GEFÄNGNIS: Weihnachten hinter Gittern

Die Weihnachtstage werden im Kreis der Familie verbracht – es sei denn, man sitzt im Gefängnis. Aber auch vor verschlossenen Türen macht das Fest nicht Halt.

Christian Kamm
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Christian Kamm

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@thurgauerzeitung.ch

Die schönsten Weihnachten für Häftlinge sind wohl jene in Freiheit. Auch dieses Jahr gibt es im Kantonalgefängnis Frauenfeld mit seinen 56 Plätzen wieder vier Glückliche, die über die Festtage Freigang haben und zu Hause ­feiern können. Einen Weihnachtsbonus, also eine speziell auf die Festtage ausgelegte Freigangs-Regelung gebe es aber nicht, sagt Markus Städler, Leiter der Abteilung Gefängnisse im kantonalen Amt für Justizvollzug. Vielmehr geht alles seinen geordneten Gang: «Die Urlaubskompetenz liegt bei der einweisenden Be­hörde», so Städler. Erst wenn eine Bewilligung vorliegt, darf der Gefangene raus.

Die meisten müssen bleiben. Ist die Weihnachtszeit für ein ­Gefängnis eine besonders schwierige Zeit? Da stelle man keinen Unterschied fest, sagt Städler. Was nicht zuletzt damit zu tun ­haben dürfte, dass das Kantonalgefängnis ein nur für kurze Freiheitsstrafen ausgelegtes, klas­sisches Untersuchungsgefängnis ist. Wer in Frauenfeld einsitzt, hat noch keine langjährige Haftstrafe in den Knochen, sondern bleibt im Durchschnitt für nur 40AABB22Tage. Dazu kommt, dass die grosse Mehrheit der Häftlinge keine Christen sind.

Dennoch gibt es auch in Frauenfeld während dieser Zeit Abweichungen vom normalen Gefängnisalltag. Das schon allein deshalb, weil die Weihnachtstage auch für die Inhaftierten arbeitsfrei sind. Was wiederum mehr Freizeit bedeutet und das Be­dürfnis nach sozialen Kontakten steigert, wie Städler beobachtet hat. Die würden denn auch ermöglicht.

Besinnliche Worte in der Adventszeit

Zwar findet am heutigen 24. Dezember keine Weihnachtsfeier im Kantonalgefängnis statt. Wohl aber gibt es in der Adventszeit ­einen gemeinsamen Anlass für Gefangene. Mit dabei sind ein ­katholischer und evangelischer Seelsorger, die in einer Andacht besinnliche Worte beisteuern. Ausserdem spielt am Abend eine Band auf, und Freiwillige des Bewährungsdienstes Thurgau basteln mit den Insassen Kärtchen. Die Verpflegung entspricht courant normal und stammt wie üblich vom Kantonsspital Frauenfeld. Die Teilnahme sei freiwillig, sagt Städler. «Aber wer kann, macht in der Regel mit.» Und auch dem Gedanken der Bescherung wird hinter den hohen Mauern nachgelebt. Zwischen Weih­nachten und Neujahr erhalten dieAABB22Gefangenen jeweils ein kleines Präsent. «Etwas, das man brauchen kann, zum Beispiel ein Shampoo oder einen Deo.» Die müssten die Insassen sonst selber kaufen.

Nicht nur Weihnachten spielt im Kantonalgefängnis eine Rolle. Auf andere religiöse Gebräuche wird ebenfalls Rücksicht genommen. Wer koscher essen will oder ohne Schweinefleisch – dank der Kooperation mit der Spitalküche alles möglich. Beim islamischen Fastenmonat Ramadan wurde ein Kompromiss gefunden: Die Gefangenen verpflichten sich, genug zu trinken, sind jedoch nicht von der Arbeit befreit. Das Essen wird zur gewohnten Zeit verteilt. Den Fastenden wird aber erlaubt, es erst später einzunehmen.