Geothermie: Heute wird's heiss

Wie geht es nach dem Erdbeben mit dem Geothermieprojekt weiter? Diese Frage, die meistdiskutierte und brennendste des Sommers, wird heute beantwortet. Nachdem der Stadtrat am Vormittag seinen Entscheid gefällt hat, wird die Öffentlichkeit informiert.

Malolo Kessler
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Geothermie-Bohrturm im Sittertobel: Wie es weitergeht, wird heute entschieden. (Archivbild: Urs Jaudas)

Geothermie-Bohrturm im Sittertobel: Wie es weitergeht, wird heute entschieden. (Archivbild: Urs Jaudas)

ST. GALLEN. Das Bohrloch konservieren, das Geothermieprojekt weiterführen oder alles abbrechen: Heute wird die Frage beantwortet, die seit Wochen die ganze Stadt beschäftigt. Die Frage, wie es im Sittertobel weitergeht. Seit dem Erdbeben vom 20. Juli liegt das Millionenprojekt auf Eis. Nachdem nun verschiedene Analysen zum Erdbeben durchgeführt worden sind, entscheidet der Stadtrat an seiner Sitzung von heute über das weitere Vorgehen.

Medienhype erwartet

Sobald das Gremium den Entscheid gefällt hat, werde zuerst der «innere politische Zirkel» informiert, sagt Urs Weishaupt, Mediensprecher der Stadt. Gemeint sind Kantonsregierung sowie die Regierungen der umliegenden Kantone, ausserdem die Präsidenten der Gemeinden in der Region. Nach dem Mittag, um 13.30 Uhr, orientieren Stadtrat Fredy Brunner, Geothermieprojektleiter Marco Huwiler und Stefan Wiemer, Direktor des Schweizer Erdbebendienstes, dann die Medien über die Ergebnisse der Analysen und das weitere Vorgehen. Bereits das Beben hatte der Stadt einen eher ungewöhnlichen Medienaufmarsch beschert. Weishaupt rechnet nun auch damit, dass heute zahlreiche Pressevertreter, allenfalls auch aus dem nahen Ausland, erscheinen werden. Die Stadt selbst kommuniziert den Entscheid zudem laut Weishaupt ab etwa 16 Uhr auf der Stadt-Webseite (www.stadt.sg.ch) sowie auf ihrem Facebook- und Twitter-Account.

Politik steht hinter Projekt

Darüber, wie der Entscheid heute ausfällt, wird seit Wochen spekuliert. Und einiges deutet darauf hin, dass sich die Stadt für die Fortführung des Projekts entscheidet. Zumindest Stadtpolitiker würden sich dies auch wünschen: So hat die FDP-Fraktion des Stadtparlaments, bezeichnenderweise die Partei von Stadtrat Fredy Brunner, am Freitag ein Communiqué verbreitet, in dem die Weiterführung der Bohrarbeiten im Sittertobel gefordert wird (Tagblatt vom Samstag). Zwar habe das Erdbeben weitherum für Verunsicherung gesorgt und auch Ängste geweckt, schrieb die Fraktion. Allerdings brauche es für das Projekt auch die Bereitschaft, gewisse Risiken einzugehen – «angesichts der für die Energiezukunft unserer Stadt und auch der Schweiz entscheidenden Bedeutung».

Ebenfalls für eine Weiterführung des Projekts, nach sorgfältiger Analyse der Risiken, sprachen sich unlängst auch Exponenten von SP, CVP, SVP und Grünen aus. Die Christlichdemokraten etwa äusserten sich dahingehend, dass es bei solchen Projekten den Mut brauche, «auch dann weiterzugehen, wenn es zu einem Rückschlag kommt».

Nur kleinere Nachbeben

Im St. Galler Untergrund ist es seit dem Beben mit der Stärke 3,5 auf der Richter-Skala ruhig geblieben. Spürbare Nachbeben gab es laut Stadtsprecher Urs Weishaupt in den vergangenen vier Wochen keine. Der Schweizerische Erdbebendienst, er überwacht die Region wegen des Projekts seit rund zweieinhalb Jahren, verzeichnete lediglich kleinere Erdstösse. Aufgrund des Bebens sind bei den Stadtwerken bislang etwa 250 Schadensmeldungen eingegangen.