Gachnang verändert sein Gesicht

Unterhalb der Gachnanger Gemeindeverwaltung baut der Frauenfelder Unternehmer Juan Canosa mit Partnern für 60 Millionen Franken ein neues Quartier. Fünf Gebäude der ehemaligen Mosterei werden abgerissen.

Thomas Wunderlin
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FRAUENFELD. Giacomo Visinoni zerschlug am Dienstag um 10 Uhr mit einer Baggerschaufel ein grosses rotes G, das am ehemaligen Pressengebäude der Mosterei Gachnang prangte. Der Winterthurer Elektroinstallateur vollzog symbolisch den ersten Spatenstich der Überbauung Schlosswiese.

Fünf Mosterei-Gebäude werden als erstes dafür abgerissen, darunter eine Kläranlage. Beim roten G handelte es sich um das Signet der Mosterei, deren Abfüllerei als letzter Betriebszweig 1997 geschlossen wurde.

Überbauung mit 29 Gebäuden

An Stelle der abgerissenen Gebäude und auf der nordwestlich angrenzenden Wiese entsteht in den nächsten drei, vier Jahren ein neues Wohnquartier. Auf einer 30 000 Quadratmeter grossen Fläche sind 29 Gebäude geplant: 20 Einfamilienhäuser und 9 Blöcke. Die Blöcke umfassen 49 Eigentums- und 30 Mietwohnungen.

Damit wird eines der beiden grossen offenen Landstücke an der Strasse Islikon–Gachnang verschwinden. Auch das andere wird nach den Plänen der Gemeinde längerfristig überbaut.

Als erste Etappe des Wohnparks Schlosswiese werden ab März 2013 bis Sommer 2014 die Gebäude im westlichen Viertel entstehen, sagt Juan Canosa. Der Frauenfelder Unternehmer hat in den letzten Jahren zahlreiche Bauprojekte in der Region Frauenfeld entwickelt. Für das Grossprojekt in Gachnang hat er Visinoni als Investor dazugeholt, «um das Risiko zu minimieren».

Dritter Mann im Hintergrund

Bauherrin ist die Vicasa Immobilien AG, an der Canosa und Visinoni zu je 40 Prozent beteiligt sind. Die restlichen 20 Prozent gehören einem dritten Partner, der im Hintergrund bleiben möchte. Canosa ist zuversichtlich, Käufer zu finden. Er habe bereits zahlreiche Interessenten. «Gachnang ist gut gelegen.» Die S-Bahn Richtung Zürich sei zu Fuss in fünf Minuten erreichbar. In der Region gebe es kaum noch Bauland.

Die Vicasa kaufte den Baugrund am 3. Dezember von der Familien-AG der einstigen Moster-Familie, der Gebrüder Müller AG mit Verwaltungsratspräsidentin Carolina Müller-Möhl. Den Kaufpreis nennt Canosa nicht; die gesamten Baukosten des Wohnparks Schlosswiese inklusive Bauland betragen nach seinen Angaben 60 Millionen Franken.

Zu den Interessenten gehörte auch das Lommiser Bauunternehmen Vetter AG, das nun im Auftrag der Vicasa die fünf Mosterei-Gebäude abreisst. Auch die Gemeinde hatte ein Kaufangebot gemacht, sagt Gemeindeammann Matthias Müller auf Anfrage. Eine Nachbesserung habe er abgelehnt: «Die Gemeinde spekuliert nicht.» Die Gemeindeverwaltung befindet sich selber seit 2005 in einem ehemaligen Mosterei-Gebäude, nämlich in der einstigen Abfüllerei. Es heisst Neues Schloss, da es vom Volumen her dem dahinter stehenden Barockschloss aus dem 18. Jahrhundert gleicht. Neues Schloss und Schloss gehören weiterhin der Gebrüder Müller AG.

Der Investor des Wohnparks Schlosswiese, Giacomo Visinoni, zerstört das Signet der einstigen Mosterei Gachnang. (Bild: Nana do Carmo)

Der Investor des Wohnparks Schlosswiese, Giacomo Visinoni, zerstört das Signet der einstigen Mosterei Gachnang. (Bild: Nana do Carmo)

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