Geiges verhindert Lex Geiges

In den Debatten des Thurgauer Grossen Rats ist Mundart unüblich, sie darf aber weiterhin verwendet werden. Mit überwiegender Mehrheit verwirft der Rat den Vorschlag, Hochdeutsch als Verhandlungssprache festzulegen.

Thomas Wunderlin
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Stefan Geiges (CVP, Frauenfeld) engagiert sich vehement dafür, im Grossen Rat weiterhin Schweizerdeutsch reden zu dürfen. (Bild: Reto Martin)

Stefan Geiges (CVP, Frauenfeld) engagiert sich vehement dafür, im Grossen Rat weiterhin Schweizerdeutsch reden zu dürfen. (Bild: Reto Martin)

WEINFELDEN. Entgegen ihrer sonstigen Gewohnheiten sprachen etliche Thurgauer Kantonsräte an der Mittwochsitzung Dialekt oder wechselten von Satz zu Satz von der Hochsprache zum Thurgauischen. Andere Kantonsräte hielten konsequent an der Hochsprache fest. Mit der Sprachwahl gaben sie ihre Meinung zum Antrag der vorberatenden Kommission kund, Hochdeutsch als Verhandlungssprache festzulegen.

Spontan auf Dialekt

Der Frauenfelder Stefan Geiges (CVP) fühlte sich davon besonders betroffen. Denn ausser ihm spricht in den Debatten kaum jemand Dialekt. Ein früherer Ratspräsident hatte ihm einmal deswegen gedroht, das Wort zu entziehen. Er wollte vor allem bei seinen spontanen Voten «rede dörfe wiemer de Schnabel gwachse isch». Auf Antrag von Turi Schallenberg (SP, Bürglen) beschloss der Rat mit 111 Ja zu 10 Nein, auf die Hochdeutschpflicht zu verzichten. Damit war der Antrag gegenstandslos, den Geiges selber gestellt hatte. Er hatte auf den Vorschlag des Ratsbüros zurückkommen wollen, analog zum Sprachengesetz des Bundes Deutsch als Amtssprache festzulegen. Denn auch damit wäre die Mundart weiterhin zulässig geblieben.

Die Amtssprache werde auf höherer Ebene als im Kantonsparlament geregelt, sagte Rechtsanwalt Carlo Parolari (FDP, Frauenfeld). Eine Streichung des Hochdeutsch-Artikels wäre «vielleicht nicht das Dümmste». Hermann Lei (SVP, Frauenfeld) sprach von einem «Scheinproblem». Wichtig sei nur, dass der Schriftverkehr «in der Sprache Goethes» stattfinde.

Der Münchwiler Gerichtspräsident Alex Frei (CVP, Münchwilen) sah im Dialekt ein Zeichen der Bürgernähe. Auch an den Gerichten gebe es keine Vorschrift, Hochdeutsch zu sprechen: «Wir können Voten ohne weiteres protokollieren.» Hochdeutsch gehöre zur Kultur des Rats, sagte Paul Koch (SVP, Oberneunforn). Wenn er Lust habe, wolle er aber Dialekt reden dürfen. Laut Ueli Müller (CVP, Weinfelden) wird auch in den Parlamenten von Obwalden und Baselland Dialekt gesprochen.

Öffentliche Sitzungen

Kommissionspräsident Daniel Frischknecht (EDU, Romanshorn) betonte den Unterschied zu den Kommissionssitzungen, wo selbstverständlich Dialekt gesprochen werde. Die Ratssitzungen seien aber öffentlich. Auch TV-Stationen würden manchmal darüber berichten. Peter Dransfeld (SP, Ermatingen) hatte sich einst für Dialekt im Kindergarten eingesetzt. Im Grossen Rat schätze er die Verwendung des Hochdeutschen, denn der Grosse Rat sei kein Kindergarten. «Spontane Voten kommen häufig aus dem Bauch», sagte Walter Hugentobler (SP, Matzingen). «Manchmal ist es wichtig, wenn sie den Umweg übers Gehirn nehmen.» Der Grosse Rat solle Hochdeutsch sprechen, wie er es den Thurgauer Schülern zur Pflicht gemacht habe, fand Edith Wohlfender (SP, Kreuzlingen).

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