Gemeinde gibt den grosszügigen Götti

Die Stimmbürger von Felben-Wellhausen sagen nach intensiven Diskussionen an der Gemeindeversammlung Ja zur Unterstützung des Projektes Dorfzentrum. Die Gemeinde zeichnet nun für zwei Millionen Franken Anteilscheine.

Stefan Hilzinger
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FELBEN-WELLHAUSEN. Es ging um viel Geld. Gemeindepräsident Werner Künzler und Finanzvorsteherin Gabriela Lehner berichteten von einem Jahresüberschuss von knapp einer Millionen Franken. Überschuss und zusätzliche Abschreibungen in der Jahresrechnung 2015 nahmen die 113 Stimmbürger von Felben-Wellhausen diskussionslos zur Kenntnis. Richtig viel zu reden an der Gemeindeversammlung am Dienstag gab aber die finanzielle Unterstützung der Genossenschaft Dorfzentrum.

Kosten von 150 000 Franken

Die Genossenschaft plant, im Zentrum von Felben eine Wohnüberbauung mit etwa 30 altersgerechten Wohnungen und allenfalls einer Pflegeabteilung zu bauen. Die Investitionen betragen knapp 20 Millionen Franken.

Der Gemeinderat hatte beantragt, die Genossenschaft mit zwei Millionen Franken aus der Gemeindekasse zu unterstützten. «Dabei soll ein möglichst grosser Betrag als Darlehen gewährt werden», heisst es im Antrag des Gemeinderates. Dieses Darlehen hätte von der Genossenschaft verzinst und «möglichst rasch» zurückbezahlt werden sollen. Die Gemeinde muss das Geld aufnehmen und rechnet für Amortisation und Verzinsung mit jährlichen Kosten von 150 000 Franken.

Jörg Müller, der Präsident der Genossenschaft, stellte den Gegenantrag, dass die gesamten zwei Millionen in Form von Anteilscheinen in die Genossenschaftskasse fliessen sollen. «Nur so gilt der Betrag als Eigenkapital», sagt Müller. Die Genossenschaft müsse aber zehn Prozent an Eigenkapital vorweisen, um an weiteres günstiges Kapital zur Finanzierung des Vorhabens zu kommen.

Irritierte Stimmbürger

Der Gegenantrag irritierte einen Teil der Stimmbürger – obwohl das Vorhaben im Tenor Unterstützung fand. «Die Gemeinde wird sich etwas dabei gedacht haben, den Grossteil des Geldes als rückzahlbares Darlehen gewähren zu wollen», sagte ein Stimmbürger. Tatsächlich schreibt der Gemeinderat in seinem Antrag, dass die erwarteten Kosten von 150 000 Franken eine Steuererhöhung zur Folge haben könnten. «Schade, haben sich Gemeinderat und Genossenschaft nicht im Vorfeld auf eine Lösung geeinigt», sagte ein zweiter Stimmbürger.

«Bringt unsere Gemeinde nun den Mut auf oder kriecht sie bloss dem Geld nach?», sprach sich eine Stimmbürgerin dafür aus, die Anteilscheine zu zeichnen. Das Projekt Dorfzentrum sei zukunftsträchtig und erfülle eine Forderung des Alterskonzepts, sagte jemand anderes.

Ein Rückweisungsantrag unterlag deutlich. Schliesslich sprach sich die Versammlung mit 85 Ja- zu 21-Nein-Stimmen für den Antrag Müller aus. Die Gemeinde wird nun für zwei Millionen Franken Anteilscheine zeichnen.