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«Gewinn kommt vor den Menschen»

Das sagt die Gewerkschaft Unia

Im Juni berichtete die «Ostschweiz am Sonntag» über das Tertianum-Heim Schloss Berg. Danach meldeten sich die zwei im Haupttext zitierten Angestellten der Friedau bei der Unia. Darius Eigenmann, bei der Sektion Säntis-Bodensee für den Bereich Gesundheit und Soziales zuständig, spricht über die Forderungen der Gewerkschaft.

Darius Eigenmann, wie versucht die Unia, den Angestellten zu helfen?

Weil jetzt bereits das zweite Mal solche Zustände in einem Thurgauer Tertianum-Heim öffentlich wurden, werden wir unsere Präsenz in diesen Betrieben verstärken und mit den Leuten sprechen. Von Tertianum fordern wir, dass sie mehr Personal anstellen.

Hat diese Forderung Ihrer Meinung nach Chancen auf Erfolg?

Wir sind klar überzeugt: ja! Denn es zeigt sich, dass es in Tertianum-Heimen schweizweit ähnliche Probleme gibt. Es kommen auch vermehrt Angehörige von Bewohnern zu uns. Es wird deutlich, dass auf dem Buckel von Angestellten und Bewohnern gespart wird.

Gibt es dieses Problem auch in anderen Wohn- und Pflegezentren?

Es sind vor allem die grossen Ketten wie Tertianum und Senevita. Dort zeigt sich, dass der Gewinn vor den Menschen kommt, weil in erster Linie die Aktionäre zufriedengestellt werden müssen.

Bei staatlichen Anbietern von Pflegedienstleistungen gibt es demnach gute Arbeitsbedingungen?

Aufgrund des Kostendrucks gibt es in der Branche überall Probleme. Auch die ­gemeinnützigen Heime optimieren Kosten. Die gewinnorientierten verfolgen aber eine aggressivere Strategie.

Gibt es gesetzliche Vorgaben?

Der Personalschlüssel berechnet mittels Indikatoren wie der Pflegestufe oder der Anzahl der Bewohner, wie viele Pflegende – diplomierte und Assistenzen – ein Betrieb mindestens haben muss.

Dann sind in der Friedau Frauenfeld genügend Leute angestellt?

Um das zu beurteilen, bräuchten wir mehr Daten. Das grundsätzliche Problem ist, dass der Personalbestand hier sehr träge angepasst werden kann. Innert kurzer Zeit können mehrere Bewohner sterben, sodass das Heim dann plötzlich zu viel Personal hat. Es können aber auch mehrere Personen mit hoher Pflegestufe hinzukommen. Viele Betreiber orientieren sich daher am Minimum und können sogar eine Übergangsfrist beantragen, wenn sie zu wenig Personal haben. Das führt zu Extremsituationen.

Wie soll dem entgegengewirkt werden?

Wir üben Druck auf die Politik aus und fordern zusätzliche Investitionen in die Langzeitpflege. Zudem fordern wir ­einen Gesamtarbeitsvertrag mit guten Mindestbedingungen. Damit hätte man eine einheitliche Möglichkeit, die Betriebe auch zu kontrollieren.

Steht die Unia in Kontakt mit Betreibern wie Tertianum?

Tertianum hat zuletzt noch im Januar Gespräche abgelehnt. Wir bleiben aber dran. Erst vor kurzem haben wir in Bern mit Angestellten einen Aktionstag durchgeführt, um Senevita zu Gesprächen aufzufordern. Erfolgreich. (lsf)

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