Gehen oder bleiben?

«Wenn du wüsstest, wie mich das nervt», piepst meine Frau und legt einen ordentlich ausgeschnittenen Zeitungsartikel in ein Mäppchen. «Immer wieder das Gleiche, das hält doch niemand aus.» «So schlimm?», frage ich vorsichtig. «Noch schlimmer.

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«Wenn du wüsstest, wie mich das nervt», piepst meine Frau und legt einen ordentlich ausgeschnittenen Zeitungsartikel in ein Mäppchen. «Immer wieder das Gleiche, das hält doch niemand aus.» «So schlimm?», frage ich vorsichtig. «Noch schlimmer.» Die Frau Turmspatz bekommt fast keine Luft mehr, so sehr regt sie sich auf. Fast ist zu befürchten, dass sie einen Anfall von Stress-Asthma oder einen Ausschlag bekommt. «Hast du etwa keine Probleme damit?» «Doch, doch.» Vorsichtshalber gebe ich eine diplomatische Antwort, denn der Grund ihres Ärgers ist mir nicht bekannt.

«Schau nur», sagt sie, und schiebt das Mäppchen zu mir hinüber. Vorsichtig breite ich die verschiedenen Artikel auf dem Tisch aus. Lächelnde und ernste Gesichter schauen uns an. Gemeinderäte und Schulbehördemitglieder aus der ganzen Region, die ihr Amt zur Verfügung stellen. «Findest du es so schlimm, dass diese Leute zurücktreten? Im einen oder anderen Fall hat es sicher auch sein Gutes.» «Lies die Artikel, dann verstehst du mich vielleicht besser.» Wie befohlen vertiefe ich mich in die Texte. Da wird über grosse Leistungen und noch grössere Belastungen unserer Politiker berichtet, über die Unvereinbarkeit des Amtes mit ihrem Beruf.

«Was ist denn nun so schlimm daran?» «Das fragst du noch?», ruft sie empört. «Die Leute, die bleiben, werden kaum erwähnt. Die tragen doch die ganze Last und Verantwortung. Aber wer bekommt die grosse Beachtung? Die Weggeher.» «Bei uns ist das anders», sage ich und schliesse sie in meine Flügel. «Wir beachten nur diejenigen, die bleiben.»

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