Für Jungfische wird es eng

In Steinach soll bis 2015 ein neues kantonales Fischereizentrum entstehen. Der Baurechtsvertrag für die bestehende Anlage in Rorschach ist längst abgelaufen. Fischer kritisieren, der Kanton habe geschlafen. Dieser räumt Fehler ein.

Jeanette Herzog
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«Hoffentlich fällt die Fischzuchtanlage nicht dem Spardruck zum Opfer», sagt Berufsfischer Gallus Baumgartner. «Das wäre ein tragischer Verlust.» Es gehe ihm dabei nicht so sehr um die Wirtschaftsfische, sondern um die Arterhaltung. Viele Fische seien vom Aussterben bedroht. In dasselbe Horn stösst sein Berufskollege aus Steinach Peter Klingenstein.

Seit über fünfzig Jahren ist die Fischzuchtanlage im Neuseeland angesiedelt. Vergangenen Oktober ist der Baurechtsvertrag, der 1961 unterzeichnet worden war, abgelaufen. Die Stadt Rorschach als Eigentümerin und die Politische Gemeinde Rorschacherberg als Standortgemeinde planen, die Parzelle an attraktiver Lage unmittelbar am Seeufer anderweitig zu nutzen. Noch steht die Anlage an ihrem angestammten Platz. Seit dem Ausbau 1981 wurde nichts mehr erneuert, die Infrastruktur und technischen Anlagen haben ihre besten Zeiten längst hinter sich. Insbesondere das Herzstück des Betriebs, die Kühlanlage, droht bald auszufallen, was schwerwiegende Konsequenzen hätte.

12,8 Millionen Franken

Der Kanton habe es «verschlafen», sich rechtzeitig um einen alternativen Standort zu kümmern, tönen die beiden Fischer an. Einerseits habe es kaum mehr Bauland am See. Andererseits seien die Kantonsfinanzen derart knapp, dass sie befürchteten, das Parlament könnte die Pläne für einen Neubau bachab schicken. Die Fischer sind daher froh, dass der Kanton nun eine mögliche Lösung gefunden hat – auch wenn der Standort nicht in unmittelbarer Seenähe liegt.

Das neue kantonale Fischereizentrum soll in Steinach realisiert werden. Seewasserpumpwerk und Seewasserzuleitung werden gemeinsam mit der angrenzenden Firma Telag, Tyco Electronics Logistics AG, finanziert und genutzt. Im nahen Hafen wird eine überdachte Bootsanlegestelle gebaut. Der Neubau samt Pumpwerk und Landkauf kommt auf 12,8 Millionen Franken zu stehen. Die Vorlage muss noch durchs Parlament. Sagt es Ja, könnte das neue Fischereizentrum 2015 in Betrieb genommen werden.

«Aufwendiger als gedacht»

«Die Suche nach einem neuen Standort hat viel mehr Zeit in Anspruch genommen, als wir anfangs gedacht hatten», räumt Guido Ackermann, Leiter des kantonalen Amts für Natur, Jagd und Fischerei, ein. Seit vier Jahren werde nach einem neuen Platz gesucht – von Altenrhein bis Steinach. Zwei, drei Standorte habe das Hochbauamt detailliert abgeklärt; das sei sehr aufwendig gewesen, da Fragen bezüglich Wasserversorgung, Bootsplätze und möglicher Synergien geprüft werden mussten. Zuletzt im Gespräch war eine Parzelle im Goldacher Rietli. Doch die Regionale Wasserversorgung St. Gallen wollte aus strategischen Gründen nicht auf ihr Baurecht verzichten. «Wir hätten wohl ein oder zwei Jahre früher mit der Suche beginnen müssen», sagt Ackermann. Es habe Signale von Seiten Rorschachs gegeben, dass die Fischzuchtanstalt nicht bereits 2011 weichen müsse. Noch immer steht nicht fest, wann es nun soweit ist. «Wir können nicht ausschliessen, dass dies vor 2015 der Fall sein wird», sagt Ackermann. Um sich abzusichern, strebt der Kanton eine Vereinbarung mit der Stadt Rorschach an.

Tücken des neuen Standorts

Auch der neue Standort in Steinach hat seine Tücken: Er liegt laut Botschaft der Regierung in der Grünzone. Für den Neubau eines kantonalen Fischereizent–rums muss es teilweise umgezont werden. Zudem muss der Kanton das Grundstück kaufen und kann es nicht anderweitig vorgängig sichern. Die Regierung ist daher vom üblichen Verfahren abgewichen und legt dem Kantonsrat ein Kreditbegehren für das Bauvorhaben vor, ohne dass bereits eine Detailplanung ausgearbeitet ist.

Die jungen Nasen könnten bald in die Freiheit entlassen werden, sagt Fachbereichsleiter Michael Kugler. (Bild: Urs Bucher)

Die jungen Nasen könnten bald in die Freiheit entlassen werden, sagt Fachbereichsleiter Michael Kugler. (Bild: Urs Bucher)