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GERICHT: Ein paar Zufälle zu viel

Ein Albaner soll dem Hauptangeklagten im Prozess Kümmertshausen beim Menschenschmuggel geholfen haben. Er streitet alles ab. Das Wohnmobil – in dem acht illegale Iraker entdeckt wurden – sei ihm gestohlen worden.
Ida Sandl

Ida Sandl

ida.sandl@thurgauerzeitung.ch

Zu gut für diese Welt: Das kommt einem in den Sinn, wenn man dem 41jährigen Albaner zuhört. Es gibt eine lange Liste von Straftaten, doch er hat für jeden Vorfall eine Erklärung. Ob Drogendelikte, Erpressung, Nötigung, Veruntreuung. Immer ist er das Opfer. Es spielt sich meisten so ab: Er hilft den anderen, vermittelt ihnen Arbeit, lässt sie bei sich wohnen, unterstützt sie mit Geld. Und sie danken es ihm, indem sie ihn übers Ohr hauen, körperlich angreifen oder bei der Polizei anschwärzen. Schon sein Grossvater habe immer gesagt: «Gib den Menschen Brot und sie stechen Dir ein Messer in den Rücken.»

Eine Ferienreise mit Folgen

Der Fall, den das Bezirksgericht Kreuzlingen den ganzen Montag verhandelt, hat einen Bezug zum Mammutprozess Kümmertshausen. Der Beschuldigte kennt die Hauptangeklagten und verkehrt teils in denselben Lokalen. Er soll dem Iraker Nasar M. bei einem Menschenschmuggel geholfen haben. Auch das streitet er ab. In seiner Geschichte gibt es allerdings ein paar Zufälle zu viel, um sie glaubhaft wirken zu lassen. Sie beginnt im Juni 2010. Der Beschuldigte mietet einen Camper bei einem Thurgauer Unternehmen. Zufällig hat sich ein paar Tage zuvor ein Mann für das Wohnmobil interessiert, auf den die Beschreibung von Nasar M. passt. Er konnte es aber nicht mieten, da er keine C-Bewilligung besass. Dieser Mann soll auch die Miete und Kaution für das Fahrzeug bezahlt haben.

Der Beschuldigte sagt, er habe Ferien in Griechenland machen wollen. Seine Reisebegleiter sind zwei rumänische Frauen und ein Mann. Er hatte sie kurz vorher kennen gelernt.

Zufällig fährt auch Nasar M. gerade zu dieser Zeit nach Griechenland. Man trifft sich bereits auf der Fähre und später nochmals in Athen.

Die Küstenwache durchsucht den Camper

Die Ferienidylle währt nicht lange. Ein paar Tage nach der Ankunft in Athen fährt das Wohnmobil bereits wieder in den Fährhafen ein und direkt in eine Kontrolle. Dabei entdeckt die griechische Küstenwache im hinteren Teil einen präparierten Hohlraum mit acht illegalen Irakern. Am Steuer sitzt der Rumäne, neben ihm seine Freundin. Keine Stunde nachdem die Küstenwache den Camper hoch genommen hat, meldet der Beschuldigte das Fahrzeug als gestohlen. Er habe dem Pärchen den Camper für einen Ausflug geliehen. Die seien aber nicht wieder aufgetaucht. Am Morgen danach habe sich auch die zweite Rumänin aus dem Staub gemacht.

Für die Ermittler ist klar, entweder der Beschuldigte oder ein Mittelsmann ist dem Camper gefolgt und hat mitbekommen, dass der Menschenschmuggel aufgeflogen ist. Den Kreuzlinger Richtern tischt der Albaner eine neue Variante auf: Das Ganze sei ein abgekartetes Spiel der Firma, die den Camper vermietet hat, gewesen. «Ein Versicherungsbetrug.»

Für die Anklage ist der Tatbestand Förderung der rechtswidrigen Einreise in Bereicherungsabsicht erfüllt. Immerhin 10000 Franken sollen dem Beschuldigten für seine Dienste versprochen worden sein.

«Null Bezug zur Schweiz»

Der Verteidiger sieht keine Basis für eine Verurteilung. Bis Januar 2011 sei nur die illegale Einreise in die Schweiz strafbar gewesen. Erst danach sei der Straftatbestand auf die Schengenstaaten ausgedehnt worden. Der Fall seines Mandanten habe sich aber im Sommer 2010 zugetragen. Und bei den entdeckten Flüchtlingen gebe es «Null Bezug zur Schweiz».

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