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Gewalt im Alter – ein Tabuthema brechen

Bevormundet, vernachlässigt, geschlagen. Die Unabhängige Beschwerdestelle für das Alter UBA hilft Betroffenen in der ganzen Schweiz. Die Geschäftsleiterin der UBA, Ruth Mettler Ernst, will eine Fachkommission in der Ostschweiz aufbauen.
Daniela Ebinger
Ruth Mettler Ernst Geschäftsleiterin UBA (Bild: Nana do Carmo)

Ruth Mettler Ernst Geschäftsleiterin UBA (Bild: Nana do Carmo)

Gewalt im Alter hat verschiedene Gesichter. Dies nicht nur im psychischen, sexuellen oder finanziellen Bereich. «Gewalt im Alter ist ein grosses Tabuthema», sagt Ruth Mettler Ernst bei ihrem Referat vor den FDP-Frauen in Weinfelden. Jede fünfte ältere Person sei in der Schweiz in irgendeiner Form von der Gewaltthematik betroffen. «Wir sind in der Ostschweiz noch in der Startphase, und ich bin auf einen fahrenden Zug aufgesprungen», sagt die ehemalige Thurgauer Kantonsrätin. Damit meint sie ihr Projekt für die Unabhängige Beschwerdestelle für das Alter, kurz UBA genannt, in der Ostschweiz eine Fachkommission aufzubauen.

Die UBA ist in der Deutschschweiz die Ansprechpartnerin für Konflikte im Alter. Zur Stärkung der Organisation schlossen sich die unabhängigen Beschwerdestellen vor zwei Jahren zu einem Verein mit Geschäftsstelle in Zürich zusammen. In einigen Kantonen sind Ombudsstellen für den institutionellen Bereich vorhanden. Im häuslichen Bereich ist die UBA Ansprechpartnerin bei Konflikt- und Gewaltsituationen.

Würde, Autonomie und Selbstbestimmung wahren

Ruth Mettler Ernst war zehn Jahre lang bei der Pro Senectute Thurgau tätig. «Die demographische Entwicklung ist allgegenwärtig und selber wird man auch älter», sagt die 53-Jährige. Mit dem Certificate of Advanced Studium an der Universität Zürich vertiefte sie ihr praktisches Wissen rund ums Alter in Gerontologie. «Das Thema Alter als solches interessiert mich sehr», sagt Mettler Ernst. Die UBA habe sie zuvor nur vom Hörensagen gekannt. Nach dem Studium entdeckte sie die Stellenausschreibung für die Geschäftsleitung. Diese zu übernehmen war für sie vor drei Monaten eine willkommene Herausforderung.

«Menschen im Alter stehen manchmal vor Konflikten, die für sie unüberwindbar geworden sind», sagt die ehemalige Präsidentin der FDP Rickenbach-Wilen. Die UBA kläre, vermittle und schlichte in Konfliktsituationen. «Wir bieten Hilfe zur Selbsthilfe», sagt Mettler Ernst. Auch in Abhängigkeitsverhältnissen die Würde, die Autonomie und die Selbstbestimmung der älteren Personen zu gewähren, sei für die UBA sehr wichtig.

Unter Gewalt an alten Menschen versteht die Geschäftsleiterin gezielte Handlungen, welche die Betroffenen belasten, verletzen, schädigen oder einschränken. Auch gehöre bewusstes oder unbewusstes Unterlassen von notwendiger Unterstützung dazu.

Fachpersonen für Freiwilligenarbeit gesucht

«Um Hilfestellung geben zu können, braucht die UBA ein gutes Netzwerk an Fachpersonen in den Regionen», sagt Mettler Ernst. Die UBA ist in den Regionen Zürich/Schaffhausen, Nordwest- und Zentralschweiz bereits seit vielen Jahren tätig. Neu soll eine Fachkommission sich den Beschwerden im häuslichen Bereich aus der Ostschweiz annehmen. Ostschweizer Fachpersonen sind momentan in der Fachkommission Zürich/Schaffhausen tätig. Über diese konnte Ruth Mettler Ernst bereits Kontakte knüpfen. Gefragt seien vorwiegend Pensionierte im juristischen, ärztlichen, psychiatrischen, pflegerischen und sozialen Bereich, die ihr Wissen gerne in Freiwilligenarbeit weitergeben. «Es sind alle Fachpersonen in diesen Bereichen gefragt, die freie Kapazität haben», sagt Ruth Mettler Ernst und hofft, in der Öffentlichkeit der Ostschweiz auf offene Ohren und tatkräftige Hände zu stossen.

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