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GESUNDHEIT: Das Thurgauer Rezept gegen den Hausärztemangel

Der Thurgau behandelt den Hausärztemangel auf mehreren Ebenen. Eine Anlaufstelle für Gemeinden beispielsweise wird konkreter. Hoffnung setzt man auch auf die Bemühungen des Nachbarkantons St.Gallen.
Sebastian Keller
Hausärzte leisten den medizinischen Service public in den Gemeinden. (Bild: Gaëtan Bally/KEY)

Hausärzte leisten den medizinischen Service public in den Gemeinden. (Bild: Gaëtan Bally/KEY)

Sebastian Keller

sebastian.keller@thurgauerzeitung.ch

Für diese Diagnose muss man kein Arzt sein: Im Thurgau mangelt es an Hausärzten. In 40 Prozent aller Thurgauer Gemeinden praktiziert kein Hausarzt mehr. Dies förderte eine Umfrage unter allen 80 Gemeinden zutage. Projektleiter Christoph Tobler präsentierte diese an der Delegiertenversammlung des Verbandes Thurgauer Gemeinden (VTG) im vorherigen Jahr. Die Umfrage ist ein Baustein des Projektes «Sicherstellung der hausärztlichen Grundversorgung in den Gemeinden». Die aktuelle Situation beurteilten in der Umfrage weniger als zehn Prozent der Gemeinden als «nicht ausreichend». Doch beim Blick in die Zukunft verdüstert sich das Bild: In zehn Jahren rechnet bereits ein Viertel aller Gemeinden damit, dass die Situation «nicht ausreichend» sein wird. «Das ist alarmierend», stellte Tobler damals fest. Diese Befürchtung wird auch durch eine Feststellung im Projektplan genährt: Rund die Hälfte der heutigen Hausärzte im Thurgau seien im fortgeschrittenen Alter und werden in zehn Jahren nicht mehr oder nur mehr reduziert praktizieren. Und weiter: Eine Nachfolge sei vielfach nicht in Sicht.

Anlaufstelle wird aufgegleist

Der Hausärztemangel wird im Thurgau bereits seit längerem behandelt. Beim Projekt «Sicherstellung der hausärztlichen Grundversorgung in den Gemeinden» handelt es sich um ein Teilprojekt von «Brennpunkt Gesundheit Thurgau», in diesem Forum werden die brennenden Fragen zum Thema Gesundheit beleuchtet. Involviert sind etwa die Ärztegesellschaft Thurgau, der Verband Thurgauer Gemeinden und der Kanton.

Wie an der diesjährigen Versammlung des VTG bekannt wurde, soll mit einer Anlaufstelle für Ärzte und Gemeinden ein neues Element zur Behebung des Hausärztemangels aufgebaut werden. «Die Ausgestaltung und die Rahmenbedingungen dazu sind derzeit in Ausarbeitung», sagt Kurt Baumann, Präsident des Verbandes und Gemeindepräsident von Sirnach, auf Anfrage. Mit dem Budget haben die Delegierten des VTG bereits 10000 Franken dafür genehmigt. Die Kosten der Anlaufstelle werden je zu einem Drittel von den Partnern VTG, Ärztegesellschaft und Kanton übernommen, wie Kantonsarzt Olivier Kappeler ausführt. Das Konzept wird an der Tagung vom 11. Juni 2018 in Fischingen vorgestellt. «Wir sind froh, dass wir das Projekt im Verbund mit den Gemeinden und der Ärztegesellschaft vorantreiben können», sagt der Kantonsarzt Olivier Kappeler.

Praxisassistenzprogramm ist ein Erfolg

Gegen den drohenden Hausärztemangel wurden im Kanton Thurgau auch bereits verschiedene Massnahmen eingeleitet. Seit 2006 besteht ein Praxisassistenzprogramm, welches im Jahr 2013 erweitert wurde. Assistenzärztinnen und -ärzte erhalten während ihrer Weiterbildungszeit die Möglichkeit, in einer Hausarztpraxis mitzuarbeiten. Damit soll ihr Interesse an einer hausärztlichen Tätigkeit im Thurgau geweckt werden.

Wie es im aktuellen Geschäftsbericht des Kantons Thurgau heisst, sei die Nachfrage nach diesen Programmen hoch. 2017 wurden elf sechsmonatige Praxisassistenzen unterstützt. Viele seien bereit, später eine Praxistätigkeit im Kanton aufzunehmen, ist weiter zu lesen. Kantonsarzt Olivier Kappeler sagt dazu: «Die Akzeptanz des Programms ist von allen Seiten positiv. Das Programm wird weitergeführt.»

Ostschweiz ist gespannt auf St.Galler Volksabstimmung

Generell sagt der Thurgauer Kantonsarzt Olivier Kappeler: «Es ist wichtig, den Ärztemangel auf verschiedenen Ebenen anzugehen.» Deshalb schöpft der Thurgau auch Hoffnung aus den Bemühungen des Nachbarkantons St.Gallen. Die dortige Bevölkerung stimmt am 10. Juni dieses Jahres darüber ab, ob sie einen Teil der Ärzteausbildung im eigenen Kanton anbieten will. Das Projekt nennt sich Joint Medical Master. Ab 2020 sollen 40 Studierende ihr Hauptstudium (Master) in Humanmedizin an der Universität St.Gallen aufnehmen. Davor schliessen sie ihr Grundstudium (Bachelor) an der Universität Zürich ab. Es handelt sich um einen gemeinsamen Studiengang der beiden Universitäten. Der Bund leistet einen Beitrag – mit 3,6 Millionen Franken will er das Projekt anschieben. «Davon profitieren der ganze Kanton und die ganze Ostschweiz», heisst es denn auch in der Abstimmungsbroschüre des Kantons. Die Hoffnung: Mehr angehende Ärztinnen und Ärzte sollen sich in der Region niederlassen. Ferner soll mit dem Angebot eine Ausbildungslücke geschlossen werden.

Die Abstimmung wird in der ganzen Ostschweiz mit Spannung erwartet. Die Chancen stehen gut; Parteien von Links bis Rechts haben die Ja-Parole beschlossen. Der St.Galler Kantonsrat hiess die Vorlage ohne Gegenstimmen gut.

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