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Gericht zieht Kormorane aus Schusslinie

Im Seerhein darf nicht mehr länger auf Kormorane geschossen werden. Das Thurgauer Verwaltungsgericht heisst eine Beschwerde von Vogelschützern gut. Es sei nicht erwiesen, dass die Kormorane für das Aussterben der Fischart Äsche verantwortlich sind.
Silvan Meile
Susanne Brandenberger Verwaltungsrätin EFG-Bank und Kandidatin für den TKB-Bankrat (Bild: pd)

Susanne Brandenberger Verwaltungsrätin EFG-Bank und Kandidatin für den TKB-Bankrat (Bild: pd)

FRAUENFELD. Ein halbes Kilo Fisch verspeist ein Kormoran täglich. Wählerisch ist der Raubvogel nicht. Der Kormoran frisst alles, was er in den Schnabel bekommt. Der einst vom Aussterben bedrohte Wasservogel fühlt sich am Bodensee besonders wohl. Weil auch die stark bedrohte Fischart Äsche zu seiner täglichen Beute gehört, ist der Kormoran jedoch längst ins Fadenkreuz von Jägern geraten. Sie halten den gefrässigen Vogel mit dem Gewehr von den Äschen fern. Dafür erteilt ihnen der Kanton Abschussbewilligungen. Doch nun darf im Seerhein zwischen Konstanz und Ermatingen nicht mehr auf den Wasservogel mit seinem schwarzen Gefieder geschossen werden.

Mageninhalt als Rechtfertigung

Das Thurgauer Verwaltungsgericht gibt der Vogelschutzorganisation Birdlife Recht und pfeift den Kanton zurück. Die Richter verbieten dem Departement für Justiz und Sicherheit, auf dem Seerhein weitere Bewilligungen zum Abschuss von Kormoranen zu erteilen.

Die Vogelschützer werfen dem Kanton vor, die Abschüsse der Wasservögel jahrelang zu Unrecht bewilligt zu haben. Denn gemäss einer Auflage aus dem Jahr 1997 hätten solche jeweils nur weiter erteilt werden dürfen, wenn in den Mägen der abgeschossenen Kormorane eindeutig Reste von Äschen nachgewiesen werden konnten. Seit 2009 fehlen jedoch Daten solcher Untersuchungen. Der Kanton habe dadurch jahrelang Kormoran-Abschüsse bewilligt, ohne die dafür vorgesehenen Kriterien eingehalten zu haben, kritisierte Birdlife-Geschäftsführer Werner Müller gegenüber der Ostschweiz am Sonntag.

Jagd ist die einzige Möglichkeit

«Wir haben die abgeschossenen Vögel natürlich aus Verhältnismässigkeit nicht gerichtsmedizinisch untersuchen lassen», entgegnet Stephan Felber, Generalsekretär beim Departement für Justiz und Sicherheit. Deshalb könne der Beweis nicht schwarz auf weiss erbracht werden, dass die Kormorane im Seerhein die bedrohten Fische gefressen haben.

Die Jagd- und Fischereiverwaltung des Kantons Thurgau konnte in ihren eigenen Untersuchungen der auf dem Seerhein geschossener Kormorane in den vergangenen Jahren aber tatsächlich keine eindeutig identifizierbaren Reste von Äschen finden. Lediglich «unbestimmbare Fischreste», die von Äschen stammen könnten, sind in den Gerichtsakten erwähnt. «Die Äschenbestände sind eben völlig zusammengebrochen», sagt Roman Kistler, Chef der Jagd- und Fischereiverwaltung. Die Jagd auf Kormorane habe man in den vergangenen Jahren zum Schutz der letzten verbliebenen Äschen im Seerhein vorsorglich aufrechterhalten. Lediglich rund 20 Kormorane habe man dort pro Jahr noch geschossen. Schliesslich sei dies die einzige direkte Einflussmöglichkeit, um die aussterbende Fischart zu schützen. Für Fischer herrscht seit Jahren ein Fangverbot. Nebst den geschätzten 1000 gefrässigen Kormoranen rund um den Bodensee tragen aber auch steigende Wassertemperaturen und zerstörte Lebensräume zum Rückgang der Äschenbestände bei.

Weiterhin Jagd auf dem Rhein

Auf dem Hochrhein bleibt die Kormoran-Jagd von Herbst bis Frühling weiterhin erlaubt. Ausserdem haben Thurgauer Berufsfischer mit Jagdpatent auf dem Bodensee das Recht, auf Kormorane zu schiessen, wenn die Raubvögel Fische aus den Netzen der Fischer picken. Nur selten werde jedoch von diesem Recht Gebrauch gemacht, sagt Kistler.

Kormorane sonnen sich auf einem Felsen zwischen der Romanshorner Werft und der Salmsacher Bucht. (Bild: Reto Martin)

Kormorane sonnen sich auf einem Felsen zwischen der Romanshorner Werft und der Salmsacher Bucht. (Bild: Reto Martin)

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