Generationen-Zvieri vom Schloss

Internatsschüler vom Schloss Kefikon trafen sich mit Bewohnern des Alterszentrum Park zu Kaffee und Kuchen. Für Alt und Jung war es eine neue Erfahrung. Eine zweite Runde ist bereits vorgesehen.

Evi Biedermann
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Tara und Kaya, zwei Schüler vom Schloss Kefikon, servieren einigen Bewohnern des Alterszentrums Park ihre selbstgebackenen Kuchen. (Bild: Evi Biedermann)

Tara und Kaya, zwei Schüler vom Schloss Kefikon, servieren einigen Bewohnern des Alterszentrums Park ihre selbstgebackenen Kuchen. (Bild: Evi Biedermann)

FRAUENFELD. 70 Jahre und mehr liegen zwischen ihnen, begegnet sind sie sich noch nie. Trotzdem verbindet sie in diesen Minuten etwas: die Lust auf ein Stück Apfelkuchen, dessen Duft den ganzen Raum erfüllt. Gebacken von Internatsschülern von Schloss Kefikon. Für die Bewohner des Alterszentrums Park. Die Aktion ist Teil der Projektnachmittage, die alle 14 Tage stattfinden. Diesmal entschied man sich für einen Generationen-Zvieri. Dass daraus ein «Kafichränzli» werden würde, kam für die Initianten aus Kefikon überraschend. Backen und hinbringen – so war es angedacht. «Wir wollten den Bewohnern einfach eine Freude machen», sagt Sandra Herrlein, Sozialpädagogin in der Schlossschule.

Der Kuchen als Brückenbauer

Die Idee fand Anklang im Alterszentrum Park. Doch dort sagte man sich «wenn schon, denn schon» und lud die jungen Internatsschüler kurzerhand zum gemeinsamen Zvieri ein. Drei Mädchen und ein Junge haben zugesagt. Den 12- bis 15-Jährigen sitzen nun fünf Bewohner, die in einer Pflegestufe eingeteilt sind, und vier Betreuerinnen gegenüber. Gut, ist da der Kuchen dazwischen. Da kann man hinschauen, ihn anschneiden und über ihn reden. Das hilft, die ungewohnte Situation zu meistern.

Die Jugendlichen sind befangen, die Bewohner schauen vor sich hin und essen schweigend ihr Stück Kuchen, während sich die Begleiterinnen – zwei vom Schloss und fünf vom Alterszentrum – bemühen, ein Gespräch in Gang zu bringen, an dem alle teilnehmen können.

Keine einfache Situation

Einfach ist das nicht, es sind wohl zu viele am Tisch. So bleiben die Jugendlichen und ihre Betreuerinnen eher unter sich. Bis plötzlich eines der Mädchen sich eine persönliche Frage getraut: «Warum tragen Sie dieses Armband?», sagt sie zu ihrer Nachbarin und zeigt auf das schwarze Band. Alle horchen auf und es wird sofort still im Raum. Das Armband verfüge über einen Knopf, auf den sie drücken könne, antwortet die Frau mit knappen Worten. «Ein Notruf-Gerät», ergänzt eine Pflegerin und sagt, wie es funktioniert und wann es nützlich ist. Damit scheint das Eis gebrochen. Plötzlich erzählt ein Mädchen von ihrer Grossmutter, die auch Kuchen backe. Wenig später erzählen die Kinder vom Leben im Schloss, vom Weihnachtsessen, für das sie sich jeweils chic anziehen und von der Sportstunden heute abend. «Was haben Sie früher gearbeitet?», wollen sie nun wissen und erfahren, dass eine Frau Verkäuferin war und ein Mann Sekundarlehrer.

Nächstes Mal im Schloss

Nach anderthalb Stunden verabschiedet man sich voneinander. Während die Bewohner zurück in ihre Wohnungen gebracht werden, helfen die Kinder beim Abwasch. Die Begegnung mit den alten Leuten habe ihnen gefallen, sagen alle vier. «Wir freuen uns schon aufs nächste Mal.» Das wird Ende Oktober sein, dann aber lädt das Schloss Kefikon zum «Kafichränzli» ein.