist im Sinne der Stiftung Pro Patria, die die Briefmarken verkauft, um das Kulturerbe der Heimatmuseen zu unterstützen.

Mit einer Scheibenfibel verschlossen Frauen im siebten Jahrhundert nach Christus ihren Mantel über der Brust. Es gab einfache und kostbare Ausführungen. «Dieses Stück aus Steckborn ist exquisit», sagt Archäologin Amanda Gabriel. «Leider fehlt der Kontext.» Denn als ein Steckborner die Fibel Anfang des 20. Jahrhunderts fand, ging das zugehörige Grab samt Skelett unbeobachtet verloren. Etwa zehn Jahre später zeigte der Steckborner seinen Fund dem ersten Kantonsarchäologen Karl Keller-Tarnuzzer. 1958 schliesslich untersuchten die Wissenschafter erstmals den Fundort «Chilestigli», das Areal um die heutige katholische Kirche. Sie stellten noch zehn Gräber aus dem frühen Mittelalter sicher. «Die Ergebnisse fielen wie erwartet aus für diese Zeit», sagt Amanda Gabriel, die ihre Masterarbeit über die Steckborner Gräberfelder geschrieben hat.

Eine wichtige Persönlichkeit

Gabriel kann über die Trägerin der goldenen Fibel nur spekulieren. Sie muss zu einer bedeutenden Familie gehört haben. «Bei dem Schmuckstück handelt sich sicher um ein handwerkliches Meisterstück», sagt Gabriel. Das vergoldete Bronzeblech mit sechseinhalb Zentimeter Durchmesser ist mit gedrehten Goldfäden und Glassteinen verziert. Der zentrale Stein fehlt. Dennoch ist sich Leuzinger sicher: «Die Trägerin wäre heute Millionärin, aber keine Milliardärin.» Die nächsten vergleichbaren Scheibenfibeln finden sich in Bülach und im deutschen Güttingen.