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Gewerbe: Arbeitsunwillige erhalten Geld

Manche Arbeitslosen nutzen das Sozialversicherungssystem aus, sagen zwei Thurgauer Unternehmer. Sie verlangen einen Informationsaustausch zwischen Arbeitgebern und dem RAV. Dies ist jedoch nicht möglich: Die Daten von Arbeitslosen unterliegen dem Persönlichkeitsschutz.
Inge Staub
Diana Gutjahr sucht Fachkräfte für die Ernst Fischer AG. (Bild: Nana do Carmo)

Diana Gutjahr sucht Fachkräfte für die Ernst Fischer AG. (Bild: Nana do Carmo)

FRAUENFELD. Beim Thurgauer Gewerbe brodelt es. «Wir fühlen uns, als wären wir der Feind Nummer eins der Sozialwerke», sagt Hans-Peter Allemann. Der Gastronom, der in Amriswil eine Café-Bar führt, kritisiert, dass auf dem Arbeitsmarkt selten unkonventionelle Lösungen gesucht würden.

Er bezieht sich auf folgendes Geschehen: Eine Arbeitnehmer-Beratungsstelle hatte einer Person geraten, einen neuen Arbeitsvertrag abzulehnen und die Kündigung zu erwirken. Die Person erhält nun Arbeitslosengeld. «Dies hätten wir verhindern können, wenn sich alle Beteiligten gemeinsam um eine zukunftsgerichtete Lösung bemüht hätten», so Allemann. Er verlangt vom Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) und anderen Beratungsstellen, dass diese intensiver mit den Arbeitgebern kooperieren.

Auch Diana Gutjahr hat den Eindruck, dass das Schweizer Sozialversicherungssystem Mängel hat. Die Betriebsökonomin FH, Mitglied der Geschäftsleitung der Romanshorner Stahl- und Metallbaufirma Ernst Fischer AG, beklagt: «Leider musste ich schon mehrfach feststellen, dass der Arbeitswille der höher qualifizierten Arbeitslosen oft an einem kleinen Ort begraben ist.»

Den Job abgelehnt

Für eine vakante Stelle hat sich bei Diana Gutjahr ein Ingenieur vorgestellt. Er erhielt noch am selben Tag einen positiven Bescheid inklusive Arbeitsvertrag. Doch der Mann lehnte den Job ab, obwohl er alle Bedingungen akzeptiert hatte. Ihr habe der Bewerber erzählt, er komme von einer Jobvermittlungsagentur, sagt die Unternehmerin. Über Umwege habe sie erfahren, dass er beim RAV gemeldet sei und Arbeitslosengeld beziehe. Sie ist empört: «Es kann doch nicht sein, dass Leute Versicherungsgelder erhalten, die nicht arbeitswillig sind.» Gutjahr, die für die SVP im Grossen Rat des Kantons Thurgau politisiert, verlangt vom RAV, dass dieses enger mit den Arbeitgebern zusammenarbeitet und Auskunft darüber gibt, ob jemand arbeitslos gemeldet ist oder nicht. Heinz Wendel, Geschäftsführer Thurgauer Gewerbeverband, unterstützt das Anliegen seines Vorstandsmitgliedes: «Auch mir sind Fälle bekannt, in denen sich Arbeitslose nicht korrekt verhalten haben.»

Der Leiter des Amtes für Wirtschaft und Arbeit (AWA), Edgar Sidamgrotzki, pflichtet Diana Gutjahr und Heinz Wendel bei: «Auch wir kämpfen gegen den Missbrauch von Sozialversicherungsleistungen.» Er weisst darauf hin, dass die schwarzen Schafe unter den Arbeitslosen in der Minderheit seien. Die allermeisten Leute wollten auch arbeiten und seien froh, wenn ihnen eine Beschäftigung geboten werde. Wenn sie ein Angebot ablehnen, werden die Leistungen gekürzt oder sogar ganz eingestellt. «Die Regelungen der ALV zur Mitwirkungspflicht der Arbeitslosen und zur Arbeitsannahme sind sehr streng und werden von uns konsequent umgesetzt.»

Gute Zusammenarbeit

Den Wunsch von Diana Gutjahr nach Informationsaustausch kann das RAV nicht erfüllen. «Es ist nicht möglich, Informationen über einzelne Klienten nach aussen zu geben», sagt Edgar Sidamgrotzki und verweist auf den Persönlichkeitsschutz. Generell hebt er hervor, dass die Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern gut sei. «Bei Fragen wird unkompliziert zusammengearbeitet.» Dies bestätigten diverse Unternehmen. Wie die Personalverantwortlichen der Schöttli AG in Diessenhofen und der Bernina zudem hervorheben, haben sie keine negativen Erfahrungen mit Arbeitslosen gemacht.

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