Getrieben von der lebenslangen Suche

FRAUENFELD. Er war ein Mann mit vielen Interessen, eines galt der expressiven Malerei. Nun zeigt die Stadtgalerie Baliere posthum das künstlerische Lebenswerk des Frauenfelders Guido Ruppert. Heute abend feiert die Retrospektive Vernissage.

Mathias Frei
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Guido Rupperts Sonnenblumen, Baliere-Kuratorin Milena Oehy und die Künstlerwitwe Rosmarie Ruppert. (Bild: Nana do Carmo)

Guido Rupperts Sonnenblumen, Baliere-Kuratorin Milena Oehy und die Künstlerwitwe Rosmarie Ruppert. (Bild: Nana do Carmo)

«Am Ende seines Lebens war er traurig, dass er sich künstlerisch nicht verwirklicht hatte.» Rosmarie Ruppert spricht über ihren 1997 verstorbenen Mann Guido Ruppert. Zeit seines Lebens hatte er nie ausgestellt. Das Ehepaar Ruppert hatte zwar eine gemeinsame Schau zu Frauenfeld-Ansichten im Sinn. Aber dann raffte der Krebs Guido Ruppert hin. Die Ausstellung kam gleichwohl zustande – mit Exponaten aus Rupperts Spätwerk.

Den Anfang machte eine Frau

Ruppert (Jahrgang 1943) war sich in seinem künstlerischen Schaffen nie gut genug, suchte stets neue Herausforderungen. Nur mit seinem Erstlingswerk, dem Bild einer jungen Frau, schloss er Frieden. Es entstand, als er 20 Jahre alt war. Er kam spätnachts nach Hause, hatte zuvor wohl diese Frau gesehen. Das jedenfalls wurde seine Ehefrau Rosmarie inne, die er aber erst später kennenlernte.

Durch Rupperts Werk zieht sich die Motivwahl. Er malte, was seine Alltagswelt hergab – von Ansichten in der Stadt Frauenfeld über Landschaften in der Region bis zu Kühen und Bauersfrauen. Von seinen Anfängen bis zu seinem frühen Tod mit 53 Jahren machte Ruppert gleichwohl eine Entwicklung durch, die seine Witwe Rosmarie Ruppert in einem Baliere-Raum aufzeigt. Die grossformatigen Bilder nehmen mit dem Alter an Abstraktion zu und werden zugleich in ihren Farben stärker, bisweilen fast opulent farbig verglichen mit Frühwerken.

Von Computer bis Malerei

Diese Spannweiten und dieser Facettenreichtum, von dem Baliere-Kuratorin Milena Oehy ausserordentlich angesprochen ist, zieht sich auch bei der Wahl der Techniken weiter. Ruppert versuchte sich in Öl, Ei-Tempera, Aquarell, Pastellkreide, Tusche, Rötel und sogar Schnitten. Ruppert, gelernter Mechaniker, war in der Kunst Autodidakt. Aber da war noch viel anderes: Er programmierte Computer und Astronomie-Software, war EDV-Analytiker, baute sein eigenes Haus, hatte einen Naturgarten, interessierte sich für Anthroposophie. Die Kunst hatte ihn an den Wochenenden und nach Feierabend. Mit ihr interpretierte er Aristoteles' Kategorienlehre oder Parzivals Irrwege.

Kunst bis fast in den Tod

An immer Neuem versuchte er sich. Deshalb blieben auch Bilder oder ganze Serien unvollendet. Dies ist zum Beispiel bei den Illustrationen zur Thurgauer Sage des treuen Hunds von Schloss Altenklingen der Fall. Neun Bilder waren vorhanden, für das Schlussbild zeichnete Witwe Rosmarie Ruppert verantwortlich. Guido Ruppert indes malte bis kurz vor seinem Tod. Sein letztes Bild zeigt die Landschaft bei der Kartause auf seinem letzten Spaziergang.

Vernissage: heute, 19 Uhr. Ausstellung bis 10. Mai. Mittwoch 14 bis 17 Uhr, Samstag/Sonntag 12 bis 16 Uhr. Stadtgalerie Baliere am Kreuzplatz

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