Für die halbe Miete zu haben

FRAUENFELD. Das Lokal am Frauenfelder Holdertor ist jetzt für rund die Hälfte der Miete ausgeschrieben, die Emil Meili dafür zahlte. Zu den jetzigen Konditionen hätte er sein Modellbau- und Spielwarengeschäft gerne weitergeführt.

Thomas Wunderlin
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Der Ladeninhaber Emil Meili bat vergeblich um eine Mietzinssenkung. (Bild: Thomas Wunderlin)

Der Ladeninhaber Emil Meili bat vergeblich um eine Mietzinssenkung. (Bild: Thomas Wunderlin)

Das Lokal des ehemaligen Modellbau- und Spielwarengeschäfts Meili ist für netto 180 Franken pro Quadratmeter im Jahr zu mieten, stand letzte Woche in einem Artikel der Thurgauer Zeitung. Emil Meili hat den Bericht als Affront empfunden. «Es war niederschmetternd, wie ein Schlag ins Gesicht», sagt der 61jährige Frauenfelder. «Für diese Miete hätte ich weitergemacht.» Meili hatte für das Lokal im Geschäftshaus Felsenburg am Frauenfelder Holdertor mehr als die doppelte Miete abgeliefert.

Für den 130 Quadratmeter grossen verwinkelten Raum am meistbefahrenen Kreisel Frauenfelds bezahlte er 47 580 Franken pro Jahr, also 366 Franken pro Quadratmeter. Inbegriffen war ein 65 Quadratmeter grosses Lager im Untergeschoss. «Ich habe aufgehört, weil es finanziell nicht mehr aufging.» Die Konkurrenz aus dem Internet machte ihm zunehmend zu schaffen.

Konkurrenz durchs Internet

Kaufinteressenten liessen sich von ihm beraten, bestellten aber anschliessend bei einem Online-Versand. Manche checkten den Konkurrenzpreis via Smartphone gleich bei ihm im Laden. Bei diesen hatte Meili wenigstens noch die Möglichkeit, durch einen Preisnachlass ins Geschäft zu kommen.

Bei der Vermieterin, der Siska Heuberger Holding AG, hatte Meili mehrmals um eine Mietzinssenkung nachgefragt. Zuletzt wandte er sich deswegen im November 2011 an das Winterthurer Immobilienunternehmen. Im Januar 2012 erhielt er den Bescheid, dass nichts zu machen sei. Meili kündigte darauf im Juni 2012 das Lokal, das er 16 Jahre lang gemietet hatte. Ende November liquidierte er das Geschäft, das er 31 Jahre lang zusammen mit seiner Frau geführt hatte. In dieser Zeit hatte er 16 Lehrlinge ausgebildet. «Der Meili» war wohl den meisten Kindern der Region Frauenfeld ein Begriff.

Für sein Geschäft einen neuen Standort zu suchen, das hätte sich nach Meilis Einschätzung nicht gelohnt in Anbetracht seines Alters und des Umstands, dass er in den nächsten Jahren einen Nachfolger suchen müsste und wohl nicht fände. Nicht in Frage kommt nun auch, das Geschäft nochmals am selben Ort aufzubauen.

Obwohl er arbeitslos ist, kann Meili keine Arbeitslosenunterstützung beziehen. Er kann sie erst in einem halben Jahr beantragen, wenn seine Aktiengesellschaft aus dem Handelsregister gelöscht wird. Der gelernte Maschinenmechaniker kann diese Woche einen Job in einer Metallbaufirma antreten; es handelt sich aber nur um eine 30-Prozent-Stelle, die auf drei Monate befristet ist. Seine Frau, die für die Spielwarenabteilung zuständig war, hat eine Teilzeitstelle als Verkäuferin gefunden.

Die Mietzinssenkung zeigt, dass sich das Lokal zum alten Preis nicht mehr vermieten lässt. Die Nachfrage scheint ohnehin gering zu sein: Auch das Lokal der ehemaligen Tierhandlung in der Felsenburg steht seit drei Jahren leer.

Chilbi stört das Geschäft

Meili hatte sich mehr vom neuen Standort erhofft, als er vom Hinterhaus der Papeterie Witzig an der Rheinstrasse ans Holdertor gezogen war. Zwar sei die Kreuzung stark befahren, doch die Autofahrer hätten beim Vorbeifahren keine Zeit, sein Schaufenster anzusehen. Der Marktplatz mit seinen vielen Parkplätzen liege nahe, doch er sei oft belegt von einem Zirkus, der Chilbi oder dem Beachvolleyballturnier. «Die Events sind für uns destruktiv.» Die Marktbesucher kämen nur in den Modellbauladen, um sich aufzuwärmen. «Beachvolleyballfans sind keine Modellbauer.»