Geht gut auch ohne

Murgspritzer

Mathias Frei
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Das Beste an Weinfelden sei der Schnellzug nach Frauenfeld, heisst es in der Hauptstadt. An sich würde ja auch ein Regionalzug reichen. Haupt­sache: Richtung Westen. Und schon 1972 besang Schlager­sänger Christian Anders in «Es fährt ein Zug nach Nirgendwo» die Bahnlinie von Frauenfeld ostwärts. Und jetzt fährt nicht einmal mehr dieser Zug. Ab kommendem Samstag neun Tage lang, nicht einmal mehr nach Nirgendwo. Fahrleitungserneuerung. Die SBB sind schuld. Schlimm, schlimm. Für Weinfelden.

Geht uns in der Hauptstadt nichts an. Geht auch gut ohne Weinfelden. In der Hauptstadt braucht keiner die Wega. Denn wir sind Hauptstadt. Wir haben die Museen. Wir haben das Open Air. Wir sind Hauptstadt. Aber wir sind eben auch grossherzig. Das zeichnet uns aus. Gibt ja auch Weinfelder, die zurück müssen. Zurück ins Nirgendwo. Und dann soll es sogar jene geben, die freiwillig in den Osten fahren. Zwecks soziologischer Feldforschung, sagen sie. Für all diese armen Seelen gibt es einen Bahnersatzbus. Ohne Halt bis Kreuzlingen und auf eigene Gefahr. Und dazu laufen Christian Anders’ grössten Hits in Endlosschlaufe, damit es nicht so wehtut.

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch