Für fairen Handel gekämpft

Zum 40-Jahr-Jubiläum der «Bananenfrauen» referierte Gründerin Ursula Brunner beim Thurgauer Frauenarchiv. Seit über 40 Jahren setzt sie sich für den fairen Handel mit Bananen ein.

Manuela Olgiati
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Ursula Brunner Vor 40 Jahren als «Bananenfrau» bekannt geworden. (Bild: Manuela Olgiati)

Ursula Brunner Vor 40 Jahren als «Bananenfrau» bekannt geworden. (Bild: Manuela Olgiati)

FRAUENFELD. Rund 60 Frauen und zwei Männer begrüsste Regula Gonzenbach, die Präsidentin des Thurgauer Frauenarchivs, am Dienstagabend im evangelischen Kirchgemeindehaus Frauenfeld. Das Thurgauer Frauenarchiv sammelt Dokumente, Vor- und Nachlässe von engagierten Thurgauer Frauen. Ursula Brunner ist eine dieser Frauen. Von der Stadt Frauenfeld wurde ihr der diesjährige Anerkennungspreis zugesprochen, gefeiert wird am 29. November.

Vor 40 Jahren bekannt geworden

Am Dienstagabend blickte Ursula Brunner auf 40 Jahre politisches Engagement zurück. Es gebe keine Gerechtigkeit, solange noch über eine Million Menschen Hunger leiden, betonte sie. Solange Menschen auf Kosten anderer leben, brauche es ein neues Denken. Auch jeder kleine Schritt sei besser als gar nichts, stellte Ursula Brunner fest. Als «Bananenfrau» ist die Thurgauerin vor 40 Jahren bekannt geworden.

Eine Gruppe von sieben Frauen, die sich um die Pfarrfrau und spätere FDP-Kantonsrätin Ursula Brunner formierte, bildete den Kern der Bananenfrauen. Sie kämpften hartnäckig um mehr Gerechtigkeit im Bananengeschäft. Es sei absurd, wenn sich Menschen in der Dritten Welt für einen Hungerlohn abrackern müssen, nur damit «wir» billige Bananen haben. Die Frauen legten sich damals mit dem Grossverteiler Migros an.

600 Kilo Bananen verschenkt

Das hat sie dazu bewogen, mit Leiterwagen, gefüllt mit Bananen, auf die Strasse zu gehen. Die Reaktionen der Leute waren gemischt und es habe auch geheissen, «wir sollten uns besser um Mann und Kinder kümmern», sagte Ursula Brunner. Am Ende des Aktionstages verschenkten die Frauen 600 Kilo Bananen und sie sammelten Unterschriften. Damit gewannen sie Lebensmittelgeschäfte für ihre Idee, Bananen mit einem Aufpreis von 15 Rappen zu verkaufen und das gesammelte Geld zu spenden.

1988 zur Gebana AG mutiert

Doch das war den Bananenfrauen nicht genug: Sie wollten noch mehr Gerechtigkeit, direkt von den Produzenten. Zu dem Zweck reiste Ursula Brunner immer wieder nach Lateinamerika, um sich mit Bauern, Kooperativen und Exporteuren zu treffen. Mit den Nica-Bananen aus Nicaragua wurden 1986 die ersten unabhängig produzierten Bananen importiert und mit einem Solidaritätsaufpreis verkauft.

Mit dem Markteintritt der ersten Max-Havelaar-Bananen und dem Ende der unabhängigen Produktion in Zentralamerika legten die Bananenfrauen 1997 ihre Arbeit schliesslich nieder. Aus dem im Jahre 1988 gegründeten Verein «Arbeitsgemeinschaft gerechter Bananenhandel» entstand dann die Handelsfirma Gebana AG mit dem Ziel, die direkte Verbindung zwischen Produzenten und Konsumenten herzustellen.

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