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Gegner werben mit Befürwortern

Die IG für eine gute Thurgauer Volksschule wirbt mit einem Zitat des Dachverbands der Lehrerinnen und Lehrer der Schweiz für ihr Anliegen. Doch dieser vertritt eigentlich die Gegenposition.
Michèle Vaterlaus
Alle wollen eine gute Volksschule. Doch die Vorstellungen davon unterscheiden sich. (Bild: Andrea Stalder)

Alle wollen eine gute Volksschule. Doch die Vorstellungen davon unterscheiden sich. (Bild: Andrea Stalder)

Die IG für eine gute Thurgauer Volksschule hat den Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH verärgert. In einem Flyer zitiert die IG, die den neuen Lehrplan mit einer Initiative verhindern will, nämlich den LCH. Dieser tritt damit als «Kronzeuge gegen den Thurgauer Lehrplan» auf, wie der Verband in einer Stellungnahme schreibt. Dies, obwohl er ausdrücklich für den neuen Lehrplan sei.

Kritik richtet sich nicht gegen den Inhalt

«Die Politik behauptet, der Lehrplan 21 sei <keine Schulreform> und <kein Paradigmenwechsel>. Genau das ist er aber: Er ist Teil eines Programms zur grundlegenden Umgestaltung der Steuerung im Bildungswesen», steht im Zitat. Und: «Dieser Paradigmenwechsel wird die Schule, den Unterricht und den Lehrberuf massiv verändern.» Auf Anfrage bestätigt Jürg Brühlmann, Mitglied der LCH-Geschäftsleitung, dass der Verband durchaus Kritik am Lehrplan 21 geübt habe. Aber nicht inhaltlich. «Die Kritik ist vor allem gegen den Entstehungsprozess gerichtet. Er hätte transparenter sein können.» So hätte man frühzeitig über die sinnvolle Beurteilung von Kompetenzen sprechen sollen. Ebenso hätte man offener über die Veränderungen im Schulsystem diskutieren sollen. Zudem bestehe die Gefahr des «Teaching To The Test». Das heisst, dass Lehrer ihre Schüler nur noch in jenen Fächern fördern und unterrichten, die am Schluss in standardisierten Tests geprüft werden. Das seien ja nur die Hauptfächer. Es sei angebracht, hier Lösungen zu finden. «Das alles reicht aber nicht aus, um den Lehrplan abzulehnen», sagt Brühlmann. Das Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen. Es stamme aus einer mehrseitigen Vernehmlassung zum ersten Entwurf des Lehrplans 21 aus dem Jahr 2013. Brühlmann wünscht sich, dass die IG neben dem Zitat zumindest deklariert, dass der LCH den Lehrplan befürwortet.

Gegner kritisieren Meinungsumschwung

Das hat die IG nicht vor. «Viele Gegner des Lehrplans haben ihre Meinung revidiert», sagt Mediensprecher Felix Huwiler. Er stört sich daran, dass Gegner auf einmal ihre Argumente zurücknehmen würden und sich für den Lehrplan einsetzen. Seine Meinung geändert habe nicht nur der LCH, sondern beispielsweise auch der Schaffhauser Regierungsrat Christian Amsler oder Christoph Eymann, Präsident der Erziehungsdirektorenkonferenz. «Das verwirrt. Selbst Pädagogen verstehen den Lehrplan kaum mehr», sagt Huwiler. Er kritisiert, dass Lehrplanbefürworter nicht auf Gegenargumente reagieren, sondern diese nur kritisieren würden. «Man wirft uns vor, die Schule zu verpolitisieren. Wir sind der Meinung, man will sich der Diskussion nicht stellen.» Für den Flyer habe man Stellungnahmen von Experten gewählt, die den Standpunkt der IG vertreten. Das sei auch beim Zitat des LCH so. «Deshalb wird es auf dem Flyer bleiben.»

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