GASTKANTON: Bär und Löwe lassen die Sau raus

Serie «Olma, wir kommen!» (3): Im Thurgau wohnt zwar nur ein Löwe, aber dennoch ist das Raubtier im Kanton allgegenwärtig: als Wappentier. Er hat charakterlich viel mit dem Kanton gemein, den er repräsentiert.

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Oh Thurgau, du Heimat, wie bist du so schön – und das sollen auch die St. Galler sehn. Auch wenn der Text des Thurgauerliedes etwas abgewandelt ist, für die elf Tage während der Olma trifft er zu. Denn der Thurgau will als Gastkanton zeigen, dass er überraschen, unterhalten und neugierig machen kann. Damit das gelingt, muss natürlich ein passendes Konzept her.

Obwohl neben Louis im ­Plättli-Zoo kein weiterer Löwe im Thurgau wohnt, ist er als Wappentier allgegenwärtig. Als einziger Kanton der Schweiz trägt die Fahne zwei der stolzen Raub­tiere. Ein guter Grund, ihn zum Olma-Botschafter zu ernennen. Entsprechend lautet der Slogan «De Leu isch los». Verantwortlich für die Kampagne ist die Firma Koch Kommunikation AG aus Frauenfeld. Marc Schadegg leitet die Kreativabteilung und hat mit ­seinem Team dafür gesorgt, dass der Thurgau Löwenspuren an der Olma hinterlassen kann. «Wir waren uns einig, dass wir uns nicht der gängigen Klischees wie Mostindien, der Landwirtschaft oder unseres Dialekts ­bedienen wollen», sagt Schadegg. Denn der Thurgau werde von aussen immer wieder auf diese Attribute reduziert – und deshalb unterschätzt. Er findet: «Stehen wir hin und beweisen der Schweiz, dass der Thurgau einiges zu bieten hat. Selbstbewusst und mit grossem Stolz zeigen wir die ­breite Brust und hinterlassen mit dem Auftritt unsere Spuren.» Was passe dazu besser als der stolze Löwe im Wappen?

Die Gemeinsamkeiten zwischen dem Thurgau und seinem ­Wappentier sind vielfältig. Wie erwähnt ist der Löwe ein Unikum unter den Schweizer Kantonswappen – genauso wie die Thurgauer einzigartig sind. Stolz blicken sie am liebsten morgens aus dem Fenster über ihr Revier, ihre schöne Landschaft. Sie bevorzugen frisches, regionales Essen – vielleicht etwas weniger fleischlastige Kost als das Raubtier mit Mähne. Die Thurgauer hinterlassen Spuren, aber zerkratzen nicht alles. Zudem symbolisiert das Wappen ein bisschen die rebellische Seite. Gemäss Regeln der Wappenkunde ist die Kombination von Gold und Silber, oder eben Gelb und Weiss, nicht zulässig. Doch das hat die Thurgauer nie gestört. Selbst historisch trägt der Thurgauer Löwe das gleiche Schicksal wie seine Einwohner: Er ist nämlich ursprünglich ein Zürcher, genau wie es die Landgrafschaft Thurgau auch einst war. Das Wappen stammt von den Grafen von Kyburg ab. Nur die Farben haben von Weiss-Rot auf Gold, Silber und Grün gewechselt. Dass man längst über diese Vergangenheit hinweggekommen ist, zeigt die Farbe der Hoffnung. Die Hoffnung auf eine eigenständige Verwaltung, die nie aufgegeben wurde. Die Farbe geliebter Wiesen und Wälder.

Doch der Löwe allein macht noch keinen Slogan. «De Leu isch los» fand seinen Ursprung im Spruch «Do isch dä Bär los», erklärt Marc Schadegg. Ein witziger Vergleich, wenn man bedenkt, dass das Wappentier der Stadt St. Gallen ein Bär ist. «Eine schöne Vorstellung, dass der St. Galler Bär und der Thurgauer Löwe ­miteinander Spass haben», sagt Schadegg. Er ist sich sicher: «Unser Leu zeigt den Messebesuchern, was wir zu bieten haben. Eindrucksvoll und mit grossem Stolz – wie der Löwe.»

Sabrina Bächi

sabrina.baechi@thurgauerzeitung.ch