Getrocknet, nicht gedörrt

Der Thurgau ist an der Expo Mailand 2015 gut vertreten. Einer der vier Schweizer Türme wird mit Thurgauer Apfelringli gefüllt. Hergestellt werden sie von der Öpfelfarm Steinebrunn und verpackt von geschützten Werkstätten in Egnach und in Münsterlingen.

Inge Staub
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Jakob Keller (links), Timo Kraus, Antonia Dähler (hinten rechts) und eine Praktikantin füllen in der Geschützten Werkstatt der Stiftung Egnach Apfelringli für die Expo 2015 in Mailand ab. (Bild: Reto Martin)

Jakob Keller (links), Timo Kraus, Antonia Dähler (hinten rechts) und eine Praktikantin füllen in der Geschützten Werkstatt der Stiftung Egnach Apfelringli für die Expo 2015 in Mailand ab. (Bild: Reto Martin)

STEINEBRUNN/EGNACH. Vor dem Arbeitstisch steht ein Kunststoffeimer bis oben gefüllt mit Apfelringli. Jakob Keller greift hinein, nimmt zwei Ringli heraus und steckt sie in einen kleinen Beutel. Er arbeitet in der geschützten Werkstatt der Stiftung Egnach. Er und rund 14 weitere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind das Expo-Team. Sie packen Apfelringli ab für den Schweizer Auftritt an der Expo Mailand 2015. «Wir sind sehr stolz darauf, dass wir zu diesem Projekt einen Teil beitragen können», sagt Ernst Freund, Bereichsleiter Arbeiten in der Stiftung Egnach. Auch Mitarbeiter der Geschützten Werkstatt Mansio in Münsterlingen füllen Apfelringli ab und sind am Projekt beteiligt.

Das getrocknete Obst wird zum grössten Teil von der Öpfelfarm in Steinebrunn, einem Familienbetrieb mit acht Mitarbeitern, geliefert. Roland Kauderer, Geschäftsführer der Öpfelfarm, freut sich ebenfalls über den Grossauftrag aus Bern: «Als wir im August angefragt wurden, haben wir uns sofort an die Arbeit gemacht.» Insgesamt müssen die geschützten Werkstätten 420 000 Beutel mit Apfelringli bestücken. Davon enthalten 270 000 Säckli Ringe, die von der Öpfelfarm getrocknet werden.

Äpfel aus dem Thurgau

Zum Schweizer Expo-Pavillon gehören vier Türme. Diese werden mit Salz, Wasser, Kaffee und Apfelringli gefüllt. Die vier Lebensmittel stehen für eine nachhaltige Schweiz (siehe Kasten). Die Apfelringli wurden gewählt, weil die Organisatoren ein regionales Produkt benötigen, das Temperaturschwankungen aushält.

Urs Schneider, Präsident von Agro-Marketing Suisse und stellvertretender Direktor des Schweizer Bauernverbandes, schätzt, dass rund zwei Drittel der Äpfel für die Ringli aus dem Thurgau stammen. Zudem werden an der Expo auch Äpfel verteilt, unter anderem von der Thurgauer Apfelkönigin. «Wir werden mehrere Tonnen verteilen. Gut ein Drittel davon wird aus dem Thurgau sein», sagt Schneider.

Fenaco liefert 40 Tonnen

Als Thurgauer und Gesamtverantwortlicher für den Auftritt der Landwirtschaft freut er sich über die starke Thurgauer Beteiligung an der Expo Mailand: «Der Apfel und damit auch die Ostschweiz und der Thurgau werden eine <Hauptrolle> spielen.» Damit der Thurgau seiner Hauptrolle gerecht wird, laufen die Vorbereitungen in Münsterlingen, Egnach und Steinebrunn auf Hochtouren. In Steinebrunn fahren Lastwagen der Fenaco vor und laden Äpfel aus. Die Fenaco ist für die Logistik zuständig. Sie stellt 40 Tonnen Äpfel zur Verfügung. «In den vergangenen Wochen haben wir bereits 20 Tonnen verarbeitet», sagt Roland Kauderer. Im Januar gibt der Betrieb nochmals Gas. «Unser Ziel ist, dass wir bis Ende März liefern können.»

Das Herz der Öpfelfarm sind die Produktionsanlage und die Lagerräume im Keller der ehemaligen Mosterei am Bahnhof von Steinebrunn. Hier, mitten in Mostindien, werden die Äpfel maschinell geschält und geschnitten. Die Mitarbeiter legen die Apfelringli von Hand auf Trocknungshorden und schieben diese in die Trocknungsautomaten. «Unsere Äpfel werden getrocknet, nicht gedörrt», betont Kauderer. «Die Äpfel werden mittels trockener Luft entfeuchtet. Dabei bleiben Vitamine, Enzyme und Mineralstoffe erhalten.»

Eigens Kartons entworfen

Das getrocknete Obst wird im Keller gelagert und nach und nach von den Geschützten Werkstätten Egnach und Mansio abgeholt. Deren Mitarbeiter bekleben die Säckli mit Etiketten, füllen die Ringli hinein und legen die Säckli in Kartons. Diese werden in Mailand in einem der Türme aufgetürmt. Die Kartons sind eigens für die Expo entworfen worden. Sie sind vorne aufklappbar, so dass sich die Besucher bedienen können.

Der Apfelturm ist eine gute Werbung für die Thurgauer Obstproduzenten. Werden die Italiener künftig in Thurgauer Gala und Elstar beissen? Urs Schneider winkt ab. Italien verfüge ebenfalls über eine grosse Apfelproduktion. «Die Apfelringli und den Apfel setzen wir nicht primär mit Verkaufszielen in Italien ein, sondern im thematischen Teil», erklärt der Marketingexperte. Gegenüber den 600 000 Schweizern, die wohl den Schweizer Pavillon in Mailand besuchen werden, seien die Thurgauer Apfelringli aber eine sehr gute Werbung.

Die Produktion von Apfelringli läuft in der Öpfelfarm in Steinebrunn auf Hochtouren. Eine Mitarbeiterin legt Apfelscheiben auf Trocknungshorden. (Bild: Daniel Obrist)

Die Produktion von Apfelringli läuft in der Öpfelfarm in Steinebrunn auf Hochtouren. Eine Mitarbeiterin legt Apfelscheiben auf Trocknungshorden. (Bild: Daniel Obrist)

Roland Kauderer, Chef der Öpfelfarm, mit Apfelringli. (Bild: Inge Staub)

Roland Kauderer, Chef der Öpfelfarm, mit Apfelringli. (Bild: Inge Staub)