Gewinner sind am Ende irgendwie alle

Silvesterlauf Eschlikon

Christof Lampart
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Ein guter Start ist wichtig, wenn man vorne mitlaufen will. (Bild: Christof Lampart)

Ein guter Start ist wichtig, wenn man vorne mitlaufen will. (Bild: Christof Lampart)

Die Zeit – die Erkenntnis ist mitnichten neu – scheint schneller zu verfliegen, je älter man wird. Umgekehrt stellt sich bei den reiferen Semestern schnell eine Gelassenheit ein, die der Jugend oder sogar den Kleinsten noch fehlt. Dies konnte am Freitagnachmittag bei der Eschlikoner Schulanlage Bächelacker, deren Areal dem Eschlikoner Silvesterlauf gleichermassen als Start- und Zielgelände diente, gut beobachtet werden. Während die Jüngsten sich kaum vom Plastikband «bändigen» liessen, das als Absperrung zwischen dem ungeduldig wartenden Pulk und der Rennstrecke gespannt war, plauschten die Erwachsenen auch dann noch gemütlich miteinander, als der Countdown schon lief. Derweil bei Letzteren – oder zumindest bei sehr vielen von ihnen – das Mitmachen eindeutig vor dem Gewinnen kam, war bei den Jüngsten ein flotter Start mitunter das Wichtigste – ganz egal, ob einem dann nach den ersten hundert Metern der Schnauf ausging oder nicht.

Der den Silvesterlauf organisierende Turnverein Eschlikon hatte wirklich wieder einmal ganze Arbeit geleistet und einen reibungslosen Ablauf hingekriegt. Wer am Silvesterlauf teilnahm, fand, von der An-, bis hin zur Abreise rundum perfekte Rahmenbedingungen vor. Und bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und einer Strecke, die optimal gesichert, komplett trocken war und von einer enthusiastischen Zuschauermenge gesäumt wurde, gab jede(r) zwangsläufig alles. Wunderbar war dies vor allem bei den Allerkleinsten zu sehen, wo Eltern, Geschwister, Grosseltern, Freunde, Kindergärtnerinnen und Nachbarn gleichermassen als «Motivationsspritze» am Strassenrand dienten. An aufmunternden Rufen wie «Hopp Luzia!», «Chum Reto!» oder das seit den Zeiten von Anita Weyermann legendäre «Gring abe u seckle!» fehlte es nicht. Spätestens dann, wenn der Speaker beim Zieleinlauf die einzelnen Läuferinnen und Läufer beim Namen nannte, nahmen alle noch einmal die Beine in die Hand und «flogen» jenem Bereich entgegen, wo nicht nur stolz strahlende Familienangehörige, sondern auch ein warmer Tee auf sie wartete.

«Hast du gewonnen?», fragt eine jüngere Frau ein kleines Mädchen, das sich ganz tief die Löwenmütze ins Gesicht gezogen hat. Die Kleine nickt eifrig. Die Frau ist überrascht: «Bist du wirklich als Erste ins Ziel gekommen?» Die Kleine schüttelt bestimmt den Kopf. Und zwar so, als ob sie selbst eine Erwachsene wäre, die einem etwas begriffsstutzigen Kind einen offensichtlichen Sachverhalt noch ein zweites Mal erklären muss. «Ich war sehr schnell», verkündet sie in einem Tonfall, der keinen Zweifel darüber lässt, dass sie sich als Siegerin fühlt – völlig unbesehen von so Kleinigkeiten wie Rang und Endzeit. Die Frau lächelt und streicht dem Mädchen liebevoll über den Kopf. Auch solche Szenen sind es, welche den Eschlikoner Silvesterlauf immer wieder zum ebenso flotten wie friedlichen und sogar etwas festlichen Jahresausklang werden lassen.

Christof Lampart

thurgau@thurgauerzeitung.ch