Geduldet, aber nicht willkommen

MÜNCHWILEN. Für zwei Wochen haben sich rund 40 Fahrende in Münchwilen niedergelassen. Heute müssen sie wieder gehen. So ist es mit dem Gemeindepräsidenten Guido Grütter abgemacht. Ihn stört es nicht, wenn die Fahrenden weiterziehen.

Ives Bruggmann
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Die Fahrenden bei ihrer Ankunft am «Bodeloose Weier» unweit des Parkbads an der Murg in Münchwilen. (Bild: Hans Suter)

Die Fahrenden bei ihrer Ankunft am «Bodeloose Weier» unweit des Parkbads an der Murg in Münchwilen. (Bild: Hans Suter)

Heute mittag um zwölf Uhr müssen die Fahrenden, die in Münchwilen halt machten, weiterziehen. «Ich bin froh, wenn sie wieder weg sind», sagt Gemeindepräsident Guido Grütter. Das meint er gar nicht despektierlich, denn das Fazit, das er zieht, ist durchaus zufriedenstellend. «Es ist nicht schlecht gelaufen. Wir haben sicher nicht so negative Erfahrungen gemacht wie andere Gemeinden», sagt Grütter. Der Aufwand sei aber sehr gross, und man müsse immer dranbleiben.

Dreimal täglich auf Besuch

«Dreimal pro Tag ist jemand von der Gemeinde vorbeigegangen, ein Gemeinderat, jemand vom Werkhof oder ich.» Grössere Sauereien habe es zwar nie gegeben, dennoch mussten die Fahrenden immer wieder dran erinnert werden, Ordnung zu halten. «Es ist einfach nicht deren Kultur, ordentlich zu sein. Wir mussten immer präsent sein», sagt Grütter.

Die Vereinbarungen betreffend Sauberkeit haben die Fahrenden in Münchwilen eingehalten. «Die Fahrenden haben wie abgemacht zwei Toi-Toi-Toiletten und einen Abfallcontainer aufgestellt», sagt Grütter. Wenn es irgendwelche Reklamationen aus der Bevölkerung gab, dann hat diese der Gemeindepräsident sofort angesprochen. «Ich habe jeweils an ihre Ehre appelliert. Das hat sehr gut funktioniert.» Reklamationen gab es laut Grütter unter anderem, wenn die Roma einfach zu den Leuten auf die Grundstücke gegangen sind, um nach Arbeit zu fragen. Auch musste Grütter einschreiten, als die Fahrenden auf offener Wiese Fensterläden abschliffen.

«Haben es nicht gesucht»

Nun ist Grütter erleichtert, wenn die Roma wieder weiterziehen. «Wir haben es ja nicht gesucht. Dennoch wollten wir das beste aus dieser Situation machen.» Die Gemeinde arbeitete stets mit der Polizei zusammen. Auch sie kontrollierte vor Ort jeweils die öffentliche Ordnung und Sicherheit. Laut Daniel Metzler, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau, gab es einmal eine verbale Auseinandersetzung. «Ob diese auch tätlich wurde, ist derzeit Gegenstand von Ermittlungen», sagt Metzler. Eine Meinungsverschiedenheit zwischen einer Gruppe von Passanten und den Fahrenden habe zur Auseinandersetzung geführt. «Die Kantonspolizei Thurgau wurde beigezogen und konnte erfolgreich intervenieren», sagt Metzler. Ansonsten habe es keine nennenswerten Zwischenfälle gegeben.

Die Polizei ist über den Zeitpunkt der Weiterreise informiert, sagt Grütter. Auch er wird heute mittag wieder vor Ort sein. Voraussichtlich zum letztenmal.

Guido Grütter Gemeindepräsident Münchwilen (Bild: Olaf Kühne)

Guido Grütter Gemeindepräsident Münchwilen (Bild: Olaf Kühne)

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