Gassers melken Wasserbüffel

DUSSNANG. Walter Gasser aus Dussnang hat vor zehn Jahren seine ersten Wasserbüffel gekauft. Die Tiere geben weniger Milch, sind anhänglich und sensibel. Trotzdem habe sich der Wechsel gelohnt, sagt Gasser, «vor allem wirtschaftlich».

Ruth Bossert
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Anhängliche Tiere: Marie-Louise und Walter Gasser kümmern sich um 23 ausgewachsene Wasserbüffel, einen Muni und den Nachwuchs. (Bild: Ruth Bossert)

Anhängliche Tiere: Marie-Louise und Walter Gasser kümmern sich um 23 ausgewachsene Wasserbüffel, einen Muni und den Nachwuchs. (Bild: Ruth Bossert)

DUSSNANG. Das massige schwarze Tier mit den riesigen Hörnern hält den Kopf gesenkt, die Bullaugen glotzen trotzig, und der Kopf wiegt sachte hin und her. «Höchste Gefahr», denkt sich der Besucher, «das Tier nimmt mich gleich auf die Hörner.» Weit gefehlt, sagt Walter Gasser, mit dieser Geste suche der Wasserbüffel Kontakt und wolle, dass man ihn krault. Der Büffel scheint das Liebkosen zu mögen und reibt seinen Kopf an Gassers Hosen.

«Der Büffel ist ein Gewohnheitstier und braucht seine Bezugspersonen», sagt der 55jährige Landwirt, der vor ein paar Jahren von der Milchwirtschaft mit Kühen auf Wasserbüffel umgestellt hat und nicht mehr zurück möchte. Er sei mit seinen zwei Dutzend Wasserbüffeln sehr zufrieden. Sowohl die wirtschaftlichen wie auch die betrieblichen Erfahrungen zeigen ihm, dass er auf das richtige Tier gesetzt hat.

Büffel passen eher in die Hänge

«Ich wollte eine Nische, auf die nicht jeder setzt,» sagt Gasser. Damals, vor ungefähr zehn Jahren, als man Alternativen suchte, um aus dem Milchpreisdebakel mit dem steten Preiszerfall auszusteigen, entstand die Idee, nicht aus Not, eher aus Zuneigung zu dem Tier, das er von einer Rumänienreise her kannte. Als lösungsorientierter Mensch mache er sich nicht allzu schnell Sorgen, hingegen sah er den Sinn einfach nicht mehr, auf seinem 13 Hektar grossen Hof mit zum Teil schattigen und steilen Hängen Hochleistungskühe zu halten. «Das war einfach nicht standortgerecht.»

Seither ist viel passiert. Das Vorhaben, die Büffel direkt aus Rumänien zu beziehen, scheiterte an der BSE, der Rinderkrankheit. So beschloss Gasser einen rollenden Umstieg von Milchkühen zu Wasserbüffel und kaufte einem der ersten schweizerischen Büffelzüchter aus dem Emmental ein Munikälbchen, ein Rind und eine trächtige Büffelkuh ab. Ideal erwies sich, dass der Stall bereits zu einem Laufstall umgebaut war und man sonst keine grossen Investitionen tätigen musste. Ein paar wenige Jahre dauerte die Umstellung. Der Verkauf des Milchkontingents sowie der Holsteinkühe brachte genügend Geld, um weitere Tiere kaufen zu können und die Ertragslücke in der Umstellungsphase zu überbrücken. Heute leben auf dem Hof 23 Wasserbüffel und ein Muni sowie der dazugehörige Nachwuchs.

Büffelmilch ist gut haltbar

Da die Haltbarkeit von Wasserbüffelmilch sehr gut ist, reicht es, wenn Gasser zweimal pro Woche mit seiner Milch zum Milchverarbeiter Züger nach Oberbüren fährt und sie dort «zu einem anständigen Preis» verkauft. Damit auch die Familie etwas hat von der wertvollen Büffelmilch, die 8 Prozent Fett und 4,3 Prozent Eiweiss enthält, zweigt er jeweils ein paar Liter ab. Seine Frau Marie-Louise Gasser stellt daraus Naturjoghurt her, den die Familie, von seinen sechs Kindern leben noch drei Kinder zu Hause, sehr schätzen.

Walter Gasser engagiert sich heute im schweizerischen Büffelzuchtverein. Den typischen Büffelhalter gebe es nicht, erzählt er. Jeder Betrieb müsse sich individuell nach seinen Gegebenheiten, Bedürfnissen und Situationen ausrichten. Er schätzt den regelmässigen Austausch und pflegt auch Kontakte mit Haltern aus Rumänien, wo die Wasserbüffel noch Karpatenbüffel heissen und als Zugtiere eingesetzt werden. Den Nachwuchs für seine Herde züchtet er selbst. Einen Muni hat er, zur Blutauffrischung greift er hin und wieder auch auf die künstliche Besamung zurück. Auch wenn die Büffel robust und widerstandsfähig sind, brauchen sie dieselbe Pflege wie andere Rindviecher, sagt Gasser. Die regelmässige Entwurmung und die Mineralstoffversorgung dürften nicht vernachlässigt werden.

Anhängliche und sensible Tiere

Da die Büffel anhängliche und sensible Tiere seien und den Kontakt zum Mensch suchen, sei es wichtig, dass man sich Zeit für sie nehme, sagt Gasser. «Ich muss als Chef akzeptiert sein», sagt er und erklärt die starke Rangordnung, die unter den Tieren herrscht.

Die Frage, ob dereinst ein Kind den Hof weiterführen wird, verneint Walter Gasser. Für ihn sei es wichtig, dass die Kinder selber entscheiden können, in die Landwirtschaft einzusteigen. Mittlerweile ist nur noch ein Sohn schulpflichtig, auch er habe keine Ambitionen, Landwirt zu werden. Die Kinder haben sich andere Berufe ausgesucht. Für die kommenden Jahre werde Gasser den Wasserbüffeln die Treue halten.