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GEGENTREND: Zwischendurch offline sein tut auch der Liebe gut

Zwei junge Thurgauer wollen dem Zeitgeist entgegenwirken, immer und überall erreichbar zu sein. Auch die Intimsphäre soll davon profitieren.
Simon Dudle
«The offline box» statt WhatsApp-Chat: Simon Scherrer und Reto Zingg mit ihrer Geschäftsidee, um «mehr Zeit fürs Wesentliche» zu bekommen. (Bild: Urs Bucher)

«The offline box» statt WhatsApp-Chat: Simon Scherrer und Reto Zingg mit ihrer Geschäftsidee, um «mehr Zeit fürs Wesentliche» zu bekommen. (Bild: Urs Bucher)

Ob während der Zugfahrt zur Arbeit, beim gemeinsamen Mittagessen mit Kollegen, einer Besprechung in der Firma oder dem abendlichen Spaziergang: das Mobiltelefon ist der treueste Begleiter vieler. «Das geht zu weit», finden die beiden Thurgauer Simon Scherrer und Reto Zingg. Obwohl auch sie im Besitz eines Handys sind und dieses regelmässig nutzen, wollen sie einen Gegentrend unterstützen: «Während 80 Prozent der Zeit, die wir online sind, machen wir Irrelevantes», sagt Simon Scherrer aus Rickenbach.

Darum haben die beiden «The offline box» entwickelt. Dabei handelt es sich um ein simples Kästchen, in welchem von der Grösse her jedes auf dem Markt erhältliche Handy abgelegt werden kann. Eine Seitenwand hat ein Loch, um das Ladekabel einführen zu können. Diese Kästchen gibt es in drei Niveauklassen: die günstigste Version in Birkenholz, ein Mittelklassemodell in schwarzem Lack und und die teuerste Variante mit vergoldeten Emblemen. Die Preise schwanken zwischen 40 und mehreren hundert Franken. So einfach das Prinzip ist, so viel philosophische Überlegungen stecken dahinter. «Es ist der neue Luxus, nicht erreichbar zu sein», sagt der Matzinger Zingg. Die beiden propagieren nicht einen vollständigen Handyverzicht, sondern den Verzicht während einiger Stunden am Tag. «Eine genaue Dauer geben wir nicht vor. Darum kann man unsere Box jederzeit öffnen. Offline sein darf keinen Zwang darstellen», sagt Zingg. Mit «The offline box» soll mehr Zeit für die Erholung geschaffen werden, «mehr Zeit fürs Wesentliche im Leben», wie Scherrer sagt.

Es braucht wieder einen Wecker

Die Kästchenform wurde bewusst gewählt. «Es braucht in der Wohnung einen Platz, der einen daran mahnt, weniger Zeit am Handy zu verbringen. Das Möbelstück sollte nicht im Schlafzimmer stehen, auch wegen der Strahlen», sagt Scherrer. Die beiden gehen noch einen Schritt weiter: Auch die Sexualität leide vielfach darunter, wenn das Handy neben dem Bett liegt.

Das Problem, wenn das Mobiltelefon nicht mehr im Schlafzimmer ist: Es fehlt der Wecker. Und genau darum wird nun eine so genannte «Offline clock» ins Sortiment aufgenommen. Dabei handelt es sich um einen herkömmlichen Wecker wie zu Grossmutters Zeiten. Oder auf Neudeutsch: Im Vintage-Stil. Angesprochen werden diverse Zielgruppen, vom einfachen Büezer über einen Arzt bis zum Top-Manager. Nur die Jugendlichen gehören nicht dazu. «Die werden nicht bereit sein, dafür Geld auszugeben», sagt Scherrer.

Noch steckt das Projekt der beiden 24jährigen Thurgauer in den Kinderschuhen. Seit April wird es aufgegleist. Eine GmbH existiert bereits, eine Homepage auch. Gearbeitet wird ausschliesslich in der Freizeit, zuweilen auch in der Nacht. Die hauptberuflichen Herausforderungen als Finanzberater (Scherrer) und des Tourismus-Studiums an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur (Zingg) haben Priorität.

Es handelt sich um einen Gegentrend, der nicht ganz neu ist. So gibt es bereits Hotels, in denen man das Mobiltelefon am Empfang abgibt. Im Kanton Zug wurde dieses Jahr ein handyfreies Open Air durchgeführt. Einen direkten Konkurrenten haben die beiden weltweit aber nur in Holland ausgemacht. «Die Gegenbewegung ist zu wenig gut organisiert. Das könnte unsere Chance sein», sind Scherrer und Zingg überzeugt. Ob sich damit Geld verdienen lässt, muss sich allerdings noch weisen.

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