Gemüse für ganz Frauenfeld

Einige Frauenfelder mit grünen Daumen wollen einen Gemeinschaftsgarten betreiben. Deshalb haben sie einen Verein namens OGiF gegründet – das bedeutet Offenes Gärtnern in Frauenfeld. Jetzt muss nur noch ein Standort her.

Mathias Frei
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Haben definitiv grüne Daumen: Die Gemeinschaftsgärtnerinnen Tina Eberhart und Ursina Ahorn mit dem Friedhofsverwaltungschef Markus Marghitola und dem Stadtgärtner Andreas Weber. (Bild: Donato Caspari)

Haben definitiv grüne Daumen: Die Gemeinschaftsgärtnerinnen Tina Eberhart und Ursina Ahorn mit dem Friedhofsverwaltungschef Markus Marghitola und dem Stadtgärtner Andreas Weber. (Bild: Donato Caspari)

FRAUENFELD. Ein Gemeinschaftsgarten mit Rüebli, Salat, Zwiebeln, Kartoffeln und vielem mehr mitten auf dem Bahnhofplatz. Und: Frauenfeld kann sich gänzlich selbst ernähren mit Gemüse aus der Stadt, weil jeder, der kann, einen eigenen Garten hat. Für alle anderen gibt es «Pflanzblätze». Das sind Visionen von Ursina Ahorn und Tina Eberhart für Frauenfeld im Jahr 2064.

Die beiden 20-Jährigen sinnieren gerne, was in 50 Jahren sein könnte. Aber noch viel lieber gärtnern sie im Hier und Jetzt. Deshalb haben die zwei jungen Frauen mit zehn Gleichgesinnten den Verein Offenes Gärtnern in Frauenfeld (OGiF) gegründet, mit Ursina Ahorn als Präsidentin. Der Verein will einen oder mehrere Gemeinschaftsgärten in der Stadt betreiben.

Keine Guerilla-Gärtnerinnen

Dafür braucht es ein Stück Land. «Mit 30 Quadratmetern wären wir für den Anfang vollkommen zufrieden», sagt Ursina Ahorn. Möglichst zentral soll der Garten liegen oder vom Bahnhof zu Fuss innert nützlicher Frist oder per ÖV erreichbar sein. Das wünschen sich die jungen Gärtnerinnen. Zwar sympathisiert der Verein mit der Idee des Guerilla-Gardening (siehe Kasten), distanziert sich aber zugleich von solchen Aktionen, da OGiF den Weg des offenen Gärtnern gehen möchte. Und der Verein soll jedermann offen stehen.

Die Vereinsmitglieder wollen gemeinsam mit der Bevölkerung von Frauenfeld den «Pflanzblätz» mit Gemüse und Früchten bestellen. Da der Garten laut Verein nicht umzäunt sein soll, kann grundsätzlich jede und jeder im Garten Gemüse ernten. «Ganz Frauenfeld soll vom Garten profitieren», sagt Tina Eberhart. Einen allfälligen Missbrauch dieses Angebots nimmt der Verein in Kauf. Sie würden auf soziale Kontrolle hoffen, sagt Ursina Ahorn. Das heisst: Es ist absolut in Ordnung, wenn ein Passant einmal zwei Tomaten pflückt. Das schlechte Gewissen soll aber verhindern, dass eine Person grad die ganze Kartoffelernte einpackt.

Was dem Verein wichtig ist: «Wir wollen nach den Richtlinien von Bio Suisse arbeiten», sagt Ursina Ahorn. Es dürfen also keine chemischen Insektizide oder Fungizide verwendet werden. Auch von gentechnologisch verändertem Saatgut halten die zwei Gärtnerinnen nichts. Vielmehr wollen sie Permakultur betreiben, den Boden dementsprechend nachhaltig mit verschiedenen Pflanzen bewirtschaften und nicht nur mit einer Pflanzenart einseitig ausbeuten.

Nutzland gesucht

Aber eben: Permakultur und Bio-Richtlinien können die Hobbygärtner erst anwenden, wenn Nutzland vorhanden ist. Der Verein hofft einerseits auf private Landeigner, andererseits auf die Stadt, die ein eigenes Grundstück zur Verfügung stellen oder Land vermitteln kann.

«Wir stehen der Idee dieses Vereins positiv gegenüber», sagt Markus Marghitola, Leiter der Friedhofsverwaltung, zu welcher die Stadtgärtnerei gehört. Auch Stadtgärtner Andreas Weber würde sich freuen, wenn die Bevölkerung Frauenfelds in grossem Stil das Gärtnern entdeckte. So würden die Leute auch wieder bewusster mit Nahrungsmitteln umgehen und sie mehr wertschätzen, anstatt dass sie im Dezember im Supermarkt Erdbeeren aus Spanien kauften. Skeptisch ist Weber aber, ob das mit dem offenen Garten, wo jedermann ernten kann, funktioniert. «Es wäre natürlich schön, wenn es funktionierte.»

Frauenfeld ist nicht Berlin

Auch die Standortsuche könnte sich nicht ganz so einfach gestalten, erklärt Marghitola. Wie realistisch das Ziel des Vereins ist, kommenden Frühling mit dem Gärtnern zu beginnen, kann er nicht einschätzen. Aber: «Frauenfeld ist nicht Zürich, Berlin oder New York. Bei uns gibt es keine Industriebrachen mitten in der Stadt.»

www.facebook.com/ogifogif Mail: team.ogif@gmail.com