Gastroverein löst sich auf

Seit einiger Zeit hat der Vorstand der Sektion Frauenfeld-Untersee und Rhein Nachfolger gesucht. Ohne Erfolg. Nun integriert man sich in den kantonalen Verband. 127 Jahre Geschichte gehen damit zu Ende.

Donat Beerli
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Donat Beerli

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@thurgauerzeitung.ch

Dem Präsidenten tat es sichtlich weh. Hoffnungsvoll schaute Hans Oertle in die Gesicher der Vereinsmitglieder und fragte sie ein letztes Mal, ob nicht doch jemand den Job des Präsidenten, des Vizepräsidenten und denjenigen des Kassiers übernehmen wolle. Doch die Hoffnung war schon längst verflogen. «Wir haben 160 Briefe verschickt und gerade mal zwei Rückmeldungen erhalten», sagte er am Mittwoch an der Generalversammlung des Vereins Gastro Sektion Frauenfeld-Untersee und Rhein (FUR) im Restaurant Mühle in Matzingen. «Man könnte meinen, dass es die Mitglieder nicht interessiert, was mit dem Verein passiert.»

Eine Kritik aus den Reihen der Mitglieder

Der leicht vorwurfsvolle Aufruf von Oertle blieb aber auch an diesem Mittwochnachmittag unerhört. Weder fürs Präsidentenamt noch für die anderen Positionen meldete sich jemand der Anwesenden. Oertle hatte bereits vor seinem Aufruf angetönt, was die unausweichliche Konsequenz einer Nichtbesetzung der vakanten Positionen sein würde: Die Integration der Sektion Gastro Frauenfeld-Untersee und Rhein in den kantonalen Verband Gastro Thurgau. Und so wurde sogleich über diese Integration abgestimmt – mit klarem Ergebnis: Die Mitglieder sprachen sich beinahe einstimmig dafür aus. Nur der ehemalige Wirt der «Murgbrücke» in Frauenfeld, Carlo Sasso, übte leichte Kritik am Vorstand und warf ihm vor, sich zu wenig um eine Nachfolge bemüht zu haben. «Man hätte mit den Jungen reden müssen, nicht einfach einen Brief schreiben.» Seiner Kritik schien sich jedoch niemand so richtig anzuschliessen. «Vor vier Jahren haben wir angefangen, uns Gedanken um die Nachfolge zu machen», verteidigte Oertle sich und den Vorstand. Man habe Gespräche geführt und war zwischenzeitlich auch zuversichtlich, neue, junge Kräfte zu finden. «Das hat aber dann doch nicht geklappt, und darum stehen wir nun leider an diesem Punkt.»

Beisitzer und «Sternen»-Geschäftsführer Stefan Mühlemann nutzte die Gelegenheit und machte auf die Vorteile einer Integration aufmerksam. «Einige Dinge liefen bis anhin in beiden Verbänden parallel. Nun können wir Kräfte bündeln und schlagkräftiger auftreten.»

Der Gastro-Job wird immer anspruchsvoller

Was Gastro Frauenfeld-Untersee und Rhein widerfährt, beklagen viele Vereinsführungen im Land. Nämlich, dass es immer schwieriger wird, Leute zu finden, die ihre Zeit für einen Verein opfern. Oertle wollte am Mittwoch jedoch keine Kritik an den jungen Wirten üben. «Ich weiss, wie anspruchsvoll unser Job geworden ist in den letzten Jahren.» Da sei es verständlich, dass man die Zeit, die einem bleibe, vielleicht in andere Sachen investieren wolle.

20 Jahre lang hat Oertle nun als Präsident gewirkt, 20 Jahre lang stand ihm Claudia Klingler als Kassierin zur Seite. So wollte der abtretende Präsident es in Matzingen nicht verpassen, seiner Kassierin aber auch den anderen Vorstandsmitgliedern für die gemeinsame Zeit zu danken. Der Abschied tue weh, aber traurig sei er nicht. «Es war eine interessante Zeit, und wir konnten etwas bewirken.»

Eine der ältesten Gastro-Sektionen

Am 11. Dezember 1890 wurde mit der Gründung des Wirtevereins Frauenfeld und Umgebung der Grundstein für den heutigen Verband gelegt. Erst 1997 wurde aus dem alten Namen Gastro Frauenfeld und Umgebung. An der Generalversammlung 2007 beschlossen die Mitglieder dann die Namensänderung in Gastro Region Frauenfeld, und 2013 entschied man sich für den Zusammenschluss von Gastro Region Frauenfeld und Gastro Untersee und Rhein, womit der heutige Name eingeführt wurde.

Nun wird die Sektion also in den Kantonalverband integriert. Die beiden bisherigen Beisitzer Freddy Abegg und Stefan Mühlemann werden als Regionalvertreter im Verband fungieren. Mühlemann ist sich bewusst, dass einige Wirte einen sinkenden Einfluss ihrer Region befürchten. Man dürfe die Nähe zu den Mitgliedern deshalb auf keinen Fall verlieren. «Der Kantonalvorstand ist gefordert.»