Genug vom schnellen Wachstum

BUSSWIL. Das Dorf Busswil wehrt sich gegen die Zonenplanänderung der Gemeinde Sirnach und das damit verbundene anhaltende Siedlungswachstum. Immer mehr Einwohner unterschreiben einen Protestbrief an den Gemeinderat.

Silvan Meile
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Das Siedlungsgebiet des Dorfes Busswil hat sich in den vergangenen Jahren auch in die grüne Wiese in Richtung Hochwacht ausgedehnt. (Bild: Silvan Meile)

Das Siedlungsgebiet des Dorfes Busswil hat sich in den vergangenen Jahren auch in die grüne Wiese in Richtung Hochwacht ausgedehnt. (Bild: Silvan Meile)

BUSSWIL. In Busswil regt sich Widerstand. Eine immer grösser werdende Gruppierung von Einwohnern des kleinen Dorfes übt Kritik an der Zonenplanrevision der Gemeinde Sirnach. Stein des Anstosses sind darin vorgesehene, weitere Umzonungen von Landwirtschaftsland in Wohnzonen für dreigeschossige Bauten (W-3). Denn dadurch ist im Dorf mit seiner attraktiven Lage zwischen Wil und Littenheid auch für die nächsten Jahren ein markanter Anstieg der Bevölkerungszahlen garantiert. Doch die Bewohner des ländlichen Busswils haben genug vom schnellen Siedlungswachstum.

42 Prozent in 12 Jahren

Busswil sei in den letzten zwölf Jahren bereits um 42 Prozent gewachsen, steht in einem noch nicht verschickten Brief an den Sirnacher Gemeinderat. Das Schreiben ist als Stellungnahme zur öffentlichen Vernehmlassung verfasst. «Das Wachstum der Gemeinde Sirnach geschieht auf dem Rücken des Standorts Busswil», heisst es dort weiter. Während die Gemeinde Sirnach ein durchschnittliches Bevölkerungswachstum von jährlich einem Prozent anstrebt, wächst Busswil im Schnitt pro Jahr um bis zu vier Prozent. «Für uns entstand der Eindruck, dass bei der Erstellung der Zonenplanung die Befindlichkeiten der Busswiler Bevölkerung keine hohe Beachtung fanden», steht im Brief.

«Wir sind nicht gegen neue Bauten in Busswil. Die Neuansiedlungen müssen aber auch hier in einem vertretbaren Verhältnis zur Bevölkerung stehen», sagt Jürg Jelinek. Der Busswiler gehört zu den Erstunterzeichnern der Stellungnahme an den Gemeinderat. Er und die Mitunterzeichner des Briefes sehen auch das Leitbild der Gemeinde Sirnach verletzt. Denn dort ist ein «massvolles und ausgewogenes Wachstum der Bevölkerung in allen Gemeindeteilen» erwähnt.

Eine «Ruhepause» für Busswil

Mit den weiteren neu definierten Bauzonen für Mehrfamilienhäuser gehe nicht nur der dörfliche Charakter verloren, durch den anhaltend rasanten Siedlungswachstum könne auch das Zusammenwachsen und das Zusammenleben im Dorf nicht genügend gefördert werden, sagt Jürg Jelinek. Dem Dorf sei deshalb eine «Ruhepause» zu gönnen. «Wachstum über ein Prozent pro Jahr ist für den Standort Busswil nicht mehr tolerierbar», lautet das zentrale Anliegen.

Deshalb sei auf die weiteren Umzonungen zu verzichten und vorerst das Wachstum des Dorfes auf dem noch bestehenden unverbauten Bauland zu beschränken. Auch sollen keine weiteren W-3-Zonen definiert werden. Busswil habe in den letzten fünf Jahren schon genügend hohe Gebäude erhalten.

Laufend neue Unterschriften

Die Kritik an der Zonenplanrevision stösst bei den Busswilern auf offene Ohren. «Bisher gelangte noch keine negative Reaktion zu mir», ergänzt Jelinek. Immer mehr Busswiler unterschreiben das hervorgebrachte Anliegen und informieren ihr Umfeld darüber, woraus wiederum Unterschriften hervorgehen. «Es entsteht eine Dynamik», sagt Jelinek. Der Widerstand gegen die Zonenplanänderung hat das Dorf wachgerüttelt. Den Überblick, wie viele Personen den Brief an den Gemeinderat mit ihrer Unterschrift bereits unterstützen, hat Jürg Jelinek nicht mehr. Laufend würden unterschriebene Briefe bei ihm eintreffen. Doch schon bald muss er sie auf die Post bringen. Die Frist der Vernehmlassung läuft nur noch bis zum 25. Oktober.

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