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GACHNANG: Zankapfel erschwert Luftsprünge

Ab 2019 sind Motocross-Rennen in Niederwil nur noch mit einer ordentlichen Baubewilligung möglich. Trotz des grünen Lichts der Regierung sind nun auch die WM-Rennen im kommenden August gefährdet.
Samuel Koch

Samuel Koch

samuel.koch@thurgauerzeitung.ch

Das Licht an der Ampel leuchtet grün auf, jedoch nur noch bis im August 2018. Dann wechselt die Farbe auf Rot. Denn die Umweltverbände VCS Sektion Thurgau, Pro Natura und WWF haben sich mit der Thurgauer Regierung geeinigt, dass WM-Rennen des Motocross-Grand-Prix (MXGP) of Switzerland im Thurgau nach der diesjährigen Austragung im August nur noch in Frage kommen, wenn die gesetzlichen Rahmenbedingungen eingehalten werden. «Das bedeutet, dass der Regierungsrat bei unveränderter Ausgangslage keine Veranstaltungsbewilligung für ein weiteres Motocross-Rennen mehr sprechen wird», sagen die Vertreter der Umweltverbände, Peter Wildberger (VCS) und Toni Kappeler (Pro Natura), an der gestrigen Medienorientierung im Hotel Blumenstein in Frauenfeld.

Laut Cornelia Komposch, Vorsteherin des Departements für Justiz und Sicherheit (DJS), muss für ähnliche Rennen ab dem Jahr 2019 ein gesetzeskonformes Bewilligungsverfahren durchgeführt werden. «Das war unsere Bedingung, dass wir keine Beschwerde gegen die Bewilligung für die Rennen vom 18. und 19. August 2018 eingereicht haben», sagt Toni Kappeler. Wildberger und er zeigten sich erleichtert, dass sie auf einen gerichtlichen Weg vors kantonale Verwaltungsgericht verzichten konnten.

Nach dem Entscheid des DJS, den MXGP 2018 trotz Widerstand zu ermöglichen, muss sich nun doch das Verwaltungsgericht mit dem Fall beschäftigen, wie Regierungsrätin Komposch auf Anfrage bestätigt (siehe unten). 2016 und 2017 strömten jeweils bis zu 30000 Zuschauer zu den Motocross-WM-Rennen.

Umweltverbände wollen keine Verhinderer sein

Gegenstand des Zankapfels zwischen Umweltverbände und Veranstalter: Die Motocross-Anlage «Schweizer Zucker» in Niederwil befindet sich grösstenteils auf Landwirtschaftsland mit Fruchtfolgefläche, also ausserhalb der Bauzone. 2016 lehnte die Gemeinde Gachnang ein Baugesuch des Veranstalters ab. Denn für die über ein Dutzend Sprünge und die Zuschauer waren einerseits Erdbewegungen und andererseits Tribünenbauten vonnöten. «In dieser Grössenordnung braucht es eine Baubewilligung», sagt Peter Wildberger. Es gehe den Umweltverbänden weder ums Motocross noch darum, Volksfeste zu verhindern, «sondern wir wollen, dass die rechtlichen Grundlagen eingehalten werden», ergänzt Toni Kappeler.

So schreibe etwa das Raumplanungsgesetz des Bundes vor, dass in der Landwirtschaftszone nur Bauten und Anlagen möglich sind, die zur landwirtschaftlichen Bewirtschaftung oder für den produzierenden Gartenbau nötig sind. «Es kann doch keine Gleichbehandlung sein, wenn Bauern für den Bau von Hochbeeten gleichzeitig Baubewilligungen benötigen», sagt Kappeler. Diese Regeln hätten nicht die Umweltverbände erfunden, sondern es sei ein Schweizer Gesetz, das eingehalten werden müsse.

Kappeler moniert auch die Antwort des Regierungsrates auf eine Einfache Anfrage mit dem Titel «Motocross staatlich gefördert!», die er im Herbst eingereicht hatte. «In seiner Antwort widerspricht der Regierungsrat dem kantonalen Planungs- und Baugesetz (PBG)», sagt er. Gemäss Paragraf 98 des PBG bedürfen alle Bauten und Anlagen einer Bewilligung, die provisorisch erstellt würden oder eingreifende Terrainveränderungen zur Folge hätten. «Das ist beim MXGP sicher in beiden Fällen gegeben», sagt Kappeler. Ebenso schrieb das kantonale Amt für Raumentwicklung im Jahr 2016, dass die Bauvorhaben für den MXGP «in der Landwirtschaftszone nicht zonenkonform» seien. «Alle in der kantonalen Verwaltung wussten schon immer, dass eine blosse polizeiliche Bewilligung für einen motorsportlichen Anlass nicht genügt», rügt Kappeler die Kantonsregierung. Erst die Androhung einer Beschwerde habe Regierungsrätin Komposch zu ihrer Zusage bewegt, dass nach 2018 kein MXGP ohne Baubewilligungsverfahren mehr möglich sei.

Verweis auf Kulturlandschutz-Abstimmung

Als Motiv für ihre Gegenwehr geben die Umweltverbände auch die Schönheit des landwirtschaftlich geprägten Kantons an. «Im Februar 2017 haben die Thurgauer mit 80 Prozent Mehrheit zugestimmt, dass in unserer Kantonsverfassung der Kulturlandschutz zusätzlich verankert wird», sagt Peter Wildberger. Daher würde er es als seine Aufgabe ansehen, diesen Kulturlandschutz ernst zu nehmen. Dass die Regierung in seiner Antwort auf den Vorstoss von Toni Kappeler den Umweltverbänden unterstellte, mit der Opposition gegen die Durchführung andere Anlässe wie Tractorpullings oder andere Motocross-Rennen wie etwa in Amriswil zu verunmöglichen, sei unfair. Wildberger stellt der Regierung die Frage, weshalb sie die Umweltverbände bei den Bewilligungen für die zwei bisherigen MXGP habe im Regen stehen lassen. «Der Regierungsrat setzt sich dem Verdacht aus, dass es ihm doch nicht ganz so ernst war, die gesetzeswidrigen Bewilligungen zu stoppen und dass er sich eine Hintertüre offen lassen wollte», sagt er. Die Umweltverbände würden sich kompromissbereit zeigen, dass im Thurgau weiterhin Volksfeste und sportliche Veranstaltungen möglich sind. «Die Eingriffe in die landwirtschaftliche Nutzfläche dürfen jedoch ein gewisses Mass nicht überschreiten», sagt Wildberger. Nächste Woche werden Toni Kappeler und er jedenfalls mit den Vertretern des DJS, des Departements für Bau und Umwelt (DBU) sowie den zuständigen Regierungsrätinnen Cornelia Komposch und Carmen Haag zusammensitzen. «Denkbar ist ein Leitfaden für Bauten ausserhalb der Bauzone, wie es ihn etwa im Kanton Zürich gibt», sagt Kappeler. Darin soll eine sogenannte Intensitätsschwelle Fragen beantworten, ob eine Veranstaltung ausserhalb der Bauzone in Zukunft möglich oder unmöglich ist.

Für eine motorsportliche Publikation an der Medienorientierung erschienen ist der Präsident des MXGP-OK Willy Läderach. «Ich bin nur hier, um Fragen zu stellen», sagte er und hielt sich grösstenteils nicht an seine Aussage. Zur Beschwerde vor Verwaltungsgericht sagt er: «Unsere Organisation geht normal weiter, und wir werden beim Gericht wie die Regierung auch fristgerecht eine Stellungnahme einreichen.»

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