Genug Bauern, zu wenig Bäuerinnen

Die Ausbildung von Bäuerinnen im Thurgau bereitet dem Chef des Landwirtschaftsamtes Sorgen: Statt der erwarteten 20 Frauen absolvieren pro Jahr nur 1 bis 2 Frauen die Prüfung zur Bäuerin mit Fähigkeitsausweis.

Marina Winder
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Mehr Bäuerinnen braucht die Thurgauer Landwirtschaft. (Archivbild: Susann Basler)

Mehr Bäuerinnen braucht die Thurgauer Landwirtschaft. (Archivbild: Susann Basler)

Frauenfeld. Der Thurgauer Landwirtschaft geht es nicht gut, zu diesem Schluss kommt der aktuelle Landwirtschaftsbericht. Eine abschreckende Wirkung scheint die Misere, in der sich die Thurgauer Landwirtschaft befindet, nicht zu haben: Immerhin hat die Zahl der Lehrabschlussprüfungen für Landwirte zugenommen, von 21 im Jahr 2003 auf 60 im Jahr 2009. Diesen Erfolg schreibt das Landwirtschaftsamt dem Pilotmodell der dreijährigen Lehre am BBZ Arenenberg zu. Das neue Modell habe auch viele ausserkantonale Lernende angezogen.

Bei den Männern Ziel erreicht

Um den Ausbildungsstand der Thurgauer Landwirtschaft langfristig sichern zu können, sind – selbst beim gewünschten Strukturwandel hin zu grösseren Höfen – jährlich zwischen 50 und 70 Absolventen der Lehrabschlussprüfung notwendig. 2009 wurde dieses Ziel erreicht. Ganz anders präsentiert sich aber die Situation der Frauen im Bereich der modularen Weiterbildung. Für sie scheint die Ausbildung zur Bäuerin mit Fähigkeitsausweis wenig attraktiv zu sein. Diesen Schluss jedenfalls zieht Markus Harder, der Chef des Landwirtschaftsamtes, wenn er die aktuellen Zahlen betrachtet.

Ein Sorgenkind

Die Anzahl Berufsprüfungen für Bäuerinnen bewegt sich seit Jahren auf tiefem Niveau. 20 Abschlüsse waren ursprünglich das Ziel. Dieses wurde aber nie erreicht. In guten Jahren absolvierten zehn Frauen die Bäuerinnenprüfung. Von 2006 bis 2009 waren es pro Jahr nur noch eine bis zwei Absolventinnen. «Die Bäuerinnenausbildung ist ein Sorgenkind», sagt Harder.

Der Verband Thurgauer Landwirtschaft will nicht länger zusehen. Die rückläufigen Zahlen sollen gestoppt werden. Eine Arbeitsgruppe hat sich nun in Zusammenarbeit mit dem BBZ Arenenberg dieses Ziels angenommen. Gemäss Präsidentin Susanne Harder befindet sich die Arbeit aber in den Anfängen und ist noch nicht spruchreif. Ziel sei es, der Weiterbildung zur Bäuerin wieder mehr Wert beizumessen.

Negativer Trend

Im Leitbild für die Thurgauer Landwirtschaft ist im elften Leitsatz festgehalten, das Landwirte und Bäuerinnen sich unternehmerisches und marktorientiertes Denken und Handeln aneignen. Weiter sollen sie Kenntnisse zur nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen erwerben und ihre berufliche Flexibilität und Innovationsfähigkeit fördern.

Dieser Leitsatz hat sich in den vergangenen Jahren stark negativ entwickelt, heisst es im Landwirtschaftsbericht. Dies nicht zuletzt wegen des Einbruchs in der Frauenausbildung.