Gegenwind von zwei Seiten

Gegen einen geplanten Windpark auf der deutschen Seite des Untersees regt sich heftiger Widerstand – dies- und jenseits der Landesgrenze.

Thomas Güntert
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Schon hängen in Schienen Plakate der Windparkgegner. (Bild: Thomas Güntert)

Schon hängen in Schienen Plakate der Windparkgegner. (Bild: Thomas Güntert)

STEIN AM RHEIN. Rund 250 Besucher füllten am Mittwochabend die Turnhalle in Schienen restlos bei der Veranstaltung der Bürgerinitiative «Landschaftsschutz Schienerberg» zum geplanten grenznahen Windpark des Elektrizitätswerkes des Kantons Schaffhausen.

Mit Visualisierungen der vier Windräder – unterlegt mit dramatischer Musik – begann die Veranstaltung gegen die geplanten Windräder. Landschaftsarchitekt Ulrich Bielefeld erklärte die bekannten Nachteile von Windparks. Es kam zum Ausdruck, dass die Rechtslage in Deutschland anders sei als in der Schweiz. Wenn sich etwa in Baden-Württemberg im Umkreis von 1000 Metern eines Windrads ein Rotmilan-Horst befindet, sei das Projekt gestorben.

«Vier Monstertürme»

«Wahrscheinlich wohnen auf der Höri und im Hegau die schlechtesten Nachbarn, die man sich vorstellen kann. Nur so kann ich mir erklären, warum die Schaffhauser Regierung 60 Meter vor der deutschen Grenze vier Monstertürme aufstellen will», sagte Edi Schwegler aus Stein am Rhein. «Der untere Kantonsteil soll einen Naturpark erhalten und wir im oberen Kantonsteil einen Windpark.» Er zeigte sich glücklich über den grenzüberschreitenden Widerstand gegen das Vorhaben. So habe sich etwa der Gemeinderat von Hemishofen in einer Konsultativabstimmung gegen das Vorhaben ausgesprochen.

Steiner Stadtrat in der Kritik

Sorgen bereitet Schwegler, dass drei der vier Türme auf dem Grundeigentum der Stadt Stein am Rhein zu stehen kommen würden. «Nach unserer Interpellation an den Stadtrat hat sich dieser für das Projekt ausgesprochen, sieht in der Rodung kein Problem und will den Wald für zwei Franken pro Quadratmeter verkaufen», sagt Schwegler, was die Besucher mit «unglaublich» und lautem Gelächter quittierten. Drei der Stadtratsmitglieder, die an der Entscheidung beteiligt waren, würden allerdings bei der nächsten Wahl nicht mehr antreten. Er habe die Hoffnung, dass der neue Stadtrat seine Meinung ändern werde. Sollte das nicht der Fall sein, will Schwegler eine Volksinitiative starten. Er wie andere Mitglieder der Bürgerinitiative seien zwar Naturschützer und Verfechter der Energiewende, die auch Windenergie befürworteten, «allerdings nur dort, wo sie hingehört».