Gegen Kantönligeist im Passivrauchen

Am 23. September befindet das Schweizer Stimmvolk über die eidgenössische Volksinitiative zum Schutz vor Passivrauchen. Gestern lancierte die Lungenliga Thurgau die Abstimmungskampagne, «damit der Thurgau gesünder wird».

Mathias Frei
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Ein allgemeines Rauchverbot fordert die Lungenliga-Initiative nicht. (Bild: Elias Raschle)

Ein allgemeines Rauchverbot fordert die Lungenliga-Initiative nicht. (Bild: Elias Raschle)

WEINFELDEN. «Es kommt ja auch niemandem in den Sinn, die Helmtragepflicht auf Thurgauer Baustellen abzuschaffen», erklärt Christoph Helg, Präsident der Lungenliga Thurgau. Er spricht den «Flickenteppich» an, die von Kanton zu Kanton unterschiedliche Gesetzgebung in Sachen Schutz vor dem Passivrauchen. «Eine Thurgauer Lunge ist nicht weniger wert», so Helg.

Zweiter Versuch

Mit knapp 55 Prozent schickte die stimmende Thurgauer Bevölkerung im Mai 2009 die kantonale Initiative der Lungenliga zum Schutz vor Passivrauchen bachab. Im gleichen Ausmass wurde damals dafür dem Gegenvorschlag des Grossen Rates zugestimmt. Erlaubt wurden so Raucherlokale bis zu einer Fläche von 80 Quadratmetern und bediente Fumoirs. Damit entsprach die Thurgauer Handhabe dem auf Mai 2010 in Kraft getretenen Bundesgesetz zum Schutz vor Passivrauchen.

Zurzeit machen es zehn Kantone dem Thurgau gleich. In sieben Kantonen sind nur bediente Fumoirs erlaubt. Die Forderungen der zweiten, nun eidgenössischen Lungenliga-Initiative sind in den restlichen acht Kantonen schon durchgesetzt. Das heisst: Es sind nur noch unbediente Fumoirs erlaubt. Auch am Einzelarbeitsplatz darf geraucht werden, wenn niemand durch Passivrauchen beeinträchtigt wird.

«Wir wünschen uns eine einheitliche Lösung, die klare und faire Bedingungen in der Gastronomie schafft», sagt Lungenliga-Präsident Helg. Es dürfe nicht sein, dass Arbeitnehmer täglich während acht Stunden dem Passivrauch ausgesetzt seien, gleichbedeutend mit einer Belastung von 15 bis 38 selber gerauchten Zigaretten. Gleichwohl sei festzuhalten, dass die Initiative kein allgemeines Rauchverbot verlange.

Passivrauchen tötet

«Die Fakten sind auf dem Tisch: Passivrauchen ist ebenso schädlich wie Rauchen, nur in einer anderen zeitlichen Dimension», sagt Kinder-Lungenfacharzt Christoph Stüssi. In den vergangenen drei Jahren hätten neue Studien diese Tatsache gestützt und weiter zugespitzt. Stüssi sieht deshalb die Zeit gekommen, dass der 2009 geäusserte Volkswille aktualisiert werde.

Erfahrungen sind gut

Jetzt gehe es nicht mehr um Gastronomieumsätze, sondern um den Schutz der Gesundheit, so Stüssi. Wenn überall die gleichen Bedingungen herrschten, müsse nicht mehr diskutiert werden, ob es sich lohne. «Jetzt müssen wir jene Arbeitnehmer schützen, welche keine Wahl haben, obschon sie sich das Rauchen selber nicht antun», erklärt der Lungenspezialist. Christoph Helg meint dazu: «Die Erfahrungen der letzten Jahren stimmen uns zuversichtlich. Der Nichtraucherschutz kommt in der Bevölkerung, gerade auch bei der jungen Generation, gut an.» Und auch Raucher zeigten für diese Massnahmen Verständnis.