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GENETIK: Haben Kühe bald nur noch auf Milchpackungen Hörner?

Züchtungen von hornlosen Kühen nehmen in der Schweiz zu. Führend in diesem Bereich ist ein Landwirt aus Weiningen. Eine Volksinitiative will dem Trend entgegenwirken und den Tieren «ihre Würde zurückgeben».
Nathalie Grand, sda
Jedes 20. Kalb kommt in der Schweiz ohne Hörner zur Welt. (Bild: Urs Jaudas)

Jedes 20. Kalb kommt in der Schweiz ohne Hörner zur Welt. (Bild: Urs Jaudas)

Während bis vor gut 25 Jahren die Schweizer Kuhpopulation noch mehrheitlich behornt war, hat sich das Bild mittlerweile komplett verändert. Auf den Milch­packungen haben zwar noch die meisten Kühe Hörner, in der Realität sind nur aber noch rund ein Viertel der Kühe behornt. Immer häufiger kommen die Tiere schon ohne Hörner auf die Welt. Ins­besondere bei Mutterkuhrassen wächst die Zahl der Tiere, die ­genetisch hornlos sind. Der Thurgauer Bauer Daniel Zellweger züchtet seine Tiere auf Hornlosigkeit: Die 24 Milchkühe in Zellwegers Stall in Weiningen haben keine Hörner, das Jungvieh ist ohne Hörner auf die Welt gekommen. Die Enthornung erleichtert die Haltung der Kühe in engen Laufställen und reduziert die Verletzungsgefahr.

Immer mehr genetisch hornlose Zuchtstiere

Die Hornkuh-Prämie sei ihm egal, sagt Zellweger gegenüber dem «Thurgauer Bauer». Selbst wenn es dereinst Beiträge vom Staat geben sollte, werde er das Ziel einer genetisch hornlosen Herde weiterverfolgen. Zellweger ist überzeugt, dass den hornlosen Stieren die Zukunft ­gehört. Der erste genetisch hornlose Brown-Swiss-Zuchtstier stammt aus seinem Stall. Da Hornlosigkeit dominant vererbt wird, ist dies für diese Rasse nicht mehr rückgängig zu machen. Das Angebot an genetisch hornlosen Stieren habe sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt, sagt Reto Grünenfelder, Präsident von Braunvieh Schweiz. Dass die Vorschriften für das Enthornen verschärft worden seien, mache das «natürliche Enthornen» attraktiver.

Im April des vergangenen Jahres ist die sogenannte Hornkuh-Initiative offiziell zustande gekommen. Mit dem Volksbegehren «Für die Würde der landwirtschaftlichen Nutztiere» sollen Bauern mehr Subventionen bekommen, wenn sie ihren Kühen die Hörner nicht ausbrennen oder amputieren. Das Stimmvolk wird zu einem noch nicht festgelegten Zeitpunkt über das Thema abstimmen.

Die Volksinitiative fordert, dass der Bund «mit wirtschaftlich lohnenden Anreizen» umwelt- und tierfreundliche Produktionsformen fördert. Insbeson­dere soll er dafür sorgen, dass Halter von Kühen, Zuchtstieren, Ziegen und Zuchtziegenböcken finanziell unterstützt werden, wenn die ausgewachsenen Tiere Hörner tragen. Der Bundesrat hingegen will keine neuen ­Direktzahlungen einführen und empfiehlt in seiner am Mittwoch veröffentlichten Botschaft dem Parlament, die Hornkuh-Initiative ohne Gegenvorschlag abzulehnen. Die Haltung von horn­tragenden Tieren sei ein unternehmerischer Entscheid der Landwirte. Bei Annahme der Initiative müssten andere Direktzahlungen gekürzt werden.

Wegen der Laufstall- und Auslaufhaltung würden heute mehr Tiere enthornt als früher. Dies habe wesentlich zur Steigerung des Tierwohls beigetragen. Beiträge für behornte Tiere könnten dazu führen, dass wieder mehr Anbindeställe gebaut würden. Zudem gebe es keine Studie, die zeige, dass das Wohlergehen von Kühen oder Ziegen ohne Hörner unverhältnismässig beeinträchtigt sei.

Bio Suisse wünscht sich Kühe mit Hörnern

Auch Grünenfelder, der Präsident von Braunvieh Schweiz, ist gegen die staatliche Prämie. «Der höhere Aufwand für die Haltung der Tiere soll über den Markt abgegolten werden.» Grünenfelder nennt das erfolgreiche Beispiel aus Urnäsch. Von den rund 580 Kühen, welche in der Ausserrhoder Gemeinde für den Käse Milch produzieren, sind nur noch 15 Kühe hornlos. Bis 2021 sollen auch die letzten Kühe in Urnäsch wieder Hörner tragen.

Bio Suisse begrüsst die Haltung behornter Kühe. Das Horn sei wichtig für das Sozialverhalten, die Rangordnung und die Körperpflege. Enthornt wird hauptsächlich, um Verletzungen von Tieren und Menschen zu vermeiden oder weil ein Laufstall für behornte Kühe aus finanziellen und räumlichen Gründen nicht auf jedem Betrieb umsetzbar ist. Hornkühe sind auf Betrieben mit dem Knospen-Label nicht Vorschrift, aber erwünscht.

In der Schweiz sind Enthornungen gemäss der Tierschutzverordnung nur unter Betäubung erlaubt. Tierhalterinnen und Tierhalter dürfen ihre Kälber bis zum Alter von maximal drei Wochen selber enthornen, wenn sie zuvor einen anerkannten Kurs besucht haben. In Laufställen wird mehr enthornt als in solchen mit Anbindehaltung, wie 2014 eine repräsentative Umfrage der Organisation KAG Freiland ergab. In Laufställen tragen mehr als 90 Prozent der Tiere keine Hörner. Die Anzahl behornter Tiere nimmt mit zunehmender Betriebsgrösse stark ab. In Kleinbetrieben mit weniger als 20 Tieren ist knapp die Hälfte der Milchkühe «Hornträger». In Betrieben mit 50 oder mehr Vierbeinern beträgt der Anteil nur 4 Prozent. Ohne Hörner benötigt eine Kuh weniger Platz. Denn je grösser der Tierbestand, desto rationeller müssen die Abläufe auf dem Betrieb gestaltet werden.

Nathalie Grand, SDA

thurgau@thurgauerzeitung.ch

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