«Gewinn an Lebensqualität ist erheblich»

Eschlikons neues Oberhaupt hat die ersten 100 Tage seiner Amtszeit hinter sich. Neo-Gemeindepräsident Hans Mäder spricht im Interview über seine ersten Erfahrungen, die Parallelen zur Unternehmertätigkeit und die fehlende Vision in der Gemeinde.

Donat Beerli
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Hans Mäder Gemeindepräsident Eschlikon (Bild: Olaf Kühne)

Hans Mäder Gemeindepräsident Eschlikon (Bild: Olaf Kühne)

Herr Mäder, wie sind die ersten 100 Tage verlaufen?

Hans Mäder: Mein Fazit fällt durchwegs positiv aus. Ob dies die Einwohnerinnen und Einwohner von Eschlikon, die Mitglieder des Gemeinderates oder die Mitarbeitenden in der Verwaltung dies ebenso beurteilen, müssen Sie andernorts erfragen. Ich persönlich habe grosse Freude am neuen Amt. Die Arbeitsbelastung und die Art der Tätigkeit entsprechen meinen Erwartungen. Obwohl ich mich relativ kurzfristig für die Bewerbung entschieden habe, wusste ich sehr wohl, was mich erwartet.

Welche Herausforderungen möchten Sie in Ihrem Amt zuerst meistern?

Mäder: Eschlikon ist eine stark wachsende und gut positionierte Gemeinde. Das Wachstum hat das Gemeinwesen vor grosse Herausforderungen gestellt. Diese wurden im Wesentlichen gut gelöst. Nun beginnt die Phase der Konsolidierung. Mit dem neuen Richtplan wird Wachstum «nach innen» gefordert. Eschlikon soll mit anderen Worten nicht mehr quantitativ, sondern qualitativ wachsen. Ich erachte es als meine wichtigste Aufgabe, diesen Allgemeinplatz in konkrete Ziele und Pläne umzusetzen. Das wird keine leichte Aufgabe, weil der Begriff «qualitativ» subjektiv unterschiedlich beurteilt wird.

Was heisst das konkret?

Mäder: Am konkreten Beispiel des Gestaltungsplanes der Ifang-/Nordstrasse bedeutet dies, dass die Anstösser eine verdichtete Bauweise wohl in Kauf nehmen müssen. Es ist Aufgabe der Behörden, den Mehrwert dieses inneren Wachstums für das Gemeinwesen zu erläutern. Dies ist deshalb nicht ganz einfach, weil in Eschlikon bisher vieles aus der Perspektive des Einzelfalles betrachtet wurde, statt den Blick aufs ganze Gemeinwesen zu richten. Im Bereich Verkehr ist dieses Manko in Eschlikon offensichtlich: Wir diskutieren über die Schliessung einzelner Strassen, ohne eine Vision fürs ganze Dorf zu haben. Deshalb hat der Gemeinderat entschieden, die Gründung einer Planungskommission zu prüfen.

Was gefällt Ihnen am besten an Ihrem neuen Job?

Mäder: Ich bin überrascht von den vielen Gestaltungsmöglichkeiten, die dieses Amt bietet. Es freut mich, dass ich meine kreative Ader und unternehmerische Kraft einbringen kann und nicht lediglich als Verwalter wirken muss.

Welches Erlebnis ist das prägendste in Ihrer bisherigen Amtszeit?

Mäder: Es sind zwei verschiedene Begebenheiten, welche mich besonders beeindruckten. Einerseits die Professionalität der Baubehörden, welche die komplexe Materie mit beeindruckender Klarheit beherrschen. Mir selber fehlt diese Fähigkeit, und ich habe mich deshalb entschlossen, in diesem Bereich eine Weiterbildung zu absolvieren. Anderseits war ich erstaunt, wie oft ich im Dorf, aber auch ausserhalb der Gemeinde erkannt und angesprochen werde.

Sie waren selbständiger Unternehmer. Inwiefern helfen Ihnen diese Erfahrungen nun?

Mäder: Unternehmer zu sein ist ja kein formaler Titel, sondern eine Leidenschaft. Das Unternehmertum legt man nicht vor dem Gemeindehaus ab, sondern ich erwarte von mir und auch von meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine unternehmerische, selbstverantwortliche Einstellung.

Worin liegt der grösste Unterschied zu Ihrer vorherigen Tätigkeit?

Mäder: Spontan fällt mir ein, dass es wunderschön ist, wenn der Wohn- gleichzeitig auch Arbeitsort ist. Der Gewinn an Lebensqualität ist erheblich. In der täglichen Arbeit trage ich im neuen Amt die Gesamtverantwortung für die Gemeinde. Das heisst, dass ich weniger Aufgaben selber erledige, sondern an meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter delegieren darf.