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GERICHTSFALL: 150 Hühner ausgesetzt: Täter verurteilt

Daheim hat er Hanf gezüchtet und Poulet geschlachtet. Unterwegs war er ohne Führerausweis. Dann hat er 150 Hühner im Wald ausgesetzt. Der heute 24-Jährige blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück.
Peter Exinger, Weinfelden
Etwa 150 Masthühner setzte der Angeklagte im Wald aus. (Bild: Mario Testa (Happerswil, im Oktober 2015))

Etwa 150 Masthühner setzte der Angeklagte im Wald aus. (Bild: Mario Testa (Happerswil, im Oktober 2015))

Zweimal stand der Prozess mehr als auf der Kippe. Der amtsbekannte Kiffer und Hühner-Aussetzer machte am Dienstag vor dem Bezirksgericht Weinfelden zum Teil überraschende Aussagen in einem abgekürzten Verfahren. Dieses stützt sich auf einen «Deal» zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Der Angeklagte muss aber vor Gericht alle gegen ihn vorgebrachten Tatbestände – es waren 22 Anklagepunkte – anerkennen. Bei zweien hakte es.

Körperverletzung und Tierquälerei

Einerseits wollte er nichts mehr davon wissen, seine Ex-Freundin an den Haaren gezogen und die Treppen in der Amriswiler Bahnhofunterführung hinuntergeschleudert und sie anschliessend zumindest zweimal ins Gesicht geschlagen zu haben, sodass sie mit dem Kopf gegen den harten Boden prallte. Delikt: einfache Körperverletzung. Nach einer 10-minütigen Pause und einem Gespräch mit seinem Anwalt anerkannte er zwar den Sachverhalt, machte aber geltend, sich «überhaupt nicht mehr an den Vorfall erinnern» zu können.

Zweitens soll er zumindest 62 Hühner in seiner Wohnung nicht sachgerecht geschlachtet haben: Er hatte ihnen das Genick gebrochen und dann die Kehle aufgeschlitzt, um sie ausbluten zu lassen. Delikt: mehrfache Tierquälerei. Vor Gericht behauptete er nun, die Tiere vor der Schlachtung mit einem Baseballschläger betäubt zu haben. Erst nachdem der Richter aufzeigte, an dieser Stelle sei das abgekürzte Verfahren hinfällig, und auf Bitte seines Anwalts um eine nochmalige Befragung, gibt der Angeklagte nach Unterbruch und Pause wortkarg zu Protokoll: «Ich anerkenne den Sachverhalt so.»

Kurios hörte sich auch die Erinnerungsleistung des Angeklagten während des gesamten Nachmittags vor Gericht an. Er kann sich aus seinem Leben als Delinquent meistens an «nichts mehr erinnern». Über Monate hinweg hat der Angeklagte täglich gekifft, sein Leben war komplett aus dem Ruder: Er ging keiner geregelten Arbeit nach, delinquierte in immer kürzeren Abständen. Fuhr fremde Autos ohne Erlaubnis, verursachte Unfälle, entzog sich polizeilicher Verkehrskontrollen durch Flucht.

Warum er ein Stellmesser gekauft habe? «Weiss ich nicht.» Warum er sich einen Kampfhund der Rasse American Staffordshire zugelegt habe, ohne dafür die Berechtigung zu besitzen? «Weiss ich nicht mehr.» Warum er sich halluzinogene Zauberpilze gekauft habe? «Um sie einmal auszuprobieren.» Wenigstens das. Das Leben des Angeklagten muss ein regelrechter Rausch gewesen sein, der keinen klaren Gedanken hinterliess. Der Angeklagte gibt freimütig zu: «Damals konnte ich nicht richtig denken. Ich habe mir nichts überlegt.»

Der Richter verschärft das Urteil

Weil sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung um Nachverhandlung bitten, kassiert Richter Pascal Schmid das Urteil von 14 Monaten bedingt auf fünf Jahre und spricht ein schärferes Urteil aus: 22 Monate bedingt auf fünf Jahre. Der Richter reduziert indes die Geldstrafe von 180 Tagsätzen auf deren 120 zu je 50 Franken. Beide Parteien erklären sich damit einverstanden.
Richter Pascal Schmid spricht in seiner Urteilsbegründung zwar von einem «tragischen Lebenslauf», aber mit seinem grossen Vorstrafenregister habe er sich in der Vergangenheit immer wieder als «absolut unbelehrbar» und «Outlaw» erwiesen. Der Richter redet nun dem Verurteilten ins Gewissen: «Jetzt liegt überhaupt nichts mehr drin. Sonst landen Sie garantiert im Gefängnis.» Ein kleiner Funken, dass sich der Lebensweg in eine bessere Richtung bewegt, sei vorhanden. Im letzten Jahr ist der Verurteilte Vater geworden. Und er lebt in einer stabilen Beziehung mit einer Frau. Bis seine Tochter sieben Jahre alt ist und zur Schule geht, muss sich der Täter nun bewähren: Ein scharf geschliffenes Damoklesschwert schwebe nun über ihm.

Der Vater erschoss seinen Schulkollegen

Gestern stand ein Mann vor den Schranken des Weinfelder Bezirksgerichts, der als Jugendlicher auch einiges mitgemacht haben muss. Er war 15 Jahre alt, als er mit ansehen musste, wie sein Vater auf dem Pausenplatz in Kümmertshausen einen seiner Schulkollegen mit einem Revolver erschoss. Der Fall warf im Jahr 2008 hohe Wellen. Auslöser des Vorfalls war eine Schuld von sechs Franken. In der Folge geriet der Jugendliche völlig auf die schiefe Bahn. Wegen fehlender schulischer und beruflicher Perspektiven kam er immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt. Mehrere Heimaufenthalte waren die Folge. (pex)

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