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GASTKANTON: Ein gern gesehener Olma-Gast

Serie «Olma, wir kommen!» (4): Wenn der Thurgau an der Olma im Oktober Hof hält, schreibt er auf jeden Fall Geschichte: Noch kein anderer Kanton war fünf Mal Gastkanton. Und nicht nur das: Er war auch der Erste.

Ob es wieder eine «volle Ladung Thurgau» geben wird? So jedenfalls sah der Berichterstatter der «Thurgauer Zeitung» den letzten Gastauftritt im Jahr 1998. Charmant habe sich der Thurgau am Olma-Umzug präsentiert, «ohne billigen Tand – dafür aber hingebungsvoll und einfallsreich. Und spontan». Doch nicht nur des charmanten Umzugs wegen dürfte der Gastauftritt von 1998 noch am besten in Erinnerung geblieben sein. «Aussen grün – innen Thurgau»: Vielen gilt das Motto von damals noch heute als kleiner Geniestreich. Frisch, frech und überraschend. Und Letzteres sollte über dem gesamte Auftritt des Gastkantons Thurgau als Anspruch schweben. Weg von den Klischees, vom «kleinen schaffigen Volk» etwa, wie der im selben Jahr verstorbene Historiker Albert Schoop den Kanton einmal charakterisiert hatte, hin zu einer Performance, die witzige Elemente mit einschloss. Eine Thurgauer Apfelkönigin gehörte damals schon zum Inventar, aber eben auch ein «Napoleon», der in vollem Kostüm und mit einem schweren Motorrad auf St. Gallens Strassen unterwegs war. Oder eine Ausstellung, die sich Thurgau-untypisch «Der Thurgau ist ... Eine Skizze» nannte. Ohne Berührungsängste bot der Thurgau am Festumzug Trachtenkleider neben Operetten und Discosound neben Blechmusik.

«Vielleicht eine Spur bedächtiger»

Ganz so ungezwungen ist man 15 Jahre früher unter dem Motto «Natürlich Thurgau» noch nicht zu Werke gegangen. Im Gegenteil: Anno 1983 war man immer noch ein bisschen stolz darauf, «dass im Thurgau vielleicht alles um eine Spur bedächtiger geschieht als anderswo». Der Focus lag zudem stärker auf der Landwirtschaft. Auch den Umzug am Thurgauer Tag dominierten zahlreiche Gruppen mit landwirtschaftlichen Themen. Nicht ohne Grund. Zwölf Prozent der Beschäftigten arbeiteten im Thurgau dannzumal in der Landwirtschaft, betonte der damalige ­Regierungsrat Hanspeter Fischer in seiner Rede an der Olma-­Eröffnungsfeier. Heute sind es nur noch 5,9 Prozent. Auch die «Thurgauer Zeitung» leistete 1983 ihren Olma-Effort und brachte extra ein Sonntagsblatt mit einer aktuellen Berichterstattung heraus.

1972, anlässlich des zweiten Thurgauer Gastauftrittes, war alles noch eine Nummer kleiner. Kein Extrablatt der TZ, und die kreativen Einfälle beschränkten sich auf heute merkwürdig anmutende Formen wie eine Schaufensterausstellung in der Multergasse, gespeist aus Thurgauer Museen, oder eine Ausstellung mit thurgauischen Schülerzeichnungen im Stadttheater.

Grossgeschrieben wurden in den Reden, wenn der Nachbar als Gastkanton zu Besuch kam, traditionell die gemeinsame Ostschweizer Identität. Auch wenn die Thurgauer 1983 etwa stichelten, die St. Galler seien früher immer dann besonders zuvorkommend gegenüber dem Thurgau gewesen, wenn sie einen bestimmten Zweck verfolgt hätten.

Völlig unverklemmt an die Olma

Und die Premiere von 1950? Da lieferte die TZ gleich selber eine unfreiwillige Pointe, indem sie den Thurgauer Olma-Auftritt und damit den ersten Gastkanton überhaupt, auf die letzte Seite verbannte. Gleichzeitig aber Angst vor dem eigenen Mut hatte: «Vielleicht hätten wir den Bericht weiter vorne in der Zeitung platzieren sollen, nicht seinetwegen, sondern der bedeutenden Sache wegen.»

Übrigens: Auch eine Lehre für die Gegenwart hat die Vergangenheit parat. Jene, die finden, nach Hefenhofen sei das Thurgauer Image sowieso am Boden und alles für die Katz, sollten sich an Hanspeter Fischers Rede von 1983 aufrichten: «Wir Thurgauer kommen auch dieses Jahr völlig unverklemmt und ohne die geringste psychische Belastung, sondern geformt und getragen von einem gesunden und starken thurgauischen Selbstverständnis an die Olma.»

Christian Kamm

christian.kamm@thurgauerzeitung.ch

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