GACHNANG: Zurück auf Start

Kaum ist der WM-Grand-Prix 2017 in Niederwil zu Ende, gehen erneut Diskussionen um zukünftige Rennen los. Obwohl die Gemeinde keine Umzonung will, zielt das OK auf eine langfristige Lösung ab.

Samuel Koch
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Die Motocross-Fahrer schenken sich nichts und geben beim Start Vollgas. (Bild: Andrea Stalder)

Die Motocross-Fahrer schenken sich nichts und geben beim Start Vollgas. (Bild: Andrea Stalder)

Samuel Koch

samuel.koch@thurgauerzeitung.ch

Es ist ein Dilemma. Verglichen mit einem Rennen auf dem Motocross-Parcours befände sich das Veranstalter-OK des Motocross-Grand-Prix of Switzerland (MXGP) nun kurz nach dem Start zur dritten Runde. Zwei Runden hat der Fahrer mit OK-Präsident Willy Läderach an der Spitze nun erfolgreich absolviert, obwohl die Fahrt nicht immer reibungslos verlief. Obwohl Läderach mit dem Internationalen Motorrad-Weltverband FIM längst einen Vertrag für die Durchführung von drei MXGP-WM-Rennen bis und mit 2018 unterzeichnete, erhielten er und sein OK jeweils erst auf den Zielgeraden wenige Wochen vor den Rennen definitiv grünes Licht. Zweimal erteilte das kantonale Departement für Justiz und Sicherheit (DJS) eine ein­malige Veranstaltungsbewilligung. 37 Auflagen zu Themen wie Lärm, Sicherheit und Verkehr müssen Läderach und sein Team für den MXGP erfüllen. Eine davon lautet, dass der Parcours auf dem Landwirtschaftsland von Besitzer Jörg Herzog auf- und auch wieder zurückgebaut werden muss.

Neue Runde, neues Glück: Das erhofft sich der Veranstalter um Willy Läderach. Insgesamt 30 000 Zuschauer säumten während der zweiten Austragung am vergangenen Wochenende den Streckenrand der provisorischen Anlage «Schweizer Zucker». Trotz «absolut positiven Fazits» hätte es für eine schwarze Null noch einige Zuschauer mehr gebraucht. Als wahrscheinlich bezeichnet Läderach die Prognose, dass heuer nach 2016 erneut ein finanzieller Verlust resultiert. «Das hat zweifellos mit den Kosten von rund einer Viertelmillion Franken für den Auf- und Abbau des Parcours zu tun.» Entgegen aller Befürchtungen von Anwohnern in den Quartieren Sandbühl oder Hohliberg hätten er und sein OK gezeigt, dass pro Jahr nur ein Rennwochenende geplant ist. «Zudem haben wir unsere Lehren aus dem vergangenen Jahr ge­zogen und etwa die Immissionen der Lautsprecheranlage deutlich verringert», sagt Läderach. Trotzdem liegen im E-Mail-Post­eingang der Behörden Schreiben von lärmklagenden Anwohnern. Im vergangenen Jahr lieferten sich Gegner und Befürworter mit Petitionen einen Schlagabtausch.

Weiteres Potenzial für Verbesserungen

Insgesamt stellen die beteiligten Behörden der Austragung 2017 ein gutes Zeugnis aus. «Es war ein gelungener Anlass», meint Gachnangs Gemeindepräsident Matthias Müller. Obwohl der Veranstalter alles im Griff gehabt habe, sei Lärm bei Motorsport-Anlässen halt nicht vermeidbar. Wie im Vorjahr gebe es auch heuer Verbesserungspotenzial, das Müller mit dem OK an einer baldigen Sitzung besprechen will. Klar ist für Matthias Müller, dass eine definitive Motocross-Anlage in einer Spezialzone respektive Sportzone nicht zustande kommen wird. «Wir wollen kein Umzonungsverfahren.» Das würde viel kosten, wäre für ein Ver­anstaltungswochenende unverhältnismässig, und es bestünde das Risiko, dass das Stimmvolk das Vorhaben ablehnt. Trotzdem werde sich der Gachnanger ­Gemeinderat für eine gemeinsam vertretbare Lösung enga­gieren.

Zwei kantonale ­Departemente involviert

Beim Kanton bewilligt das DJS die jährlichen Motocross-Rennen, obwohl auch Ämter vom Departement für Bau und Umwelt involviert sind. So kümmert sich etwa das Amt für Umwelt (AfU) sowie ein externer Bodenschutzexperte um die Feuchtigkeit der Erde vor, während und nach dem Anlass. Die Empfehlungen des AfU fliessen dann in die Beurteilung des DJS für die Veranstaltungsbewilligung ein. Dort hält man sich bedeckt, wie Generalsekretär Stephan Felber auf Anfrage sagt: «Die Bewilligung für 2017 schreibt klar vor, dass die Anlage wieder zurückgebaut werden muss.» Für 2018 sei bisher kein Gesuch für eine Durchführung eines Motocross-Grand-Prix eingetroffen. Wenn das der Fall sein sollte, werden sich die betroffenen Ämter im Rahmen einer Einzelfallbewilligung wieder mit dem Gesuch befassen.

Das MXGP-OK um Willy ­Läderach will bald das Gespräch mit dem Kanton suchen. Für die WM-Rennen 2018 will es im Ge­gensatz zu den Vorjahren nicht bis im Frühjahr warten. «Wir wollen im September das neue Gesuch einreichen», meint Läderach. Unabhängig davon plant er, den Wunsch der FIM-Verantwort­lichen von einer Verlängerung des 2018 auslaufenden Vertrags für WM-Rennen in Niederwil zu erfüllen, «denn sie sind erneut sehr zufrieden mit unserer Organisation.» Läderach hofft, dass sich das AfU zumindest bei der Auf­lage für den Auf- und Rückbau umstimmen lässt. «Es ist ökologisch und ökonomisch nicht sehr sinnvoll, mit rund 700 LKW-Ladungen für teures Geld den Parcours auf- und wieder abzubauen», meint er. Sollte es aber für die Durchführung der dritten Runde des MXGP vonnöten sein, müsse das OK halt damit leben.