Gachnang gibt bei Tempo 30 Gas

Der Gachnanger Gemeinderat plant in allen Ortsteilen flächendeckende Tempo-30-Zonen. Wie am Montag an der Informationsveranstaltung herauszuspüren war, ist der Grossteil der Bevölkerung glücklich ob dieser Massnahmen.

Mathias Frei
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«Im Morgen» am Gachnanger Dorfrand gilt heute schon Tempo 30. (Bild: Mathias Frei)

«Im Morgen» am Gachnanger Dorfrand gilt heute schon Tempo 30. (Bild: Mathias Frei)

GACHNANG. «Wir verrecken noch am Verkehr, der durch Oberwil fährt.» Ein Versammlungsteilnehmer aus Oberwil sagt an der Tempo-30-Infoveranstaltung geradeaus, was ihn bewegt. Er ist einer von 70 Interessierten, die am Montag in die Casa Sunnwies nach Islikon gekommen sind. Die gute Nachricht für den Herrn aus Oberwil: Wenn alles gut- läuft, könnte ab Frühling 2017 in verschiedenen Ortsteilen von Gachnang das Tempo-30-Regime mit Markierungen und baulichen Massnahmen umgesetzt werden. Auch Oberwil kommt zum Zug. Denn der Gachnanger Gemeinderat plant, innerorts auf sogenannten siedlungsorientierten Strassen, also Sammel- und Erschliessungsstrassen, flächendeckend 30er-Zonen einzuführen.

Für mehr Verkehrssicherheit

Derzeit bestehen in der Gemeinde Gachnang schon vier Tempo-30-Zonen. Nun sollen weitere sechs Zonen eingeführt werden. Primär soll damit die Verkehrssicherheit erhöht werden, aber auch um die Wohn- und Aufenthaltsqualität zu steigern sowie um die Lärm- und Abgasbelastung zu reduzieren, wie der zuständige Gemeinderat Fritz Stettler erklärt.

Im Auftrag der Gemeinde hat das Frauenfelder Verkehrsplanungsbüro Widmer die neuen 30er-Regimes geplant. Verkehrsplaner Thomas Buhl zeigt den Interessierten auf, wo Tempo 30 aufgrund der gesetzlichen Vorgaben überhaupt möglich ist und welche Massnahmen zweckmässig sind.

Die kantonale Vorprüfung haben die Gachnanger Tempo-30-Pläne schon hinter sich. Das erklärt Gemeindepräsident Matthias Müller. «Wir wollen zweckmässige Massnahmen und beziehen dabei auch den öffentlichen Verkehr mit ein.» Budgetiert und schon abgesegnet von der Gemeindeversammlung sind 100 000 Franken.

Berliner Kissen, enge Strassen

Die meisten baulichen Massnahmen sind im Ortsteil Gachnang nötig. Dort soll es unter anderem an der Oberwilerstrasse, an der Strehlgasse und an der Lochlistrasse kleine Rampen geben, sogenannte Berliner Kissen. Dasselbe ist in Oberwil geplant. Ein Vertikalversatz auf Höhe des Trottoirs soll bei der Trotte Gachnang gebaut werden. Dazu gibt es an verschiedenen Stellen Strassenverengungen und natürlich neue Markierungen.

Verkehrsplaner Buhl hält die geplanten Massnahmen für einen «guten Kompromiss». So stünden die Chancen gut, dass keine nachträglichen baulichen Massnahmen nötig werden.

Fragen nach dem Wann

In der anschliessenden sehr lebhaften Frage- und Diskussionsrunde wird deutlich, dass zumindest ein Grossteil der Anwesenden den Plänen des Gemeinderats positiv gestimmt sind. Da und dort werden Stimmen laut, die nach weiteren baulichen Massnahmen verlangen. «Wie lange dauert es noch, bis wir Tempo 30 bekommen? Gerlikon hat das 30er-Regime schon vor zwei Jahren eingeführt», meint einer. Die Frage nach dem Zeitrahmen kann Gemeindepräsident Müller einfach beantworten: «Wenn es keine Einsprachen gibt, kann es rassig gehen.»

Gemeinderat Stettler erklärt die Wichtigkeit eines flächendeckenden Tempo-30-Zonen-Konzepts. Gleichwohl seien aber die einzelnen Zonen als separate Projekte zu betrachten. Einsprachen in Gachnang beispielsweise würden die öffentliche Auflage zum Temporegime in Oberwil nicht betreffen und deshalb auch nicht verzögern. Denn ein Versammlungsteilnehmer aus Gachnang kündigt an, «bis vors Bundesgericht zu gehen», wenn die 30er-Zone auf der Oberwilerstrasse in Gachnang nicht am Dorfeingang vor dem Abzweiger «Im Morgen» beginnt. Bei einzelnen Strassen werde es Interessenkonflikte geben, ist Gemeinderat Stettler überzeugt. «Aber wir können es halt nicht allen recht machen. Kompromissbereitschaft ist gefordert.»