Für den Wein durch die Schweiz gereist

«Wein ist Poesie» heisst das neue Buch von Albert Bärtsch aus Warth. Nebst Fachwissen geht es darin auch darum, wie der Wein die Geschichte beeinflusst hat. Am Weinfest am kommenden Wochenende wird das Werk vorgestellt.

Evi Biedermann
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Albert Bärtsch präsentiert sein neues Buch vor einem Bild, das er selber gemalt hat und das ihn und seine Frau zeigt. (Bild: Evi Biedermann)

Albert Bärtsch präsentiert sein neues Buch vor einem Bild, das er selber gemalt hat und das ihn und seine Frau zeigt. (Bild: Evi Biedermann)

WARTH. Bücher über den Wein gibt es viele. Das weiss auch Albert Bärtsch, denn der pensionierte Reallehrer, Buchautor, Holzmaskenschnitzer und Maler aus Warth hat selber deren vier geschrieben und illustriert. Das vierte, das in diesen Tagen erscheint, ist insofern bemerkenswert, als dass es Fachwissen, Geschichte, Poesie und Fotografie vereint. Dafür ist der Autor durch die ganze Schweiz gereist, hat Rebbaugebiete fotografiert und sich mit Weinproduzenten unterhalten. Zudem suchte er Sprüche, Gedichte und Lieder über den Wein zusammen und verfasste gelegentlich auch eigene Reime.

«Die Weinphilosophie fasziniert mich seit langem», sagt Bärtsch. Kein anderes Nahrungsmittel sei von Schriftstellern, Poeten und Philosophen so hoch gelobt und tiefsinnig wie auch locker beschrieben worden. Bärtsch pflegte selber während 30 Jahren eigene Reben und kelterte seinen Hauswein. Heute trinke er den Wein nur noch, «aber nach wie vor mit Genuss», sagt der Autor, der am 30. Juli 70jährig wird.

Die Wahrheit und der Wein

Ein Genuss, wenn auch nicht mit derselben wundersamen Wirkung wie zuweilen beim Trinken, ist auch das Schmökern im neuen Weinbuch. Auf rund 100 von 310 Seiten finden sich Weinkultur, Weinwirkung, Weinlob, Weinlieder, Weinwesen und Göttliches in schönsten Versen wieder. «In vino veritas» ist wohl der bekannteste und einer der ältesten. Conrad Ferdinand Meyer allerdings bezweifelt die Aussage. «Im Weine Wahrheit? Doch auch du bist die anmut'ge Lüge, Traum und Poesie», hielt der Schweizer Dichter 2400 Jahre später fest.

Die Weinpoesie umfasst auch Winzer- und Bauernregeln, den Weinkeller, die Weindegustation sowie Humor, Gesundheit und Liebe. «Wirds der Frau beim Wein erotisch, wirds dem Manne ganz chaotisch», schreibt der Autor selber und Goethe sieht «mit diesem Trank im Leibe, bald Helenen in jedem Weibe».

Wissen leicht vermittelt

Das Buch ist mit vielen Bildern illustriert, was es zur angenehmen Lektüre macht. Es liest sich leicht, weil auch das Kapitel Weinwissen (Weingeschichte, Reben, der Wein) textlich nicht überladen ist.

Er wolle die wunderbaren Schweizer Reblandschaften vorstellen, sagt Bärtsch, «und zeigen, was wo passiert». Den Winzer bei der Arbeit, den Wein im Reifeprozess, das Volk an den Weinfesten oder die Weinfreude an der Weindegustation. Das ist Bärtsch gelungen. Der Leser erfährt ausserdem, wo in der Schweiz es Weinbau- und Rebmuseen gibt und von wo nach wo die über 30 Weinwanderwege der Schweiz führen.

Albert Bärtsch: Wein ist Poesie. Vernissage am Samstag, 29. Juni, 17 Uhr, Rathaus Frauenfeld, im Rahmen des Weinfestes von Genuss & Kultur im Schloss.