GEMÜSE: Knackig-grüne Nische für die Bauern

Im Moosholz in Kesswil bot Ferdinand Vogel, Präsident der Interessengesellschaft Essiggurken Schweiz, Einblick in den Essiggurkenanbau. Die Firma Hugo Reitzel aus Aigle sucht nach wie vor neue Cornichonproduzenten.

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Die künftigen Essiggurken auf dem Feld. (Bild: Trudi Krieg)

Die künftigen Essiggurken auf dem Feld. (Bild: Trudi Krieg)

Knackige Essiggurken sind während der Grill- und Picknicksaison besonders beliebt. Weil die einheimische Produktion rückläufig war, rief die Firma Hugo Reitzel aus Aigle ver- gangenen Herbst dazu auf, dass Cornichonproduzenten gesucht seien – mit teilweisem Erfolg. Gesamtschweizerisch wird im Jahr 2017 eine Ernte von etwa 400 Tonnen erwartet. Produziert wird auf zehn Hektaren. Bei den Thurgauer Landwirten blieb es seit dem Aufruf aus der Westschweiz vorerst bei den vier langjährigen Produzenten. An der Informationsveranstaltung waren aber weitere Interessenten, auch aus dem St. Gallischen.

Grösster Produzent ist im Thurgau daheim

Der Kesswiler Ferdinand Vogel hat mit 3,5 Hektaren die grösste Anbaufläche von Essiggurken in der Schweiz. Entsprechend ist er dafür eingerichtet. Der sogenannte Gurkenflieger hat links und rechts je eine Tragfläche, auf der sechs Erntehelfer bäuchlings liegen, die Gurken von Hand pflücken und auf ein Förderband legen, das diese in einen Sammelbehälter transportiert. Sortiert wird die Ernte aus den Grosskisten seit vergangenem Jahr direkt bei der Firma Reitzel in Aigle, welche die Gurken aus der ganzen Schweiz zusammenführt. Hugo Reitzel ist der einzige Hersteller von Essigkonserven in der ganzen Schweiz. Konsumenten kennen die Schweizer Essiggurken am Schweizerkreuz auf dem Deckel des Glases, am Markennamen Reitzel und an der Bezeichnung «Tante Anita’s Gurken».

Der «Gurkenflieger» fährt 65 Meter pro Stunde

Wenn die Gurken am Stock zu gross werden, kann man sie nicht mehr als Essiggurken verkaufen. Solche übergrosse, übersehene Gurken zehren am Stock und lassen die kleinen verkümmern anstatt weiterwachsen. Darum kann der Gurkenflieger Marke Eigenbau nicht schneller als 65 Meter pro Stunde fahren. Die Essiggurken sind eine der intensivsten landwirtschaftlichen Kulturen – mit etwa 80 Prozent Handarbeit.

«Fangt mit einer kleinen Fläche an, damit ihr die Gurken im Griff habt und nicht sie euch», riet Ferdinand Vogel. «Die Gurken wachsen bei dem warmen Wetter zwei Zentimeter pro Tag und wenn die Nächte warm sind drei.» Da müsse man es sich vorher überlegen, ob genug Erntehelfer verfügbar seien. Neuanfänger unter den Gurkenproduzenten müssen sich auch überlegen, in welches Erntesystem sie investieren wollen. Dann aber können die Essiggurken eine lukrative Nischenproduktion sein. Das Ziel sei, die Schweizer Produktion in den nächsten Jahren auf 800 Tonnen zu erhöhen.

Trudi Krieg

thurgau@thurgauerzeitung.ch