Gewalt statt Notzucht

Ausnahmsweise hatte sich das Geschworenengericht wieder einmal mit einem Falle von Notzucht zu beschäftigen. Früher bildeten diese Fälle einen grossen Teil der vom Geschworenengericht behandelten Straffälle.

Merken
Drucken
Teilen

Ausnahmsweise hatte sich das Geschworenengericht wieder einmal mit einem Falle von Notzucht zu beschäftigen. Früher bildeten diese Fälle einen grossen Teil der vom Geschworenengericht behandelten Straffälle. Man scheint aber allmählich zur Überzeugung gekommen zu sein, dass das Delikt der Notzucht mehr theoretischer Natur ist und dass die Zahl der Fälle, in denen wirklich von vollendeter Notzucht gesprochen werden kann, verschwindend klein ist gegenüber der Zahl der Fälle, in welchen die Notzucht nur zur Rettung der Ehre der angeblich Geschädigten behauptet wird.

Der heutige Angeklagte Josef Ingenbohl, Käser von Hefenhofen und Sommeri, wird der Notzucht gegenüber einer in sittlicher Beziehung nicht überaus gut beleumdeten Frau Friederike Hemberg beschuldigt. Die Überweisung hat in der Hauptsache wohl deshalb stattgefunden, weil der Angeklagte in der Untersuchung schliesslich geständig war. Bei der Anklageeröffnung widerrief er aber sein Geständnis und die heutigen Verhandlungen gestalteten sich für ihn noch wesentlich günstiger als die Untersuchungsakten. Die Verhandlung fand mit Rücksicht auf die Natur des Falles bei geschlossenen Türen statt. Nach Schluss der Zeugeneinvernahmen und der Parteivorträge wurden den Geschworenen drei Fragen vorgelegt, nämlich eine auf vollendete Notzucht, eine auf Notzuchtsversuch und eine dritte eventuelle auf Gewalttätigkeit.

Die Geschworenen verneinten die zwei ersten, bejahten aber die dritte Frage. Die Kriminalkammer sprach den Angeklagten schuldig und verurteilte ihn zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten. Der Verurteilte hat die Kosten der Untersuchung und Beurteilung zu tragen.